Zur Geschichte der griechischen Keramik.
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das Rund zu componiren; bald fielen auch die grossen Augen auf der Aussenseite, welche
die figurale Darstellung bisher eingeengt hatten; schliesslich wurde die Schale selbst grösser
und flacher und erhielt jene wunderbar schwungvolle Form, die sie zu den feinsinnigsten
Erzeugnissen griechischer Kunst macht. Und nun erst, nachdem alles zu ihrem Empfange
vorbereitet war, traten an die Stelle der zusammenhanglos nebeneinander gereihten Figuren,
mit denen sich die Schalenmalerei in ihrer Lernzeit begnügt hatte, geschlossene Compositionen,
zogen die alten Stoffe aus der Götter- und Heldensage in künstlerisch w r ie
geistig umgearbeiteter Fassung wieder ein, dazu eine Fülle von neuen, die zum grossen
Theile der lebendigen Gegenwart und der Umgebung des Malers entnommen sind. Es
ist nur eine ganz billige Rücksicht gegen ihre besten Kunden, wenn uns die ehrsamen
Meister vom Kerameikos am liebsten die goldene Jugend von Athen vorführen, ihr tolles
Treiben, ihre Symposien, nächtlichen Aufzüge und unterschiedlichen Sporte, es ist nur
eine begreifliche captatio benevolentiae, wenn sie die tonangebenden Glieder dieser
Gesellschaft auf ihren Bildern persönlich verewigen, und dem Namen eines jeden dieser
jungen Wüstlinge das Epitheton ornans »der Schöne« beifügen.
Schalen, an welchen man den Werdegang der rothfigurigen Technik studiren
könnte, besitzt unser Museum nicht; Nr. 321 ist bemerkenswerth durch seine Form, welche
noch mit jener der schwarzfigurigen Augenschale ziemlich übereinstimmt, sein Innenbild,
das einen köstlichen Beitrag zu dem Capitel »Hermes als Schelm« liefert, ist im Stile ziemlich
entwickelt; Nr. 322 zeigt die Schalenform der Blüthezeit im Kleinen; bei Nr. 320 ist der
Versuch gemacht, die neue Technik mit dem Decorationsprincipe der Kleinmeisterschale zu
vereinigen. Die Blüthezeit der Schalenmalerei vertreten glänzend drei Prachtstücke, eines
von Hieran, zwei von Duris bemalt. Hieron (Nr. 3z3) bringt ein Bild seiner Specialität, Männer
im Verkehre mit Jünglingen und Knaben. Die Durisschale mit den Rüstungsscenen (Nr. 324)
bietet wrahl einzelne hübsche Motive, steht aber — auch in der Sorgfalt der Ausführung weit
zurück hinter der zweiten (Nr. 32 5), die den Meister auf der Höhe seines Könnens zeigt. Will
man eine Vorstellung von der hohen Stufe, welche die Schalenmalerei erreicht hat, geben,
genügt es wahrlich, dieses eine Werk des Duris vorzuführen; es ist eine typische Musterleistung.
Wir sehen an ihm, wie der attische Maler den bildlichen Schmuck der Schale zu
einem einheitlichen Kunstwerk auszugestalten wusste, wie er verstand, aus einem Stoffe
die dankbarsten Momente herauszugreifen, ihn zu gliedern und zu entwickeln, um ihn
im Innenbilde zum tragischen oder friedlich ausklingenden Abschlüsse zu bringen. Unsere
Vase zeigt uns endlich, wie trefflich die Maler Charaktere zu schildern vermochten.
Von der Schale wurde rothfigurige Technik und rothfiguriger Stil bald auf andere
Formen übertragen. Von denjenigen Gefässformen aus der Zeit des strengen Stiles,
welche in unserem Museum vertreten sind, seien nur die wichtigsten erwähnt. Die Krone
unserer ganzen Sammlung ist der Skyphos Nr. 328, eine Form, welche wir schon in der
korinthischen Keramik (vgl. Fig. 6) als Trinknapf kennen gelernt haben, die nun aber in
sehr vergrössertem Massstabe vielleicht als Mischgefäss diente und in den Kreisen der
Schalenmaler sehr beliebt war, weil sie Platz für umfangreiche Compositionen bot. Die
beiden Darstellungen auf den Aussenseiten der Vase sind die schönste bildliche Verherrlichung
des Liedes vom Zorne des Achilles, welche das Alterthum hinterlassen hat. Man
interpretirt gewiss nicht zu viel heraus, wenn man annimmt, das der Maler auf der einen
Seite (B) die achäischen Fürsten darstellen wollte, wie sie — nach dem 9. Gesänge der Ilias —
eine Gesandtschaft an Achilles abzusenden beschliessen. Erinnert diese Scene an den Trotz
und die Hartherzigkeit des Peliden, so schafft sich der Künstler damit eine Folie für das