dem Täufer in der oberen Reihe ist der Hl. Athanasios, in der unteren Reihe die
Heiligen Charalampos, Demetrios und Georgios „ho Tropaiophoros“ — der
Siegeszeichenträger — abgebildet. Die Zeichnung der einzelnen Figuren ist recht
gut, in den Gesichtern genau ausgeführt. Der Stil der Gesichtsbildung und der Kopf
form entspricht dem des 17. Jahrhunderts. Der strenge Ernst aller Figuren vor allem
bei Christus, wie die langgezogenen Schnurrbärte sprechen für eine nordgriechisch
makedonische Entstehung.
Lit.: Kat. Graz Nr. 68
ÖM, Big. 236 *
V
28 JOHANNES DER TÄUFER Abbildung
Griechisch (Athos?), 17. Jahrhundert
Holz, Tempera auf Levkas und Gold
73 : 42 cm
Namensinschrift in Gold. Auf der Schriftrolle in Schwarz: „Metanoete...“ etc. aus
Matthäus 3/2
Die repräsentative Johannesikone zeigt den Vorläufer Christi als „Rufer in der
Wüste wie er in der Bibel genannt wird mit der mahnenden Aufforderung zur
Umkehr. Der Wüste wegen wird er als Büßer und Asket im Fellkleid mit ungeord
neten Haaren dargestellt. Aufbauend auf die Stelle bei Matthäus 11, 10: „ich sende
meinen Engel vor Dir her“ erhält Johannes die Flügel. Der Bildtypus reicht wohl
bis in die justinianische Zeit zurück, wird aber im Mittelalter immer mehr visionär ■»
gesteigert. (Sdrakas, E., Johannes der Täufer in der Kunst des christlichen Ostens,
München, 1943). Vor allem das Gesicht erhält zunehmend einen nahezu erschrecken
den Ausdruck. Das Antlitz soll das eines Löwen sein (Felicetti, S. 84). ln späterer
Zeit treten Elemente aus der Johannesvita hinzu, wie die Schüssel mit dem Haupt,
oder kleine Bilder aus seiner Legende. Die Ikone der Galerie Welz ist ein sehr ein
drucksvoller Vertreter dieses so bedeutenden und theologisch wie religiös inter
essanten Typus. Gegenüber frühen Beispielen, von denen die Ikone die Strenge des y
Gesichtsausdruckes übernimmt, bringt sie gewisse Auflockerungen durch die Land-
schaftsandeutung zu Füßen des Heiligen und die Schüssel mit dem abgeschlagenen
Haupt. Gewisse Diskrepanzen zwischen der qualitätvollen Gesichtsdarstellung und
der sehr schematisierten Zeichnung der Beine tauchen auch in diesem Bild auf.
Zum Vergleich ließe sich eine nach Felicetti italo-byzantinische Ikone der Sammlung
Lichatschev in Leningrad (Felicetti, 101 B) des 15. Jahrhunderts in vielen Details
heranziehen. Das Attribut der Johannesschüssel aber spricht für spätere Entstehung.
Auch der erwähnte Stilbruch zwischen Gesicht und Körperdurchbildung entspricht
der späteren Malerei. Die feinen Goldlinien in den Flügeln stehen stilistisch noch
mit dem 16. Jahrhundert in Verbindung, doch die Reliefornamentik in Heiligen
schein und auf dem Rahmenrand entsprechen dem 17. Jahrhundert, wohin die
stilistischen Diskrepanzen die Ikone auch verweisen. Das Antlitz zeigt eine sehr
hohe Qualität und die stärkste Verbindung zu früheren Exemplaren. Der strenge
Ernst und die geschlossene Feierlichkeit im Gesichtsausdruck, die lange schmale
Form des Gesichtes mit der langgezogenen Nase sprechen sehr für die Entstehung
in einem Athoskloster.
Lit.: Kat. Graz Nr. 73
Galerie Welz, Salzburg
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