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Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn, 2. Jahrgang 1896

Seite 72. 
Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. 
Nr. 9. 
Tafel 67 und 68. Die Peterskirche in Wien. Der Umstand, dass die Häusergruppe zwischen der Gold- 
schmidgasse, der Freisingergasse und dem Petersplatze mit dem sogenannten „Eisgrübel“ behufs Aufführung eines 
Neubaues zur Demolirung gelangte, gab uns die wohl kaum wiederkehrende Gelegenheit, die Peterskirche in der 
Seitenansicht aufnehmen zu lassen, wie sie die beigedruckte Textabbildung zeigt. Es war naheliegend, gleichzeitig 
auch die Vorderansicht und das Portal in den Tafeln 67 und 68 zu veröffentlichen. Die Gestalt der' Kirche, wie 
sie uns jetzt erscheint, stammt in ihren Hauptformen aus den Jahren 1702 bis 1713. Die früher an der «leichen 
Stelle gestandene Kirche (welcher schon im Jahre 1155 Erwähnung geschah), war zu klein und baufällig Geworden, 
und so entschloss sich Kaiser Leopold I. zu einem vollständigen Neubau. Die Form der Kirche sollte an die 
Peterskirche in Rom erinnern. Den Bauplan entwarf Fischer v. Erlach, während der Baumeister Franz v. Cischini 
Seitenansicht der Peterskirche in Wien. 
den Bau ausführte. Das Innere der Kirche wurde von den ersten Meistern des damaligen Wien al fresco gemalt, der Hoch 
altar vom damaligen kaiserlichen Hofarchitekten Bilbena ausgeführt und 1733 vom Cardinal Erzbischof Kolonitsck ge 
weiht. Aber auch in ihrer neuen Gestalt genügte, wie ein alter Schnitt in Wilhelm Kisch’ „Die alten Strassen und 
Plätze Wiens“, dessen Darstellung wir hier folgen, zeigt, mit Recht nicht den Ansprüchen jener kunstliebenden 
und kunstverständigen Zeit. Namentlich entsprachen nicht mehr das unscheinbare Portal der Hauptfront, die niedrige 
Eingangsthür und die zwei Thürme mit flachem Dache. Im Jahre 1734 erhielt die bisher in Rohmauerwerk aus 
geführte Vorderfront ihre jetzige reichgegliederte, figurengeschmückte Gestalt, während die Seitenthürme mit Kuppeln 
gekrönt wurden. Im Jahre 1756 kam endlich das neue, in Tafel 68 dargestellte Portal hinzu mit seinen grauen 
Marmorsäulen und den prachtvollen, in Blei gegossenen Figuren des Bildhauers Knall. 
Herausgeber und Verleger: MORITZ PERLES. 
Verantwortlicher Redacteur: Ingenieur PAUL BENZION.
	        
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