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Full text : Glas-Christbaumschmuck : made in Austria, Czechoslovakia

EINLEITUNG

HERKUNFT  UND  DATIERUNG

Mein  Weg  zum  Christbaumschmuck  aus  Glas  führte  über  die
Entdeckung  böhmischer  Glasperlen  in  der  Sammlung  des
Technischen  Museums  Wien,  die  aus  den  Beständen  des  sogenannten ­
  Fabriksproduktenkabinetts  stammten  und  bislang
kaum  beachtet  worden  waren.  Im  Jahre  1994  konnte  ich  eine
Ausstellung  und  ein  Buch  dem  Thema  „Perlen  aus  Gablonz“
widmen.  Daraus  entwickelte  sich  folgerichtig  die  Publikation
über  „Glasperlen-Christbaumschmuck“  (1995),  der  nun  die
vorliegende  Arbeit  über  „Glas-Christbaumschmuck  -  Austria  -
Czechoslovakia“  folgt.
Eine  Dokumentation  dieser  Art  wurde  durch  das  überraschende
Auftauchen  eines  zeitgenössischen  Firmenkataloges  veranlaßt
und  ermöglicht.  Die  bisherige  Fachliteratur  hatte  sich  zwar  in  eigenen ­
  Kapiteln  oft  eingehend  und  kenntnisreich  zum  Thema
des  gläsernen  Christbaumschmuckes  geäußert,  auf  die  Reproduktion ­
  vollständiger  Kataloge  bis  auf  Einzelseiten  (meist  aus
Zeitungen,  Zeitschriften  oder  diversen  Werbematerialien)  jedoch ­
  weitgehend  verzichtet.
FACHLITERATUR  ÜBER  CHRISTBAUMSCHMUCK
Aus  der  deutschsprachigen  Literatur  der  letzten  Jahren  sind
zwei  Publikationen  hervorzuheben,  die  auch  über  umfassende
Bibliographien  verfügen:
Christbaumschmuck  /Aus  den  Sammlungen  des  Museums  für
Volkskunde,  Berlin  1992
Wolfram  Metzger  -  Jutta  Tremmel-Endres:  Bäume  leuchtend,
Bäume  blendend  .  .  .  Historischer  Christbaumschmuck,  Karlsruhe ­
  1996  (Ausstellung  im  Badischen  Landesmuseum  Karlsruhe) ­

Im  Berliner  Katalog  finden  sich  mehrere  Beiträge  über  Glas-Christbaumschmuck;
  ich  möchte  besonders  jenen  von  Helena
Horn  (Gläserner  Christbaumschmuck  aus  Lauscha,  in:  Kat.
Berlin  1992,  S.  7  -  13)  und  zwei  Beiträge  von  Dagmar  Neuland
hervorheben  sowie  auf  eine  Bemerkung  von  Konrad  Vanja  hinweisen
  (Christbaumschmuck  aus  Gablonz,  in:  Kat.  Berlin  1992,
S.  23):  „Gänzlich  unbekannt  ist  die  Gablonzer  Produktion  an
einfachen  Christbaumkugeln.  Wenn  es  sich  um  eigenständige
Produkte  gehandelt  hat,  müßten  Firmenkataloge  u.  ä.  hier  Aufschluß ­
  geben  und  Zuordnungen  ermöglichen“.
Ich  hoffe,  daß  dieser  Wunsch  auf  meine  vorliegende  Publikation ­
  zutrifft.
Auch  die  amerikanischen  Publikationen  „Christmas  Ornaments“ ­
  von  Margaret  Schiffer,  Exton,  1984  sowie  „Christmas
Past“  von  Robert  Brenner,  Atglen  1985,  1996  enthalten  Kapitel
über  Glas-Christbaumschmuck  und  gehen  auf  manche  Hersteller ­
  in  Deutschland  und  Österreich  ein.
An  zeitgenössischen  Dokumentationen  zur  eindeutigen  zeitlichen ­
  und  regionalen  Zuordnung  der  abgebildeten  Motive
scheint  es  sowohl  im  deutsch-  als  auch  im  englischsprachigen
Raum  zu  mangeln.

Wer  seinen  gläsernen  Christbaumschmuck  sorgfältig  untersucht ­
  und  davon  auch  das  Metallkäppchen  mit  der  Aufhängung
nicht  ausspart,  wird  bald  bemerken,  daß  das  flache  Metall  häufig ­
  eine  buchstabengeprägte  Oberfläche  zeigt.
Zweifellos  wurde  diese  Möglichkeit  eines  Herkunftshinweises
von  vielen  Erzeugern  genützt.  Und  selbst  wenn  man  in  Betracht
zieht,  daß  manchmal  die  Aufhängungen  vertauscht  oder  für  andere ­
  Objekte  verwendet  wurden,  zeigt  doch  die  überwiegende
Zahl  der  von  mir  untersuchten  so  bezeichneten  Objekte  eine
Übereinstimmung  von  Glasobjekt  und  Halterung.  So  kommt
diese  Kennzeichnung  einer  Marke  gleich,  wiewohl  man  auf  die
Gefahr  einer  Vertauschung  immer  bedacht  sein  muß  (aber
auch  bei  Hohlgläsern  oder  Keramiken  gibt  es  Verfälschungen
und  Fälschungen,  naturgemäß  anderer  Art).
Auf  den  von  mir  untersuchten  Objekten  konnte  ich  bisher  folgende ­
  Bezeichnungen  feststellen:  AUSTRIA,  MADE  IN
AUSTRIA  (S.  16-19,  25),  CZECHOSLOVAKIA,  MADE  IN  CZECHOSLOVAKIA, ­
  CZECH  REP.  (S.  21-25,  S.  42),  POLAND
(S.  38-41),  GERMANY,  MADE  IN  GERMANY,  MADE  IN  GDR
(S.  42).
Im  folgenden  sei  auf  diese  Provenienzangaben  näher  eingegangen: ­

MADE  IN  AUSTRIA
Diese  regionale  Zuordnung  trifft  für  den  Bereich  der  österreichisch-ungarischen ­
  Monarchie  bis  1918  ebenso  zu  wie  für  das
Gebiet  von  Österreich  innerhalb  seiner  heutigen  geographischen ­
  Grenzen.  Bei  kunstgewerblichen  Arbeiten  (z.  B.  aus  Keramik ­
  und  Glas)  finden  wir  „Austria“  auch  für  Böhmen  und  Mähren ­
  vor  dem  Ersten  Weltkrieg  (man  denke  nur  an  den  geschnittenen ­
  Schriftzug  „Loetz  Austria“).
Viele  der  abgebildeten  Objekte  stammen  der  Überlieferung
nach  aus  der  Zeit  vor  dem  Zweiten  Weltkrieg  (Böhmen  und
Mähren  in  der  Zwischenkriegszeit  können  daher  für  diesen  Zeitraum ­
  aus  historisch-politischen  Gründen  ausgeklammert  werden). ­
  Eine  zeitliche  Einordnung  ist  nicht  leicht,  weil  typische
Christbaumschmuck-Motive  an  mehreren  Orten  über  Jahrzehnte ­
  erzeugt  wurden  und  daher  nahezu  zeitlos  erscheinen.
Als  eine  Ausnahme  stellt  sich  mir  ein  Behang  dar,  der  dem  Stil
der  fünfziger  Jahre  entspricht  (S.  16,  Abb.  16).
Manche  der  Christbaumdekorationen,  deren  Käppchen  das
„MADE  IN  AUSTRIA“  tragen,  sind  aus  einem  Glasmaterial  mit
leicht  opalisierendem  Schimmer  angefertigt;  die  Käppchen
selbst  sind  meist  glatt  und  nur  am  unteren  Rand  oft  mehrfach
gekniffen.  Andere  bekannte  Käppchen  (z.  B.  jene  mit  CZECHO
SLOVAKIA)  zeigen  drei  oder  mehr  Einschnitte,  die  ein  Zusammendrücken ­
  des  Metallblechs  erleichterten  (Abb.  39,
S.  21).  Fallweise  sind  Käppchen  mit  reliefierten  Oberflächen
versehen  (S.  Abb.  42,  S.  21).  Wenn  wir  die  zeitgenössischen
Handels-  und  Industrie-Adreßbücher  sowie  andere  Fach-Adreßbücher
  aus  der  Zeit  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie ­
  und  danach  heranziehen,  sind  in  der  Rubrik  „Christbaumschmuck“ ­
  zahlreiche  Firmen  verzeichnet  (s.  Neuwirth,
Glasperlen-Christbaumschmuck,  S.  23-28).  Nach  dem  Ersten
Weltkrieg  sah  man  innerhalb  der  nun  engeren  Grenzen  Öster-8


            
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