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Neubauten und Concurrenzen.
Nr. 2.
Stadt Wien heisst dies, die Regulirung wird dann eine entsprechende sein, wenn für eine möglichst weitläufige, möglichst geradlinige Verbindung
diametral einander gegenüberliegender Punkte der Peripherie (Ringstrasse) vorgesorgt sein wird.
Eine Reihe von im Sinne des Vorstehenden angelegten Durchmesserstrassen ist darum unzulässig, weil deren Begegnung im
Mittelpunkte zu einem unüberwindlichen Verkehrshindernisse führt; es wird daher richtig sein, diese Strassen derart anzuordnen, dass selbe
in einer angemessenen, dem praktischen Bedürfnisse entsprechenden Entfernung vom Mittelpunkte durch das Herz der Stadt geführt werden.
Werden mehrere solcher diametraler Strassen in verschiedenen Bedarfsrichtungen bei Einhaltung einer entsprechenden Entfernung
vom Mittelpunkte durch das Centrum geführt, so entsteht ein der Kreislinie sich näherndes, von Strassenzügen eingeschlossenes
Polygon, dessen Inneres von diesem primären Hauptstrassennetze bloss tangirt, aber nicht durchkreuzt wird. Nachdem derlei diametral
angelegte Strassenzüge nicht bloss den Verkehr zwischen Punkten der Peripherie, sondern auch den zum Mittelpunkte vermitteln, erfüllen sie
gleichzeitig auch den Zweck von Radialstrassen voll und ganz. Die Grundbedingung guter Regulirungen von Städten, welche sich im Sinne
concentrischer Kreise ausdehnen, ist sonach die Anlage von Durchzugsstrassen in eben angedeuteter Weise. Der hier gegebene Grundgedanke
ist in mancher Beziehung vielleicht nicht neu, das Schwergewicht ruht jedoch für unsere Stadt Wien darin, ob es möglich ist, dieselbe auch
thatsächlich im Sinne der eben entwickelten Theorie zu reguliren. Ein Blick auf mein Regulirungsproject genügt, um das vorbesprochene
innere, von Durchzugsstrassen umschlungene Polygon zu erkennen, dessen Halbmesser eines ihm eingeschriebenen Kreises im Maximum
150 Currentmeter beträgt, derart, dass der Weg von der Mitte des Polygons, unserem Stephansplatz, zu irgend welcher der das Verkehrs-Hauptnetz
bildenden Durchzugsstrassen in einem Zeiträume von 1 —1'5 Minuten durchmessen werden kann.
Begreiflicherweise können einzelne wenige, etwa 2—3, ganz besonders bevorzugte Strassenzüge, abweichend vom vorbeschriebenen
System, in das von den Haupt-Wagendurchzugsverkehren abgeschlossene Centrum eindringen, sie werden dann ihren Zweck in hervorragender
Weise erfüllen, wenn sie bei besonderen Anlässen, z. B. hei kirchlichen Festen, Processionen, besonders aber zur Firmungszeit etc.,
ohne nennenswerthe Störungen der Hauptdiametral verkehre hervorzurufen, zeitweilig vom Durchzugsverkehre ausgeschlossen werden können.
Angewendet auf die innere Stadt Wien, sind solche Strassenzüge die Kärnthnerstrasse, die Rothenthurmstrasse, im gewissen
Sinne der Graben, und von projectirten Strassen der in einer besonders glücklichen Stunde von A. Riehl erdachte Strassenzug St. Stephan
— Tegetthoff. Wie aus meinem Projecte ersichtlich, besitzt der letztgenannte Strassenzug, gleich allen übrigen, in meinem Projecte hervorgehobenen
Hauptstrassenzügen, die Eigenschaft, dass in ihm der Verkehr bis an den neu entstehenden kleinen inneren Ring herangeführt
wird, um an demselben weiterzugleiten, bis er bei Verlassen dieses Ringes in einer der übrigen Haupt-Diametral-Durchzugsstrassen seine
Fortsetzung findet. Wie gleichfalls aus meinem Projecte ersichtlich, entsteht der eben genannte kleine Ring, ein Werk von grösster Bedeutung;
für die Regulirung der inneren Stadt Wien, durch Mitbenützung eines Theiles des Strassenzuges P'erdinandsbrücke—Akademiestrasse,
Formveränderung des in der Singerstrasse amtlich projectirten kleinen Platzes, Mitbenützung der Singerstrasse, eines Theiles des Grabens,
Verschwenkung der durch den Trattnerhof gedachten Strasse in der Richtung der Freisingergasse, Benützung des Bauernmarktes, eines kurzen
Durchschlages zum Lugeck, Auflassung des an Stelle des Regensburgerhofes projectirten Neubaues und Weiterführung bis zum erstgenannten
Strassenzuge Ferdinandsbrücke—Akademiestrasse, eines Werkes, dessen Kosten im Verhältnisse zum Erreichten verschwindend klein sind,
sich unbedingt aus Ersparungen durch Auflassung des fehlerhaft projectirten Strassenzuges Bäckerstrasse—Grünangergasse—Franziskanerplatz
bedecken lassen.
Nach den bisher erdachten Regulirungsprojecten für die innere Stadt Wien ist es geradezu ausgeschlossen gewesen, in zweckentsprechender
Weise elektrische Bahnen im Niveau durch die innere Stadt zu führen. Ich bin der Meinung, dass diese Frage durch mein
Project eine wesentliche Förderung erfährt, dass es möglich wäre, nahezu auf sämmtlichen, in meinem Plane besonders gekennzeichneten
Strassenzügen elektrische Bahnen im Niveau zu führen. Durch Erbauung solcher Niveaubahnen, für deren Verkehrsgeschwindigkeit innerhalb
der Ringstrasse ein Tempo, wie es bei besseren Omnibussen üblich, vollkommen genügt, werden wir Techniker einer jMenschenpflicht genügen
gegen Diejenigen, denen wir und unsere Altersgenossen unser Dasein zu verdanken haben, gegen unsere Väter, Mütter, gegen Alte und
Gebrechliche überhaupt. Auch uns selbst, die wir heute im Dienste der Arbeit stehen als Pionniere des Fortschrittes auf dem erhabenen
Felde der das Jahrhundert beherrschenden Technik, auch für uns wird die Zeit kommen, wo wir uns nach solchen Niveaubahnen
sehnen werden.
Anders verhält es sich mit der Stadtbahn, deren Trace am Franz Josefs-Quai unter Niveau geführt wird. Selbstverständlich
kann und soll die Stadtbahn durch die innere Stadt im Anschlüsse an die Quai-Linie auch unter Niveau geführt werden. Dass die Stadtbahn
durch die innere Stadt geführt werden soll, darauf habe ich mit Recht schon anlässlich der Stubenviertel-Concurrenz vom Jahre 1893 in
meinem damals unverstanden gebliebenen Concurrenzprojecte hingewiesen, in welchem ich eine Trace für die Stadtbahn durch die innere
Stadt beinahe genau so geführt habe, wie in meinem heute vorliegenden Projecte.
Die Herstellung eines Netzes für den Verkehr elektrischer Bahnen im Niveau durch die innere Stadt im Vereine mit der
Führung der Trace der Stadtbahn durch dieselbe ist der Schlüssel für eine zweckmässige, baldige und billige Regulirung unserer
inneren Stadt Wien.
Ich habe die Genugthuung erlebt, dass in jüngerer Zeit manche meiner den Regulirungsplan der inneren Stadt betreffenden
Vorschläge Früchte trugen und, wie ich den Tagesblättern allerjüngster Zeit entnehme, noch tragen werden. Ich gebe mich der Hoffnung
hin, dass die vorliegende, ich darf wohl sagen, im Schweisse des Angesichtes vollendete Regulirungsstudie geeignet sein wird, die Frage
der Regulirung unserer inneren Stadt zu fördern, und baue auf die fernere Unterstützung zur Erreichung dieses besonderen Zweckes,, jener
Fachmänner und Freunde, deren Anregung ich es danke, mit vorliegendem Projecte in die Oeffentlichkeit treten zu können.
Für die Jahrgänge 1895 und 1896 (Band I/Il) der Zeitschrift „Neubauten und Concurrenzen“ sind eine
elegante Einbanddecke und eine elegante ^ufbewahrungsrnappe
zum Preise von fl. L50 — Mk. 3.— zum Preise von fl. 2.20 = Mk. 4.40
beide nach Motiven des preisgekrönten Entwurfes des Herrn Architekten Sandy Gyula in Budapest, angefertigt
worden. Um die schönen Tafeln gut aufbewahren zu können, wird hiemit den P. T. Abonnenten die Anschaffung
dieser Einbanddecke oder Mappe bestens empfohlen.
Neueingetretene Abnehmer erhalten den I. und II. Band fertig eingebunden pro Band für 12 fl. ö. W. = 24 Mk,
(beide Bände zusammen anstatt für 24 fl. = 48 Mk. für 20 fl. = 40 Mk. elegant gebunden).
Hochachtungsvoll
Verlag von Moritz Perles
(Abtlieilung für Zeitschriften)
Wien, I. Seilergasse 4 (Graben).
Herausgeber und Verleger: MORITZ PERLES.
Verantwortlicher Redacteur: Architekt EMIL BRÜSSLER.