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was bei der Fabrikation der Blume verwendet wird. So die Köpfchen, in welchen die
Blüthen der natürlichen blauen Kornblume stecken; sie werden (getrocknet) zu demselben
ZAvecke bei künstlichen Kornblumen verwendet, und tragen so zur Naturähnlichkeit nicht
wenig bei. Desgleichen die kleinen Samenkapseln der wilden Mohnblume, viele Gräser,
Moose, Fruchtkömer und kleine verzweigte Aestchen von Bäumen und Sträuchern, welche
letztere, in Bouquets eingebunden, sich ganz zierlich ausnehmen. Auch die Insectenwelt
wird nicht geschont und Tausende von grünen Bosenkäfern und blauen Opalkäfern müssen
ihre Versetzung von den lebenden Blumen auf künstliche geduldig hinnehmen. Von grösseren
Käfern finden die Cassida (Schildkäfer) und Buprestis (Prachtkäfer) Verwendung, deren
glänzende Flügel auch zu verschiedenen Phantasieblumen benützt werden.
Mittelst besonderer Ausschlageisen erhält man aus den oben genannten Stoffen
Blätter, welche den Umriss der natürlichen haben. Es ist ein grosser Vorrath solcher
Eisen erforderlich, da dieselben jedes Mal genau nach den Blättern der nachzuahmenden
Pflanze gebildet sein müssen und man auch zu einer und derselben Blume, um die Blät
ter von verschiedener Grösse zu erhalten, mehrere Eisen braucht.
Das Schneiden mit der Schee re aus freier Hand wird nur in Ermanglung pas
sender Ausschlageisen, ferner zum Zurechtschneiden mancher ausgeschlagener Bestandteile
vorgenommen.
Hat man durch das Ausschlagen die Blätter im Umriss erhalten, so müssen sodann
die verschiedenen Krümmungen ihrer Flächen, die Kippen und andere Unebenheiten der
Oberflächen, wie die mancherlei Furchen und Ausbiegungen der Blumenblätter hervor
gebracht werden, was durch verschiedene Mittel, unter denen das sogenannte Gaufriren
das vorzüglichste ist, erfolgt.
Die grünen Blätter werden aus schon fertigem grünen Stoffe (Laubstoff) mit dem
Ausschlageisen ausgeschlagen und gaufrirt; bei feineren wird jedes Blatt noch mittelst des
Pinsels schattirt, d. i. gezeichnet oder bemalt, sodann mit flüssigem Wachs bestrichen
(gewachselt), lackirt oder mit Stärkemehl bestaubt, wodurch der natürliche Beim hervor
gebracht wird.
Das Gaufriren der grünen Blätter ist eine mehr mechanische Arbeit. Man
verwendet dazu metallene Stempel, die sogenannten Gaufragen (Gaufroirs), die bei der
grossen Verschiedenheit der nachzubildenden Pflanzen in beträchtlicher Anzahl vorräthig
sein müssen. Zum Gebrauche wird der ObertheU des Stempels in den meisten Fällen er
wärmt; man legt in den Untertheil ein ausgeschlagenes Blatt oder auch mehrere, setzt
den Obertheil auf, und bringt beide unter eine Schraubenpresse.
Es gibt Fabriken, die sich blos mit der Erzeugung der Blätter be
fassen und selbe in Packeten, meistens per Gross, an die Blumenfabrikanten verkaufen
oder in den Handel bringen.
Auch zu den Blättern der B1 umen bedient man sich der Gaufragen, obwohl
nur selten, weil die bei dem Gebrauche derselben unvermeidliche Gleichförmigkeit, als
naturwidrig, sehr unangenehm auffallen würde. Man bildet daher die Blumenblätter mei
stens mittelst anderer Werkzeuge, und zwar unmittelbar vor dem Zusammen
setzen, aus. Diese Werkzeuge, welche mässig erwärmt werden, sind: Kolben, schnabel
förmige Instrumente, mit eingedrehten Beifen versehene Kegel u s. w.; zu denselben ge
hört noch ein mit Baumwolle oder Weizenkleien ausgestopftes Kissen (Gaufrirpolster),
welches auf den Arbeitstisch zu liegen kommt.