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Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn, 1. Jahrgang 1895

Nr. 1 
Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn, 
Seite 7. 
CONCURRENZ-NACHRICHTEN. 
Oeffentlicher Wettbewerb für Entwürfe zu einem neuen Rathhaus in Stuttgart. Zu dieser Preisbewerbung werden deutsche 
und deutsch-österreichische Architekten eingeladen. Die Entwürfe sind bis 1. Mai 1895 in Stuttgart im Rathhaus einzureichen. 
Es wird verlangt: Ein Lageplan im Massstab 1 : 500, die Grundrisse aller Stockwerke 1 : 200, die Ansicht gegen den Markt 
platz 1 : 100, gegen die drei Strassen 1 : 200, wenigstens zwei Durchschnitte 1 : 200, eine perspectivische Ansicht des Gebäudes 
vom Standort A des untenstehenden Lageplanes aus gesehen und ein Erläuterungsbericht. Die Baukosten dürfen 1,300.000 Mark 
nicht überschreiten, wobei der Berechnung der Cubikinhalt des umbauten Raumes abzüglich des Luftraumes der Höfe unter 
Ansatz von 25 Mark per Cubikmeter für sämmtliche Kosten zu Grunde zu legen ist. 
Zur Preisvertheilung sind 25.000 Mark zur Verfügung gestellt, und zwar: 
Für einen 1. Preis von 10.000 Mark, 2. Preis von 5000 Mark, zwei 3. Preise 
von je 3000 Mark und zwei 4. Preise von je 2000 Mark. Die Stadtgemeinde 
behält sich vor, weitere Projecte auf Antrag des Preisgerichtes für je 1000 Mark 
anzukaufen. Die preisgekrönten, beziehungsweise angekauften Entwürfe 
gehen in das unbeschränkte Eigenthum der Stadt Stuttgart über, 
welche sich bezüglich der weiteren Bearbeitung des Projectes freie 
Hand vorbehält. Das Recht der Veröffentlichung steht 
den Verfassern zu. 
Ansicht des Marktplatzes mit Umriss des zu erbauenden Rathhauses. 
Das zu erbauende Rathhaus soll 
auf dem in unserer Illustration (nach 
der Beilage des officiellen Program 
mes) dargestellten Marktplatze auf dem 
mit ab cd gezeichneten Bauplatze her 
gestellt werden. Der Haupteingang 
ist gegen den Marktplatz anzulegen. 
Die Wahl des Baustyles steht dem 
Verfasser frei und können die Fagaden 
in den drei Strassen sehr einfach 
gehalten sein'. Die Construction des 
Gebäudes soll im Aeussern und Innern 
durchaus massiv und feuersicher sein. 
Es ist eine Centralheizung vorge 
sehen. Das Programm zählt die 
Räume auf, die im neuen Rath 
hause herzustellen sind und gibt 
deren Flächenmasse annäherungs 
weise an. Ein Auszug der Bauord 
nung von Stuttgart ist dem Pro 
gramme beigelegt. 
Wir haben diesen Wettbewerb 
sowohl im Wort als auch im Bilde 
ëingehender behandelt, weil die 
Theilnahme an der Concurrenz auch 
seitens deutsch-österreichischer Archi 
tekten , die so selten Gelegenheit 
zur Betheiligung an bedeutenden 
Wettbewerben haben, voraussichtlich 
eine lebhafte sein wird. Gelegentlich 
des Wettbewerbes um das Elber- 
felder Rathhaus sind weit mehr als 
hundert Projecte eingereicht worden, 
ein Zeichen, dass die Zeit der deut 
schen Architekten wenig durch Bauten 
in Anspruch genommen wird, was 
ja leider auch in Oesterreich der 
Fall ist. Die Bedingungen des Wett 
bewerbes sind relativ recht günstige, 
wie denn diese Concurrenz über 
haupt in musterhafter Weise ein 
geleitet ist. 
Von den Entwürfen für das Stadthaus in Debreczin erhielten 
zwei gleiche Preise die Herren Architekten K. ^rj-^r-Debreczin und 
Fr. Havranek & G. Adrianyi in Budapest. 
Schlachthofanlage in Linz. Zur Erlangung von Projecten und 
Kostenvoranschlägen für die in Linz zu erbauende Schlachthofanlage 
wird eine Concurrenz ausgeschrieben, an welcher sich nur in Linz domi- 
cilirende Bauberechtigte betheiligen können. 1. Preis 1200 fl. für das 
beste, für die Ausführung als zweckmässigstes erkannte Project, 2. Preis 
800 fl. für das zweitbeste, ebenfalls‘für die Ausführung als zweckmässig 
erkannte Project. Programm, Concurrenzbedingnisse etc. bei der Gemeinde 
vorstehung in Linz. Projecte, nèbst Vorausmassen und Kostenanschlägen 
sind bis i. Februar 1895 bei der Stadtgemeindevorstehung einzureichen. 
In dem Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zu einer 
zwölfclassigen Schule in Nusle-Pankrâc erhielt den 1. Preis (140 fl.) 
Herr Architekt A. Fric in Prag, den 2. Preis (100 fl.) Herr Baumeister 
Th. Herold in Nusle, den 3. Preis Herr Baumeister K. Horak in den 
Königlichen Weinbergen. 
Gypsmodell der Reiterstatue des heil. Wenzel. 1. Preis 3000 fl., 
2. Preis 2000 fl., 3. Preis 1000 fl. Die Jury besteht aus dem Oberst- 
lan dm arschall als Vorsitzenden, drei Landesausschuss-Beisitzern, und zwar 
Professor Dr. Kwicala, Jul. Lippert, Graf Adalb. Schönborn, ferner aus Pro 
fessor Casp. R. v. Zumbusch, Wien und Professor Friedrich Schaper, Berlin, 
Architekten Jos. Mocker, aus einem Mitglied, wfelches die Gemeinde der 
kön. Hauptstadt Prag entsendet und einem Delegirten der böhmischen 
Kaiser Franz Josefs-Akademie. Diese Statue soll vor dem Museums 
gebäude. auf dem Wenzelsplatze gegenüber der Mariengasse errichtet 
werden. Vorläufig wird eine Grösse von 4‘60 m vom Huf des Pferdes bis 
zum Scheitel des Reiters vorausgesetzt, welche Dimension jedoch seiner 
zeit auf Grund der Verhandlung, welche der Landesausschuss mit dem 
zu wählenden Künstler durchführen wird, entsprechend geändert werden 
kann. Das Modell ist in dem Verhältniss 1 : 5 der. wirklichen Grösse 
auszuführen. Diese Dimension gilt sowohl für die Reiterstatue, als auch 
für das Piedestal. Die Entscheidung wird nach Verlauf von 2 Monaten 
bekanntgegeben. Einreichungstermin 10. December. (Nur für Künstler, 
welche in Böhmen gebürtig sind, oder in Böhmen domiciliren.) 
Für an den Haltestellen der elektrischen Untergrundbahn in 
Budapest projectirte Warte- und Stiegenhäuschen wurde ein Concurs aus 
geschrieben und mit der Beurtheilung der einlangenden Pläne von Seite 
des städtischen Baurathes in Budapest der technische Rath Bakos betraut. 
Convictsbau. Bei der Preisconcurrenz der eingelangten sechzehn 
Pläne für den Bau eines Schülerconvicts in Stockerau wurden die Pläne 
des Architekten Max Kropf aus Wien mit dem ersten Preise (1000 Kronen), 
jene des Wiener Architekten Friedrich Kleibl mit dem zweiten und die 
des Architekten Bernhofer in Horn mit dem dritten Preise prämiirt. 
Die Jury bildeten Hofrath Gruber, Oberbaurath Wagner und Baurath 
Ludwig Pechtl. 
In Bistritz waren zu dem ausgeschriebenen Wettbewerb für ein 
Gewerbevereinshaus neun Entwürfe eingereicht worden. Die beiden 
uusgesetzten Preise (600 Kronen und 300 Kronen) wurden vom Preis 
gericht einstimmig dem Verfasser des Projects »Geh* und besteh’«, 
Herrn Paul Brang in Wien, zuerkannt. 
Vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Kairo wurde eine 
internationale Concurrenz um ein Museum für ägyptische Alter- 
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