MAK

Full text: Collectiv-Ausstellung von Beiträgen zur Geschichte der Preise, veranstaltet zur Weltausstellung 1873 Wien von der Handels- und Gewerbekammer in Prag

104 
Dieser Mittelpreis ist auf dem zweiten 
graphischen Tableau iu den dreissig- 
jährigen Perioden durch eine punktirte 
Linie angedeutet. 
Um nun einen Werthmesser, so 
gut ihn der Preis von Getreide zu 
bieten vermag, in dem gegebenen Zeit 
räume für Prag zu finden, braucht man 
nur den Durchschnittspreis von Getreide 
in zwei gleich langen Perioden mit 
einander zu vergleichen. Man nehme 
z. B. das Jahrzehend von 1661—1670, 
gegenüber dem von 1861 bis 1870. 
Dort betrug der Getreidepreis 78., 4 kr., 
während er hier sich auf 3 fl. 57. e9 kr. 
stellt. Es ist mithin zu Prag in den 
letzten zwei hundert Jahren das Getreide 
um das 4. 55 fache gestiegen oder, was 
dasselbe sagen will, der Werth des 
Geldes im gleichen Verhältnisse gesunken. 
Mit diesem Masstabe in der Hand lassen 
sich die Preise aller Gegenstände aus 
den beiden Perioden mit einander messen, 
Es ist eben nichts Anderes nothwendig, 
als dass man den Preis aus den Jahren 
1661—1670 mit 4. 55 multiplicire. Aus 
dem Producte wird man dann sehen, 
ob der Preis dieses oder jenes Gegen 
standes im Vergleiche zum Getreide 
theurer oder billiger geworden ist. 
Im Vorstehenden wurden nur einige 
Folgerungen aus Urbans schätzenswerthem 
Operate gezogen. Ein genaueres Eingehen, 
namentlich auch in die in der Einleitung 
niedergelegten Tax- und Marktvorschriften 
für die k. Hauptstadt Prag und in die 
beigegebenen historischen Notizen dürfte 
aber wohl noch zu weiteren Aufschlüssen 
führen. 
Dr. Edmund Schebek. 
F. 
Die Domäne Elbogen 
im Jahre 1670. 
Mit Staunen begegnet man in einer 
gerade vor 250 Jahren verfassten Rech- 
nung vom Dominium Elbogen Preisen, 
dio bei Getreide die heutigen um das 
Mehrfache übersteigen, bei Vieh, Butter, 
Eiern den letzteren nahekommen und 
nur bei Holz auf einem dem damaligen 
Geldwerthe und Holzüberflusse ent 
sprechenden Niveau sich halten. Ver 
heerungen durch Mäuse und grossem 
Misswachse wird die Ursache beigemessen, 
ns anderen Quellen ersieht man, dass 
die Calamität keine bloss örtliche war, 
sondern sich wohl über das ganze Land 
erstreckte. 
Schon im Jahre 1622, sagt das Ge 
denkbuch des Capuzinerklosters auf dem 
Hradschin zu Prag, habe eine grosse 
Theuerung der notwendigsten Lebens 
mittel Böhmen zu bedrücken begonnen. 
Der Strich (?) — modius — Weizenmehl 
habe 6, Weizen 8 Schock Groschen ge 
kostet; 1623 aber sei der Ernteausfall 
so bedeutend gewesen, dass sich der 
Preis des einen und des anderen auf 
22 Schock hob. Ja gegen Ende des 
Jahres 1623 ging er noch weiter in die 
Höhe. Er betrug dieser Quelle zufolge 
am 24. Nov. am 24. Dec. 
für Weizenmehl . — 40 
„ Weizen ... 23 38 
„ Gerste ... — 32 
„ Hafer ... 7'/ a 11 
Schock Groschen, welche excessiven 
Preise es Vielen unmöglich machten, 
sich das tägliche Brod zu verschaffen. 
Sonderbar ist es nur, dass in diese 
Preissteigerung das Salz mit hinein 
gerissen wurde, von welchem die Kufe 
1622 auf 18 Schock, 1623 aber auf 
40 Schock 10 gr. zu stehen kam. 
Sonder Zweifel hat man es also mit 
einem wahrhaften Hungerjahre zu thun. 
Was nun die besagte Rechnung an 
belangt, so gliedert sich dieselbe, nach 
den drei Maierhöfen, benannt: Schmaln- 
hof, Neusattel (Neuensattl) und Grün 
las nebst der sogenannten Rohling 
(Kohlung) in vier Abtheilungen. 
Zum Schmalnhof gehörig, werden 
als verpflichtet zu beständigem Erb- 
und Silberzins aufgezählt die Unter- 
thanen von 
Schock gr. 
Horn mit 4 45 
Kaltherbrig mit .... — 52 
Hornssberg mit .... 1 24 
Teschwitz mit 5 51 
Jenessen mit 13 6 
Putschirn (Potschirn) mit 9 21 
Potschetzau mit .... 16 15 
Unter-Chodau mit ... 12 37 
Schwarzebach(Schwärzen- 
bach) mit 25 — 
Kösteldorf (Kesseldorf) 
mit 12 48 
Ziegelhütte mit .... 3 30 
zusammen mit . 105 29 
dr. 
1 
1 • 
2
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.