Seite 80
Neubauten und Concurrenzen.
Nr. 10
Feststellvorrichtung für Klappfenster von A. Höing
in Steele a. d. Ruhr. Auf der Verschlussstange a ist ein
Excenter e angebracht.
Bei Dre-Fig.
i.
hung der Verschlussstange
a
zieht das Excenter
e eine in einer
Hülse f am Fensterrahmen
geführte
Stange/an. Hiebei
wird eine am Blendrahmen
angelenkte
geschlitzte Schiene
g zwischen der
Hülse i und einer Verstärkung
o der Stange f
festgeklemmt, so dass
das Fenster in jeder Lage
festgestellt werden kann.
Vorlegegitter für
Schaufenster-Roll Vorhänge
und dergl. von
F. Kai as in Beuthen. Das Vorlegegitter wird gebildet
durch mehrere Hakenstangen a, die einerseits mit abwärts
gerichteten Haken e in die Oeffnungen des zu
sichernden Rollvorhanges greifen, andererseits mittelst
Einlegehaken c Vorlegestangen d tragen. Die Hakenstangen
a werden durch eine Querstange b, die in ihre
unteren hakenförmigen Enden gelegt und durch Basquilleriegel
nach unten gedrückt wird, in der das Hochschieben
des Rollvorhanges verhindernden Lage gesichert.
TAFEL-ERKLÄRUNGEN.
Tafel fiO. Palais Preysing in München. Dieses Palais, in der Pramersträsse gelegen, ist eine herrliche
Schöpfung aus der Zeit des vorigen Jahrhunderts und zeigt die damals aus Frankreich herübergenommenen Formen
des Rococostyles in vollkommenster Weise. Die Anwendung des Ornamentes ist massvoll und bescheiden.
Tafel 61. Stiegenhaus-Intérieur der Bayerischen Hypothekenbank. Ein modernes Stiegenhaus im
Geschmacke und Styl Louis XIV. Die reichen Interieurs der Schlösser Schleissheim und Würzburg dürften wohl die
Motive dieser volltönenden Decorationsweise gebildet haben. An Reichthum der Details dürfte wohl dieses Stiegenhaus
nicht übertroffen werden.
Tafel 62. Brunnen im Residenzhof und Portal Residenz in München.
Ersterer ist ein Bijou von Brunnen-Architektur, leider in einem Hofe versteckt. Der Aufbau ist edel in
der Silhouette, tadellos in den Detailformen.
Das Portal der Residenz, in Salzburger Marmor ausgeführt, gehört der Zeit nach in das 17. Jahrhundert.
Monumental im Aufbau, ist dasselbe dem Eingang in eine königliche Residenz würdig.
Tafel 63, 64 und 65. Concurrenzentwurf zu einem Quellentempel in Giesshübl-Puchstein im Anschluss
an ein Füllhaus, das bestehende alte Badehaus und dessen Adaptirung von Architekt Friedrich Kick in
Prag. Durch die gestellte Bedingung, dass die Quelle selbst als fix zu betrachten sei, ergab sich, wenn auf eine
architektonische Einbeziehung derselben in die Gesammtwirkung des Innenraumes nicht verzichtet werden sollte,
die Anordnung der Quelle in eine Diagonale, und in dieser wieder in eine dem Haupteingange gegenüberliegende
Ecke. In die drei anderen Diagonalecken sind als Pendants zur ersteren Tabourets. gedacht, die, um das bewegliche
Element der Quelle, das Wasser, wiederzuspiegeln, durch in Metall gefasste Glaskugeln bekrönt werden, welche, mit
Wasser gefüllt, zur Aufnahme von Goldfischen bestimmt wurden. Die Hauptform- des Inneren ist als Quadrat mit
abgestutzten Ecken gelöst. Vor den Hauptraum ist eine kleine Vorhalle als Vestibül gelegt, während im Hintergründe
noch ein Anbau eine Art Apsis bildet. Axial auf die Mitte des Tempels, dem Haupteingange entsprechend,
befindet sich seitlich eine grosse, durch eine eingesetzte Glaswand geschlossene Oeffnung, durch welche man einen
freien Einblick in den Füllraum gewinnt, um dort vor sich gehende Manipulationen bequem überblicken zu können.
In den Wandflächen der beiden rückwärtigen abgestutzten Saalecken befinden sich Nischen, denen in den vorderen
Thüröffnungen entsprechen, durch welche man in kleine, von den vorgelegten Pylonen gebildete Räume gelangt.
Der eine derselben ist dazu bestimmt, eine Spindeltreppe aufzunehmen, mittelst derer man auf die Terrasse und die oberen
Räume der Pylonen gelangt. Die Beleuchtung des Raumes geschieht von Oben durch die Innenkuppel, welche gleich
der äusseren in Glas abgedeckt ist. Die Aussenkuppel ist in Mantelconstruction gelöst, ohne innere Constructionstheile,
mit vollen Rippen und dazwischen gelegten Glasfüllungen. Schub und Druck wird durch einen Constructionsring
aufgenommen, der seine Hauptstützung in den Eckpfeilern findet. Die Innenkuppel ist zum Theil an die
äussere aufgehängt. Das Badehaus ist mit seiner Grundriss-Disposition als schon bestehend gegeben. Die Terrasse
legt sich mit möglichster Beibehaltung des bestehenden Plateaus um die Front des Baues. Von ihr aus . beginnt,
auf die Mittelachse des Tempels gelegt, die Freitreppe, die, durch die starke Neigung des Terrains bedingt, der
kostspieligen Stütz- und Futtermauern nicht entbehren kann. Die Aussenarchitektur wurde, wie verlangt, reich
gehalten. Bei der Silhouette des Baues wurde möglichste Bewegung mit vielen freien Endigungen beabsichtigt, um
eine Harmonie mit dem umgebenden Walde zu erzielen. Da die unförmlichen Verhältnisse des bestehenden Badehauses
dieser Bedingung nicht entsprechen, so wurden zwei Aenderungen an demselben vorgenommen. Erstens eine
Hebung des Gebäudes durch ein aufgesetztes Mansardengeschoss, wodurch Dienerwohnungen oder Bodenräume
gewonnen werden, und zweitens eine Aenderung des Daches. Im grossen Ganzen wurde mehr auf eine schöne
Gesammt- und Detailwirkung gesehen, was auch erreicht wurde, als auf eine gar zu ängstliche Einhaltung der
gesetzten Kostengrenze.
Herausgeber und Verleger: MORITZ PERLES. ' Verantwortlicher Redacteur: Architekt EMIL BRESSLER.
I