Zur Geschichte der griechischen Keramik.
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nicht selten. Durch korinthischen Einfluss bedingt sind auch die bildlichen Typen der beiden
Hydrien Nr. 220 und 221, die in Form und Einzelheiten noch sehr alterthiimlich sind.
Die schwarzfigurigen attischen Vasen unserer Sammlung repräsentiren im Durch
schnitte die Fabrikswaare, wie sie in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts massenweise in
Athen für die Ausfuhr nach Italien verfertigt wurde. Mit ihren schönen Formen, ihrem leuch
tenden Firniss und ihrer sauberen Technik hatten diese Gefässe bald den Markt zu erobern
gewusst. Aber, wie wir dies in der Gegenwart bei dem japanesischen Kunstgewerbe beob
achten können, gerade in Folge der gesteigerten Nachfrage riss in die attische Malerei mit
schwarzen Figuren bald eine gewisse Verwilderung ein, begann das künstlerische Schaffen
sichtlich zu erlahmen, was bei einer Betrachtung des figuralen Schmuckes der Vasen sofort in
die Augen fällt. Die Maler beschränkten sich bald darauf, in handwerksmässiger Weise eine
bestimmte Anzahl von Typen immer und immer zu wiederholen. Unsere an Zahl so
geringen Vasen enthalten einen grossen Theil des Darstellungsgebietes, mit welchem die
schwarzfigurige Malerei in Selbstzufriedenheit ihr Auskommen fand. Den bei Weitem über
wiegenden Theil bilden bakchische Scenen, begreiflicherweise, denn sie lieferten die an
sprechendste Vignette für die Amphoren, die bestimmt waren, die edle Gabe des Dionysos
zu fassen. Von Göttermythen ist besonders die Geburt der Athena beliebt (Nr. 223
und 237). Der Lieblingsheros der attischen archaischen Keramik ist nicht der eigentliche
Landesheros, Theseus, sondern der dorische Herakles. (Sein Kampf mit den Amazonen
Nr. 228; Kretischer Stier Nr. 240; Herakles und Kyknos Nr. 235 u. s. w.). Von den
grossen Sagenkreisen wird besonders der troische ausgebeutet (Nr. 226 Peleus und Thetis;
Nr. 235 mit verschiedenen Scenen). Was sonst übrig bleibt, sind Kampfes- und besonders
Auszug-Scenen von Göttern und Kriegern, bei denen eine bestimmte Deutung oft nicht
mehr möglich ist. Dieser Mangel an Prägnanz ist eine Haupteigenthümlichkeit der schwarz
figurigen Malereien. Sie ist zum Theile bedingt durch die Umwandlung der früheren fries
artigen Composition in die metopenartige, bei welcher die ausführlichen Darstellungen
gekürzt und oft willkürlich in Theile geschnitten wurden, die man nun selbstständig ver
wendete. Im Geleite dieser Umwandlung vollzog sich aber auch noch eine andere Neue
rung. Während z. B. bei der Hydria auf Taf. IV das Gespann in Seitenansicht steht, sehen
wir es auf dem Krater derselben Tafel in Vorderansicht, rechts und links davon, ihm
zugewendet, die übrigen Figuren. Während also bei der Hydria die alte friesartige Com-
positionsweise beibehalten ist, erscheint das Bild des Kraters als ein abgeschlossenes Tafel
bild, für welches Betonung der Mitte und symmetrische Anordnung der Figuren massgebend
ist. Aber indem die Malerei des schwarzfigurigen Stiles dieses an und für sich richtige
Princip, auf welches sie durch die veränderte tektonische Bedeutung des bildlichen Schmuckes
gewiesen wurde, auf die Spitze trieb, schlug sie auch ihre freie Beweglichkeit in Fesseln.
Die Figuren werden steif und hölzern, so dass sie viel alterthümlicher aussehen, als es im
Können der Zeit lag (vgl. den Krater auf Taf. IV und die Zweikampfscenen von Nr. 224).
Aus der Zeit des späteren schwarzfigurigen Stiles ist uns eine Anzahl von attischen
Gefässen erhalten, deren Verfertiger dieselben mit ihrem Namen signirt haben. Durch
besondere Erfindungsgabe zeichnen sich die wenigsten von diesen Meistern aus. Sie suchen
ihr bestes in liebevoller Sorgfalt der Ausführung, in echt archaischer Zierlichkeit. Eine
Sonderstellung nimmt der dem Ende des schwarzfigurigen Stiles angehörende Nikosthenes
ein. Er ist so recht der findige Handwerker, der für den Geschmack der Kunden zu arbeiten
und Neues zu bieten versteht. Gerade mit Rücksicht auf das Hauptabsatzgebiet der attischen
Vasen, Etrurien — denn es ist gewiss kein Zufall, dass die überwiegende Menge seiner
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