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Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn, 2. Jahrgang 1896

Seite 26. 
Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. 
Nr. 4. 
zwei Alternativprojecte des Architekten Dick, welche 
derzeit im Wiener Künstlerhause ausgestellt sind. Das 
erste Project (Tafel 18 und 19) enthält als Mittel 
punkt das Reitermonument des Kaisers, zu beiden 
Seiten Brunnen mit allegorischen Sculpturen (etwa Inn 
und Donau). Der mit einem Mosaik in entsprechend 
grossen Figuren 
gepflasterte Platz 
ist zu beiden 
Seiten durch Bal- 
lustraden abge 
schlossen, welche 
ihre Fortsetzung 
um die ganzen 
Gartenanlagen 
herum nehmen. 
Diese Ballustra- 
den sind mit Ein 
buchtungen, ab 
wechselnd eckig 
und rund, zur 
Aufnahme von 
Monumenten ver 
sehen. An den 
vier Eckpunkten 
des Platzes sind 
Rossebändiger 
aufgestellt, wäh 
rend in den dem 
Monument des 
Kaisers zunächst 
liegenden 
abge 
schrägten Ecken 
der Bailustraden 
die Allegorien der 
Länder Oester 
reichs gruppirt 
sind. Das zweite 
-Project (Tafel 20 
und 21) hat als 
Mittelpunkt eine 
hohe steinerne 
Säule, mit Bronze 
verziert, deren 
Capitäl die Alle 
gorie der Vindo 
bona trägt. Am 
Fusse der Säule, 
gegen 
die Ring 
strasse gewendet, 
ist das Kaiser 
monument ange 
ordnet. Vier hohe 
bronzene Flag 
genstangen um 
geben das mitt 
lere Monument. 
Zu beiden Seiten sind halbkreisförmig Säulenhallen auf 
erhöhtem, durch Treppen zugänglichem und durch Ballu- 
straden abgeschlossenem Platze angeordnet, deren Wände 
zur Aufnahme von Inschriften bestimmt sind, während 
die vor den Hallen angeordneten Bailustraden je zwei 
Statuen tragen. In der Mitte jeder Säulenhalle befindet 
sich ein Brunnen. Die Pavillons an den vier Enden der 
beiden Säulenhallen nehmen vier Reiterstandbilder auf. 
Die weitere Entwicklung der Ballustraden und Anordnung 
der Monumente an denselben ist ähnlich jener im ersten 
Projecte. Trotz der freundlichen und anerkennenden 
Aeusserungen gelegentlich der Ueberreichung der Pläne 
seitens der jetzt 
in der Communal- 
verwaltung mass 
gebenden Per 
sonen ist es wohl 
zweifelhaft, ob in 
nächster Zeit Geld 
und Sinn zur 
Ausführung so 
gross angelegter 
künstlerischer 
Projecte in Wien 
vorhanden sein 
werden, und so 
wird denn auch 
wahrscheinlich 
das Jubiläum des 
Kaisers vorüber 
gehen, ohne dass 
diese grossartige 
Verschönerung 
Wiens und seines 
weltberühmten 
Rathhausplatzes 
einen Schritt 
näher zur Voll 
endung gethan 
haben wird. Aber 
ganz umsonst, 
glauben wir, ist 
diese Frage nicht 
aufgerollt und in 
mehreren Projec- 
ten gelöst wor 
den; denn einer 
seits hat sie 
künstlerisch 
hochstehenden 
Projecten zum 
Werden verhel 
fen, die an und 
für sich von blei 
bendem Werth e 
sind, und anderer 
seits kann es 
keinem Zweifel 
unterliegen, dass 
in Wien noch 
eine kunstsinni 
gere Periode in 
O 
vielleicht nicht 
Wohnhaus aus dem XVIII. Jahrhundert in Wien, Hafnersteig 11. 
Demolirt im Jahre 1895. 
allzuferner Zeit kommen und die Frage der Umgestaltung 
des Rathhausplatzes, welche ja eigentlich so alt ist, wie 
der Platz selbst, lösen wird. Und wird es zur künst 
lerischen Umgestaltung des Rathhausplatzes kommen, 
dann wird man nicht umhin können, auf die Projecte 
zurückzugreifen, die wir heute veröffentlichen.
	        
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