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Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn, 2. Jahrgang 1896

Seite 92. 
Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. 
Nr. 12. 
Am meisten überraschte der Vortragende sein Audi 
torium durch die Ansicht, dass das Wiener W ohnhaus 
der Zukunft keine Stiegen, auch nicht, wie die Mehrzahl 
der Anwesenden wohl vermuthet haben wild, einen 
Aufzug, sondern — Rampen haben werde. Wenn der 
Vortragende hiebei auf einen ball in Linden bei Hannover 
Thurm der serbischen Kirche in Ofen. 
Trotz des späten Entstehungsdatums (man liest auf der Ver 
dachung die Jahreszahl 1775) ein vortreffliches Beispiel eines Thurmes 
in der Art des Fischer v. Erlach. Die ungarische Barocke hat die 
EigenthUmlichkeit, dass sie gleichsam ein Nachklang des öster 
reichischen ist und noch viel länger als in Oesterreich die grossen 
Traditionen rein in ihr fortwirken. 
hinwies, wo in einer Kindei'bewahranstalt Rampen, auf 
denen junge Mädchen Korbwagen mit kleinen Kindern in 
die Stockwerke hinaufschieben, angewendet sind, so fügen 
wir diesem Beispiele die bekannten Fälle eines Thurmes 
in Kopenhagen und des Campaniles am Marcusplatz m 
Venedig bei, auf deren Rampen man bequem zu einer 
grossen Höhe steigt. Wir sind trotzdem nicht der An 
sicht des Herrn Architekten Baumann und glauben, dass 
es der unserer Ansicht nach bei passender Construction 
nicht gefährliche Aufzug ist, welcher auch in Wien bei 
den fünfstöckigen Häusern die Treppe ersetzen wird, 
welche jedoch stets in knappster, aber ganz feuersicherer 
Ausführung als Nothbehelf weiter wird bestehen müssen. 
Die Rampen bedürfen einer rund doppelt so langen Lnt- 
wicklun» als die Treppe, um bei einer Maximalsteigung 
von 1 : 5 den Treppen mit 1 : 2 und 1:2% gegenüber 
die (deiche Höhe zu erreichen, und ersparen ja das Steigen 
nicht, wenn sie es auch erleichtern. Die angeführten balle 
von Rampen weisen nur darauf hin, dass man zur Zeit 
der Erbauung die Aufzüge nicht kannte, bei dem ball in 
Linden, dass die Einrichtung und der Betrieb eines Per 
sonenaufzuges wahrscheinlich relativ zu kostspielig war. 
Die Küchen sollen im Zukunftshause möglichst von den 
Vorzimmern entfernt, um den Küchengeruch von den 
Wohnräumen fernzuhalten, die Badezimmei stets in 
unmittelbarer Verbindung mit den Schlafräumen, dci 
Schlafraum selbst, in dem man ein Dritttheil seines Lebens 
zubringt, das hellste und geräumigste Zimmer der Wohnung 
sein. An Stelle der mittelalterlichen Kachelöfen befindet 
sich in jeder grösseren Wohnung eine von der Küche 
ausgehende Centralheizanlage oder ein System von Gas 
öfen. Ebenso wird zum Zwecke der Beleuchtung das 
elektrische Licht nach einem neuen Patente mit Trocken 
platten von einer in der Wohnung angebrachten Central 
stelle aus erzeugt. Ein praktischer Gaskochherd ersetzt 
den bisherigen Küchenherd. 
Dann wendete sich der Vortragende mit gutem Rechte 
CTgo-en die in Wien gebräuchlichen, durchaus veralteten 
Fensterconstructionen. Er ersetzt sie durch grosse, mög 
lichst bis an den Plafond reichende Lichtöffnungen, welche 
theilweise mit Spiegeltafeln, theilweise mit Fensterflügeln 
abgeschlossen sind, so dass eine entsprechende Ventilation 
ohne das im Winter gefährliche Oeffnen ganzer Fenster 
flügel möglich wird. Die oberste Etage, der bisherige 
Bodenraum, soll direct unter dem flachen Holzcementdach 
gelegen sein und mannigfachen Zwecken dienen. Hier 
werden die Waschküchen, die Bügelzimmer, die Roll 
kammer und ein gut versicherter Raum zur Aufbewahrung 
von Pelzwerk, Teppichen etc. während des Sommers sich 
befinden. Ausserdem wird in dieser obersten Etage ein 
grosser Raum sein, der den mannigfaltigsten Zwecken 
dienen wird, so im Winter als Turn- und Spielplatz, als 
vermiethbarer Saal an die Wohnparteien bei grösseren 
Festen, Tanzvergnügungen etc. Schliesslich wird die Fläche 
des Cementdaches durch ein Gitternetz sicher abgeschlossen, 
durch Pflanzen und in Töpfen versetzte Bäume in einen 
fliegenden Garten verwandelt werden. Diese Einrichtungen 
werden wohl nur in selteneren Fällen durchführbar sein. 
Eine andere Idee des Vortragenden will uns jedoch 
noch besser erscheinen, die aber, wie derselbe erwähnte, 
nur bei mehrjährigen Miethcontracten durchführbar wäre. 
Die Wände nämlich, welche innerhalb der Wohnungen 
die einzelnen Räume trennen sollen, müssen so construirt 
sein, dass sie je nach den Bedürfnissen der jeweilig dort 
wohnenden Parteien versetzt werden können. Speciell in 
Amerika hat man solche Wände von ganz geringer Dicke 
construirt, ein Nachtheil wäre aber schwer vermeidbar, 
nämlich das Durchhören. 
Die staubhaltenden Parquetten will Herr Architekt 
Baumann unter Hinweis auf das deutsche Reichstags 
gebäude durch Linoleum ersetzen. Der Kehricht würde 
von den Wohnungen durch Schächte in einen gemein 
samen Raum geschüttet und verbrannt oder von dort 
aus in luftdichten Caissons abtransportirt werden. Bezüg 
lich der Fagadenbildung meinte der Vortragende, dass die
	        
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