Christus mit Engeln in ihrer Mitte erschien um die Seele Mariens aufzunehmen.
Daraus entwickelte sich eine Ikonographie, die mit fortschreitender Zeit legendenhaft
ausgeschmückt wurde. Der Kern der Darstellung aber blieb immer die Szene
rund um die Bahre mit der zentralen Figur Christi, der die Seele Mariens, die als
Wickelkind gezeigt wird, in seine Arme nimmt. Dazu traten schon früh einige Engel,
klagende Frauen und die Berichter der Legende. In vielen Beispielen ist eine Hintergrundarchitektur
angedeutet und manchmal über Christus ein Seraphim. Erst in
später Zeit tritt die leibliche Himmelfahrt Mariens in der oberen Hälfte des Bildes
hinzu.
Die Wiener Ikone bringt eine strenge, feierliche und einfache, aber auch menschliche
Ausbildung des Typus. Sie beschränkt sich dabei auf das wesentliche der Szene und
steht somit mit den frühen Beispielen zurück bis zu dem gleichartigen Mosaik der
Chorakirche in Verbindung, nicht mit den reichhaltigen späten Bildern, wie sie im
Malbuch beschrieben sind. Aus dem Bild der Chorakirche stammt auch letzthin der
Stil und die Komposition der einzelnen Figuren. Trauer und Verehrung, ohne lautem
Schmerz, soll in den Figuren der Apostel zum Ausdruck kommen. Diesem Ausdruck
dient die Haltung der Apostel in dem Mosaik der Chorakirche, der in der hiesigen
Ikone in sehr gemessener und qualitätvoller Weise übernommen wird. So strahlt
die Komposition ■— die viel volkstümlicher ist als die Beispiele des 14. Jahrhunderts
— eine gewisse Feierlichkeit und Ruhe aus, wie sie ja auch dem Vorgang entspricht.
Die lineare Durchführung der Gewänder und die Modellierung der Gesichter entspricht
einer Reihe von griechischen Beispielen des 15. Jahrhunderts. Die dunkel
gehaltene Farbigkeit läßt ebenso eine Datierung in das 15. Jahrhundert zu.
Lit. Kat. Graz
ÖM, Big. 251
11 DEESIS Abbildung
Griechisch (Kreta?), 15. Jahrhundert
Lindenholz, Tempera auf Levkas ohne Goldgrund
25,8: 17,7 cm
Das Bild der Fürbitte ist nach üblicher Anordnung zentral an der Ikonostasis angebracht.
Es zeigt den thronenden, segnenden Christus mit dem Evangelienbuch
zwischen Maria und Johannes dem Täufer, dem Vorläufer, die beide für die Welt
fürbitten. Der Typus dieses Bildes entstammt wohl dem Osten (Alexandrien?),
(Onasch, S. 387) und stellt eine theologisch spekulative Komposition dar. Dieses
Bild trat an die Stelle anderer, die das irdische Erscheinen Christi zeigen sollen und
steht somit mit den Bilderfolgen des Jüngsten Gerichtes in Zusammenhang (Westinnenwand
des Domes von Torcello). Die zentrale Stellung dieses Bildes an der
Ikonostasis, wie seine Beziehung zum irdischen Erscheinen Gottes wurzelt in den
liturgischen Bereicherungen des 11. Jahrhunderts. Darin ist wohl der Grund der
großen Verbreitung des Bildtypus der Deesis in mittelbyzantinischer Zeit zu suchen.
Die Szene tritt aber nicht nur für sich für die Ikonostasis bestimmt auf, sondern auch
in Verbindung mit anderen Heiligenrepräsentationen, losgelöst von liturgischer Verwendung,
da in ihm neben dem Pantokratorbild, die Erscheinung und Funktion
Christi in der Welt am deutlichsten wird. Im Malbuch findet die Szene keine Erwähnung.
Die Wiener Ikone ist flüchtig und virtuos gemalt, dunkel mit wenig Farbdifferenzen
aber auffallenden Glanzlichtem auf Gesichtem und Händen. Der strenge und ernste
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