Nr. 8.
Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn.
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bietet das englische Parlamentshaus Barry's mächtige
Massen und grosse Linien, aber durch Kleinheit und
Vielfältigkeit des Details ist der Gesammteindruck ein
verschwommener. Dagegen ist die innere Ausstattung
und ihre Wirkung geradezu herrlich, und es ist begreiflich,
dass dieser Bau von entscheidendem Einflüsse war
auf die moderne englische Architektur und noch mehr
auf das moderne englische Kunstgewerbe. Man kann daher
den Autor der inneren Decoration von Westminster,
Welby Pugin, als den Hauptvertreter der gothischen
Renaissance (Gothic Revival) in England bezeichnen.
Die Architekten waren aber durchaus nicht eines
Sinnes über die Art, wie man die Gothik wieder verwenden
solle. Man kann unter ihnen drei Kategorien
unterscheiden: erstens die Archäologen, welche kein
Compromiss zuliessen, sondern eine strenge Copie der
altenglischen Bauweise forderten; zweitens diejenigen,
welche die alten Formen mit modernen Anschauungen
in Einklang zu bringen trachteten; und endlich die Eklektiker,
welche die mittelalterlichen Formen ohne Rücksicht
auf Datum und Ursprung verwendeten. Selbst die
hervorragendsten der im gothischen Style in neuester Zeit in
England ausgeführten Bauten aufzuführen, ist unmöglich.
Aus ihrer ungemein grossen Zahl seien erwähnt: der
neue Gerichtshof (Law-Court) am Strand in London von
Edmund Street, ein Bau, der für unsere Auffassung zu
strenge und zu kalt ist, aus welchem aber die ganze
Romantik Old-Englands uns entgegensieht. Das herrliche
Denkmal des Prinz-Gemals Albert (Albert-Memorial) im
Hyde-Park von Gilbert Scott dem Aelteren mahnt an
italienische Gothik, während das mächtige Rathhaus in
Manchester von Alfred Waterhouse, das im Jahre 1869
begonnen wurde, den Oesterreicher lebhaft an das (spätere)
Wiener Rathhaus erinnert.
So discreditirt auch eine zeitlang die classischen
Formen in England waren, sie hatten immerdar ihre
getreuen und ausdauernden Vertreter, so dass, als das
Publicum der düsteren, schweren Gothik im Wohnhausbaue
überdrüssig wurde, es ihnen nicht schwer war, sich
zunächst in der bürgerlichen Architektur rasch wieder
Geltung zu verschaffen. Es geschah dies durch Hervorholung
jenes Styls intimster Einfachheit, welcher als Styl
der Königin Anna (Queen Anne) bekannt ist. Es ist
noch eine Menge gut erhaltener Beispiele dieses sehr
bescheidenen, manchmal sogar armseligen Styles in England
erhalten. Das Verdienst, ihn in der Gegenwart auf
eine hohe Stufe künstlerischen Werthes gebracht zu haben,
gebührt zweien noch rüstig schaffenden Londoner Architekten:
Normann Shaw und Eden Nesfield.
Als Shaw im Jahre 1864 ein altes Haus in der
Grafschaft Kent zu restauriren hatte, ward er von den
Formen dieses Hauses so sehr gefangen genommen, dass
er sich entschloss, der Gothik, die er bisher allein gepflegt
hatte, zu entsagen, und an Stelle der Spitzbogenfenster
viereckige anzuwenden. Nesfield entschloss sich bei einem
Schlossbau statt der gothischen Fenster sogenannte Sash-Windows
(wörtlich: Galgenfenster) herzustellen, d. h.
durch ein steinernes Fensterkreuz getheilte. Das waren
die Anfänge des neuen Styls. Er kam zum vollen Durchbruch
beim Baue eines kleinen Pförtnerhauses am Eingänge
in den Regent-Park durch Nesfield. Neu an ihm
war die malerische Gruppirung, die vollkommene Ausserachtlassung
der Symmetrie, aber auch der gothischen sowie
der classischen Formen. Malerisch in der Anordnung
ebenso wie in Farbe und Form, passt sich dies kleine
Häuschen so sehr der Landschaft an, dass man den Beifall
begreift, den es fand. Gleichsam über Nacht eroberte
sich dieser Styl in dem classischen Lande des Einfamilien-Hauses
die allgemeine Gunst.
Wenn der alte Gemeinplatz, dass das englische
Wohnhaus nackt, kalt, unkünstlerisch sei, für die älteren
Bauten zutrifft, die modernen Familienhäuser haben sich
über diesen Vorwurf erhoben: mit den einfachsten Mitteln
w T erden sehr gefällige, reizvolle, oft künstlerisch sehr
bedeutsame Wirkungen erzielt; dabei kommt aber der
Charakter des Modernen, Neuen, wie nirgends anderswo
zum Ausdrucke. Es ist eben lange nicht mehr der Styl
der Königin Anna, sondern ein moderner Styl, welcher
auf gründlichem Studium sowohl der Gothik, wie der
Antike beruht und den modernsten Anforderungen gerecht
wird. Man hat ihm darum auch andere Namen geben
wollen: Free classic (freiclassischer) oder Victoriastyl, aber
keiner dieser Namen hat sich behauptet. Er bleibt der
Stil Queen-Anne, charakteristisch durch seine Farben
weiss und roth, die auf dem Lande, wo sich die alt
geübte Zimmerei noch behauptet, eine rusticale Variante
erleiden, indem sich die weisse Mauerfüllung von der
braunen Holzfarbe abhebt.
Aber Queen-Anne, das von so einfachen Vorbildern
ausgeht, hat in kurzer Zeit so hohe künstlerische Durchbildung
erfahren, dass sie bereits an monumentale Aufgaben
sich heranwagen kann. Die Terracotta-Fagade der
Technischen Schule hinter dem Gerichtshof am Londoner
Strand von Waterhouse muss diesem Style zugerechnet
werden. Desselben Architekten mächtiges naturhistorisches
Museum in South-Kensington dagegen lässt schon
sehr stark den romanischen Einfluss erkennen, der sich
in jüngster Zeit in der Architektur Englands kundgibt,
während das Imperial-Institut von Thomas Colcutt mehr
der Renaissance zuneigt.
Das englische Kunstgewerbe hat seit langem den
Weg auf den Continent gefunden, wo es anregend und
erfrischend wirkt. Voraussichtlich wird ihm die Architektur
folgen. Es wäre dies freudigst zu begrüssen, denn es sind
seltene Vorzüge, welche die moderne englische Architektur
auszeichnen: Während sie peinlich bemüht ist, den raffinirtesten
Bedürfnissen und Anforderungen des praktischen
Lebens zu genügen, perhorrescirt sie die anderswo herrschende
Gepflogenheit, mit überlieferten Formen zu spielen.
Bei strengster Wahrung constructiver Richtigkeit und Logik
will sie dem neuen Inhalt'auch neue Formen geben; sie
bemüht sich wenigstens, eine moderne Bauweise zu sein.
Arch. Marmorek.
CONCURRENZ-NACH RICHTEN.
Die Cur-Inspection in Luhatschowitz schreibt behufs Erlangung
geeigneter Pläne für den Bau eines Curhauses in Luhatschowitz eine
Concurrenz aus. Preise: 300 fl. und 150 fl. Termin 15. September 1.
J. Bauprogramme und Situationspläne sind von obiger Cur-Inspection
unentgeltlich zu beziehen.
Der ungarische Ingenieur- und Architektenverein schreibt zur
Verfassung von geeigneten Plänen für ein grösseres Provinztheater
einen Concurs aus. Einreichungstermin 6. Jänner 1896. Preis: die
grosse Vereinsmedaille und ein Reisestipendium von 600 fl. Jury-Mitglieder
sind: Professor Alois Hauszmann, ferner Kamill Füller, Otto
Tandor, Eduard Lechner, Koloman Giergl und zwei Mitglieder des
Landesrathes für bildende Künste.
Behufs Erlangung von Plänen für den Bau einer Bürgerschule
schreibt der Ortsschulrath in Klattau eine Concurrenz aus. Erster
Preis 500 fl-, zweiter Preis 250 fl. Projecte nebst Kostenvoranschlägen
sind bis 1. September d. J. einzusenden. Nähere Behelfe können vom
Vorsitzenden Johann Frank bezogen werden.
Canalisirung der Stadt Temesvar. I. Preis 8000, II. Preis
4000, III. Preis 2000 Kronen. Im Falle das Project des mit dem ersten
Preise Prämiirten zur Ausführung gelangt, erhält derselbe noch ein
Honorar von 2000 Kronen. Behelfe sind durch das städtische Ingenieuramt
in Temesvär um den Betrag von 10 Kronen erhältlich.
Einreichungstermin 1. November 1895.
Zur Gewinnung von Entwürfen zum Neubau des Rathhauses
in Jauer in Schlesien wird unter den deutschen Architekten ein Wettbewerb
veranlasst. Für die besten Pläne sind Preise von 1000, 750
und 500 Mark ausgesetzt, die unbeschadet der Gesammtsumme auch
anderweitig vertheilt werden können. Ausserdem sind 500 Mark zum
eventuellen Ankauf von Entwürfen bereit gestellt. Die Bausumme beträgt
rund 130.000 Mark. Das Preisrichteramt haben die Herren:
Regierungs- und Baurath Hossjeld in Berlin, Stadtbaurath Flüddemann
in Breslau, Provinzial - Conservator Lutsch in Breslau, Bürgermeister
Lindeviann und Stadtverordneten-Vorsteher Sanitätsrath Dr. Dorn
übernommen, welche sich mit dem Programm einverstanden erklärt
haben. Die Entwürfe sind bis zum 20. September 1895 Abends 6 Uhr
an den dortigen Magistrat einzusenden. Von diesem sind die Unterlagen
unentgeltlich zu beziehen. Das Urtheil der Preisrichter wird in
der Deutschen Bauzeitung und im Centralblatt der Bauverwaltung
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