Monatslohn bestimmt. Der monatliche Arbeitslohn beträgt 12 bis 30 fl., im Durch
schnitte 15 fl., wobei zu bemerken ist, dass die Arbeiterinnen nebst dem Lohne auch
volle Verköstigung erhalten. Bei den Blumenmacherinnen sind die verschiedensten Alters
stufen vertreten, das Vorwiegen einer bestimmten Alterskategorie lässt sich nicht con-
statiren.
Die Arbeiten werden meistentheils an den Betriebsstätten verrichtet, nur grössere
Fabriken haben Arbeiterinnen ausserhalb des Fabrikslocales. Die tägliche Arbeitszeit um
fasst die Stunden von 7 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends, mit Einschluss der üblichen
Ruhepausen.
Gegenwärtig sind bei diesem Industriezweige in Wien und Umgebung (in circa 400
Gewerben) 1800 bis 2000 Arbeiterinnen und Lehrmädchen beschäftigt, ein Drittheil ent
fällt auf Lehrmädchen.
Die Blumen- und Laubfabrik der Gräfin Baudissin beschäftigt etwa 20 Arbeiterinnen,
welche ausser guter Anlage selten andere Befähigung mitbringen und erst in der Fabrik
herangebildet werden. Das Laub, dessen Rohstoff Battist oder Wollstoff ist, wird in der
Fabrik in Steiermark angefertigt. Auch einige Arbeitsprozesse an den Blumen werden hier
ausgeführt. Das Färben des chinesischen Papieres, aus welchem die Blumen hergestellt
werden, sowie das Montiren wird in Wien besorgt. Die verschiedenen Arbeitsprozesse sind
den oben geschilderten gleich; das Abnehmen jedoch von der Natur und die Behandlung
des Papieres sind Geheimniss der Gründerin, Besitzerin und Leiterin der Fabrik. Der wö
chentliche Verdienst der Mädchen, welche zumeist den Altersclassen von 12 bis 20 Jahren
angehören, beträgt 4 fl. bis 0 fl.
Fabrikation von Schmnckfedern.
Ausgenommen das Färben der Federn, das zumeist von Männern besorgt wird, sind
in diesem Industriezweige die weiblichen Arbeitskräfte vorwiegend. Ueber die Fabrikation
selbst, die in einigen Etablissements mit der Blumenfabrikation verbunden ist, sonst aber
selbstständig betrieben wird, ist Folgendes zu bemerken:
Unter den vielen Arten von Federn, welche uns die Natur bietet, ist die afrikanische
Straussfeder diejenige, mit der sich die Fabrikation am meisten befasst. Es gibt weisse,
schwarze und graue Straussfedern und Schecken. Die Federn werden nach Qualität in
Prima, Secunda etc. eingetheilt. Von den sonstigen Vögeln, deren Federn häufiger verar
beitet werden, sind insbesondere der weisse Edelreiher, der Paradiesvogel und der Marabu
(es gibt echte und unechte Marabufedern) zu nennen.
Die weisse Prima-Straussfeder ist die schönste von allen. Um die Feder zu
reinigen, bringt man sie in ein kaltes Seifenbad, wäscht sie zwei- oder dreimal gut durch,
und gibt sie dann in warme Seifenbäder. Nach diesen Bädern wird die Feder in reinem
kalten Wasser gut ausgewaschen, etwas gebläut, ausgepresst und in der Luft so lange
hin- und hergeschwungen (gewachelt), bis die Haare ordentlich aufgegangen und die Feder
ganz trocken ist.
Hierauf nimmt man ein kleines scharfes Messer und schneidet auf der rückwärtigen
Seite der Feder die starke, das Haar etwas überragende Rippe (Kiel, Schaft) der Länge
nach weg; dadurch verliert die Feder die Steifheit, lässt sich biegen und bekommt Schwung.
Bei kleinen Federn erzielt man dies auch durch Ausschaben der Rippe mittelst der
scharfen Kante eines Glasstückes.