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Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn, 2. Jahrgang 1896

Nr. 3. 
Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. 
Seite 23. 
Bildhauer und Stuccateur Jacob Teply ausgestattet. Namentlich fällt in die Augen die bis zum zweiten Stockwerke 
sich erhebende Herculesgestalt. Ob diese in Hautrclief ausgefuhrte, kolossale Gestalt jener des alten Rathhauses 
nachgeahmt war, ist unbekannt, ihre Körpermasse und anatomische Durchführung muss als gelungen bezeichnet 
werden. Der Hercules mit ausgespreizten Füssen und kräftiger Musculatur stützte sich mit der rechten Hand, die 
eine wuchtige Keule umfasste, in die Hüfte, in der linken Hand trug er oberhalb des Kopfes das Stadtwappen: 
»Vordere Hälfte eines weissen Pferdes in rothem Felde,« welches Wappen dem alten böhmischen Adelsgeschlechte 
der Malovitzer angehört, von denen auch Ernst von Pardubitz, der erste Prager Erzbischof und Besitzer von Par 
dubitz. entsprossen ist. Beiderseits sah man reliefartige Insignien von dessen kirchlicher Würde und Macht: »die Mitra 
und den Bischofsstab«, von je einem Engelchen getragen. Unterhalb war eine Sonnenuhr und noch tiefer das bereits 
erwähnte, vom Hercules getragene Stadtwappen. Am Kranzgesimse fanden fünf steinerne Büsten entsprechende Auf 
stellung. Die Gesimse oberhalb der Fenster waren geschmackvoll decorirt und jedes mit je einem stets anders 
stylisirten und gelungenen Charakterkopfe versehen. Im Jahre 1892 wurde dieses Rathhaus demolirt. Wir ver 
danken diese historischen Mittheilungen über dieses merkwürdige Gebäude der Freundlichkeit des Stationsvorstandes 
in Pardubitz, Herrn Dives Cistecky v. Serlink, einer Autorität auf dem Gebiete der Pardubitzer Stadtgeschichte. 
Tafel 18 u. 19. Medresse in Travnik und Scheriats-Richterschule in Sarajevo. (Siehe erster Artikel.) 
Tafel 20 u. 21. Concurrenzproject für 
den Architekten Victor Siedek und Robert Tilgner 
in 
ein Wohn- und Geschäftshaus am Graben in Wien. Von 
Wien. Das Programm stellte als Hauptbedingung die Ren 
tabilität, die möglichste Ausnützung des Mauerwerkes und 
die Verwendung des Parterres, Mezzanins und des ersten 
Stockwerkes zu Geschäftslocalen, die Vermeidung jedes Luxus 
in Decoration sowohl als Construction. Diesen Bedingungen 
wurde entsprochen durch grosse GeWölbsöffnungen und 
möglichst geringe Pfeiler in Granit. Die Grundfläche ist aus- 
genützt, dadurch, dass im Souterrain, Parterre, die ganze 
Fläche, mit Ausnahme eines 
kleinen Lichthofes 
der 
in 12 
gemacht 
Hauseingang 
getrennte 
und 
Hauptstiege, für Geschäftslocale verwendet wurde und eine 
Geschäftslocale 
ist in der Dorotheer- 
der Mitte des Hauses 
Herstellung des Kin 
der Spiegelgasse ohne Schwierigkeit durchzu- 
Abtheilung 
möglich 
liegt, 
dieser Räume 
ist. Der 
geplant; da jedoch die Stiege m 
ebenso wie . der Aufzug, ist die 
ganges von 
führen. 
Diese Möglichkeit, die 
Stiege von beiden Strassen 
leicht zu benützen und die Souterrains, Parterre und Mezzanin 
räume ganz nach NothWendigkeit verbinden und abtheilen 
zu können, wurde als ein Hauptvortheil des Projectes be 
trachtet, da sich dieser Vortheil bei der Vermiethung der 
Räume besonders geltend macht. Die Stockwerke sind in 
zwei, respective drei Wohnungen getheilt, weil selbe in dieser 
Grösse der Lage vollkommen entsprechen und kleinere 
Wohnungen die wichtigen Nebenräume entbehren würden, 
welche bei dem seichten Grunde kaum für drei Wohnungen 
ausreichen; ausserdem eine zweite'Stiege und einen zweiten 
Aufzug erfordern würden, wodurch sich die Baukosten 
wesentlich erhöhen und der benütz- und vermiethbare Raum 
Schnitt verringert. Die in Eisen ausgeführt gedachten Portale treten 
so weit vor die Baufront, dass sie die Beleuchtung der 
Souterrainlocale ermöglichen. Die Parade ist einfach gehalten und das Gebäude gegen den Graben mit einem hohen 
Mansarddach bekrönt, was bei der schmalen Front nach dieser Hauptpassage nothwendig war, um die Fayade 
zusammenzufassen und die perspectivische Wirkung des Gebäudes zu erhöhen. 
Tafel 22. Regulirungsplan der Stadt Laibach. Architekt Max Fabiani in Wien. Als im Vorjahre 
(14. April 1895) die furchtbare Katastrophe über Laibach hereinbrach und die theilnehmende Aufmerksamkeit 
weitester Kreise dahin lenkte, war es speciell für Architekten naheliegend und lehrreich, die Stadt aufzusuchen, um 
die Folgen des Erdbebens von bautechnischen Gesichtspunkten aus zu studiren. A'on verschiedensten Seiten wurde 
hiebei dem Stadtmagistrate der Vorschlag gemacht, zu einer Revision des Stadtplanes zu schreiten und eine eigene 
Bauordnung für Laibach anzustreben. Der Bürgermeister der Stadt Laibach wendete sich denn auch an den öster 
reichischen Ingenieur- und Architektenverein mit der Bitte, Architekten namhaft zu machen, die sich bereits mit 
Stadtregulirungen befasst haben, um diese zu einer eventuellen Concurrenz einzuladen. Wohl aus finanziellen 
Gründen kam es zu keiner Ausschreibung, sondern es wurde einer Anzahl von Architekten alles Hilfsmateriale 
(■Katasterpläne etc.) zur Verfügung gestellt, es ihnen überlassend, auf eigenes Risico Entwürfe und Vorschläge zu 
machen. Unter diesen Umständen war es eigentlich wenig verlockend, sich an der Sache zu betheiligen. Doch 
bestimmten gründliche Kenntniss der Stadt, deren Lage und Bedürfnisse, den Verfasser zur Ausarbeitung des vor 
liegenden Regulirungsentwurfes, der denn auch in der Hauptsache die Grundlage des vom Stadtbauamte in Laibach 
(Oberingenieur v. Duffe') bereits ausgearbeiteten, definitiven Regulirungsplanes darstellt. Der in Tafel 22 darge 
stellte Plan ist ein Uebersichtsblatt, im Originale im Massstabe 1:5000 gezeichnet. Folgende Daten mögen zu dessen 
Verständlichkeit beitragen: Laibach ist hufeisenförmig um einen Hügel (Schlossberg) zu beiden Seiten des Flusses 
Laibach gelegen, ein tief eingeschnittener Canal (Gruber’scher Graben) begrenzt im Osten, der „Laibacher Morast“ 
im Süden die Stadt, deren Weiterentwicklung hauptsächlich nach Norden (auch NO. und NW.) auf gutem gesunden 
Baugrund unbegrenzt erfolgen kann. Laibach hat 29.000 Einwohner und 1200 Häuser. Der jährliche Zuwachs beträgt 
(im Durchschnitte der letzten 10 Jahre) 250 Personen. Dem Erdbeben fielen ca. 100 Gebäude zum Opfer, ebenso 
viel andere Gebäude haben grosseren oder geringeren Schaden erlitten, so dass deren Umbau wohl nicht direct 
veranlasst, jedoch näher gerückt wurde. Im Ganzen sind dies Veränderungen, welche in einer so kleinen Stadt gar 
manche hygienisch und ästhetisch zweckmässige Regulirung zulassen. Hiebei Hess sich der Verfasser von folgenden 
Gesichtspunkten leiten. Die charakteristischen Merkmale der Stadt, den Kern derselben, die fächerförmig nach dem 
Schlossberge orientirten Radialplätze möglichst unverändert festzuhalten und zu entwickeln; den Abschluss der vor-
	        
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