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Um die successive Vermiede- i
rung der Preis - Oscillation zu
finden, wurde die Differenz der Preise
von Jahr zu Jahr in Percenten ermittelt
und dann aus den jährlichen Oscillations-
Percenten die Durchschnitte für Perioden
von 10, 25 und 50 Jahren gezogen. Das
vermuthete Resultat kam aber nicht
einmal in ganzen Jahrhunderten zum
Vorschein, wie es die nachstehende,
probeweise für den Weizen entworfene
Tabelle zeigt:
Mittlere Oscillation der Weizenpreise zu Prag*
in Durchschnitten von
10 Jahren
25 Jahren
50 Jahren || 100 Jahren
Periode % 1
Periode °/ ( ,
Periode °/ 0 || Periode | «/„
1655-1664
1665-1674
1675-1684
1685-1694
1696-1704
1705—1714
1715—1724
1725—1734
1735—1744
1745—1754
1755—1764
1765—1774
1775—1784
1785—1794
1795—1804
1805—1814
1815—1824
1825—1834
1836-1844
1845—1854
1855-1864
1865—1872
13.08
8.51
26.64
20.62
20.93
17.43
18.17
15.46
16.85
19.76
17.46
23.61
14.61
14.24
12.69
30.oi
29.12
15.87
20.65
20.21
9.61
13.71
1655—1679
1680—1704
1705—1729
1730-1754
1755—1779
1780-1804
1805—1829
1830—1854
1855-1872
16.04
19.88
17.70
17.33
19.77
12.73
26.96
19.39
6.10
1655-1704
1706-1754
1755-1804
1805-1854
1855-1872
17.96
17.53
16.03
23.18
11.43
1655—1754
1755—1864
17.74
19.71
Wiewohl die Entwicklung der Ver
kehrsmittel, das Fallen der Zollschranken
und die fortschreitende Entfesslung des
Kornhandels ohne Zweifel alles Factoren
sind, welche ihre nivellirende Wirkung
auf die Getreidepreise nicht verfehlen
konnten, so waren sie, wie man sieht,
doch nicht mächtig genug, um die Sta
bilität, welche in den früheren Jahrhun
derten in den Preisverhältnissen im All
gemeinen herrschte und die sich, trotz
des in minder ausgebildeten wirtschaft
lichen Zuständen notwendigerweise um
so grösseren Einflusses der wechselnden
Ernteergebnisse auf die Getreidepreise,
auch hei letzteren behauptete, zu über
winden — eine Erscheinung, die um so
mehr auffallen muss als bei dem'niedrigeren
Stande der Getreidepreise in älterer
Zeit selbst geringe Preisunterschiede
schon eine merkliche percentuale Ab
weichung verursachen.
Aus den dargelegten Gründen wurde
bei dem Entwürfe des zweiten graphischen
Tableaus der Prager Handelskammer von
der Darstellung des Oscillationsverkält-
nisses Umgang genommen, und es blieb
das Gegenstück, das progressive
Steigen der Getreidepreise im
Laufe der Zeit, allein zur Untersuchung
übrig.
Dass in zehnjährigen Perioden noch
Schwankungen nach abwärts Vorkommen
würden, war vorauszusehen; in fünf-
und zwanzigjährigen Perioden hingegen
durfte man schon ein stetiges Steigen
erwarten. Allein die lange Dauer der
französischen Kriege und die Missjahre
1816 und 1817 wirkten so sehr auf die
Theuerung des Getreides ein, dass der
Durchschnittspreis im ersten Viertel
unseres Jahrhundertes jenen des folgenden,
gerade durch anhaltend niedrige Getreide-
preise sich auszeichnenden Viertels noch