37 EPITAPHIOS Farbtafel (Ausschnitt)
Signiert und datiert: Frantz Filler 1752
Gold- und Seidenstickerei auf Samtgrund. Der Außenrand und die Umrahmungen
der Medaillons Goldstickerei mit verschiedenen Metalleffekten in Sprengtechnik,
die übrigen Metalleffekte (Nimben etc.) in Anlegetechnik, die Figuren buntschattierte
Nadelmalerei. Alle größeren Teile separat auf Leinen gestickt und in bzw. auf den
Samt aufgesetzt, die kleinen Motive direkt auf den Samt gestickt.
Maße: 131 X 97 cm
Threnos, die Beweinung Christi. Die inhaltliche Wurzel dieser Darstellung bilden
nicht die Evangelienberichte, sondern das apokryphe Nicodemus-Evangelium, das
die Marienklage enthält. Als besondere Bildform ist der Threnos in der Byzanti
nischen Kunst durch eine schrittweise Umwandlung der die Evangelientexte illu
strierenden Darstellung der Grablegung Christi in ein Andachtsbild mit zuständ-
lichem Charakter entstanden, das im 10. Jh. in seinen wesentlichen Grundzügen
festgelegt war. (Vgl. Kurt Weitzmann, The Origin of the Threnos, De Artibus opus-
cula XL, Essays in honor of Erwin Panofsky, New York 1961 S. 476 ff). Die Be
zeichnung „Epitaphios“ für ein gesticktes Tuch mit der Darstellung Christi bei der
Grablegung geht auf Symeon von Thessaloniki (f 1429) zurück. Der ausgeprägt
eucharistische Charakter der frühen Darstellungen wird seit dem 15. Jh. durch die
Übernahme historischer Personen nach dem Text des „Epitaphios Threnos“,
des Trauergesanges der Karsamstagsliturgie, abgeschwächt und die Thematik der
Stickereien den anderen bildlichen Darstellungen des Threnos weitgehend angeglichen
(Vgl. D. I. Pallas, Artikel Liturgische Tücher, Epitaphios in Reallexikon zur Byzan
tinischen Kunst, hgg. von Wessel und Restle, Stuttgart, im Erscheinen).
Im Vordergrund Sarkophag, in den der Leichnam Christi von Nicodemus und
Joseph von Arimathaea hinabgesenkt wird. Vor dem Sarkophag 2 kniende Engel
mit Salbgefäßen. Maria stützt kniend den Kopf Christi und küßt ihn, neben ihr
kniend wohl die Mutter des Johannes, die die Hand Christi küßt. Die drei Figuren
in den Nimben in der üblichen abgekürzten Form, alle anderen Figuren mit vollem
Namen bezeichnet. In einer Reihe stehend: Erzengel Michael, Salome, Magdalena
mit ausgebreiteten Armen, Maria Jose, Erzengel Gabriel, Johannes der Evangelist.
Hinter Magdalena aufragend das Kreuz mit Lanze, Schwamm und Dornenkrone
und Inschrifttafel. Rechts und links je drei Cherubsköpfe und die Inschrift: „Die
Schar der Engel ist erschüttert über Deinen Anblick“; darüber je eine brennende
Ampel, drei Kreise mit Kreuzen und Sonne bzw. Mond. Am oberen Rand die
Bezeichnung „Hos Epitaphios Threnos“. Links der Figurengruppe der Hügel von
Golgotha mit den drei leeren Kreuzen, darunter die Leidenswerkzeuge wie Nägel,
Hammer, Zange, Leiter, Wasserkanne, Würfel etc., darunter Darstellung der Grabes
kirche in Jerusalem. Rechts Stadtsilhouette von Jerusalem, darunter in sechseckig
ummauertem Garten der Engel, der auf dem leeren Grab sitzt. Golgotha, Jerusalem
und der Garten ebenfalls mit griechischen Inschriften bezeichnet.
Der Vordergrund grüner Samt mit eingestickten Blütenzweigen, der Hintergrund
(Himmel) roter Samt.
In den Ecken in goldumrahmten Medaillons die vier Evangelisten mit ihren Sym
bolen und Namensinschriften.
Um das gesamte Bildfeld gleichmäßig breite Randdekoration in symmetrischer
Komposition aus Palmetten, Muscheln und Akanthusblättern, an den Ecken mit
Rosengittern unterlegt. An den Ecken Goldposamentriequasten.
Signatur am unteren Rand des Bildfeldes: „Im Besitz der Kapelle in Wien 1752
Frantz Filler fecit“.
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