Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Glas-Christbaumschmuck : made in Austria, Czechoslovakia

Die  Glasperlen-Erzeugung  im  Königgrätzer  Bezirke.

Die  Erzeugung  der  Glasperlen  hat  ihren  Sitz  in  einigen  Ortschaften  in  der  Umgebung
von  Horitz  und  Miletfn  (politischer  Bezirk  Königgrätz).
In  dieser  Gegend  giebt  es  ungefähr  30  Familien,  von  welchen  Glasperlen  erzeugt
werden.  Einige  Familienhäupter  hievon  sind  selbstständige  Producenten,  welche  mit  ihren
Angehörigen  oder  auch  mit  Gesellen  und  Lehrlingen  arbeiten  und  ihre  Erzeugnisse
Wiener  Exportfirmen  auf  Rechnung  des  von  ihnen  bezogenen  Rohmateriales  verkaufen.
Die  Mehrzahl  der  Heimarbeiter  arbeitet  aber  für  die  genannten  Meister.
Die  Meister  sind  Mitglieder  der  gewerblichen  Genossenschaft  in  Lanzov  bei  Miletfn.
Die  Angehörigkeit  zu  dem  Verbände  dieser  Corporation  erstreckt  sich  auch  auf  die
Lehrlinge  und  Gesellen  der  Meister,  jedoch  nicht  auf  die  Heimarbeiter.
Die  eigentlichen  Unternehmer  oder  Verleger,  welche  die  erzeugte  Waare  auf  dem
Weltmärkte  vertreiben,  sind  die  besagten  Wiener  Exporteure.
Die  Anzahl  der  Frauen,  welche  als  Heimarbeiterinnen  beschäftigt  sind,  ist  unbekannt,
und  finden  Frauenspersonen  überhaupt  seltener  Verwendung  als  Männer.  Kinder  werden
in  der  Glasperlenerzeugung  überhaupt  nicht  beschäftigt.
Die  Hauptwerkzeuge,  deren  sich  die  Glasperlenerzeuger  bedienen,  sind  die
sogenannten  Löthvorrichtungen.  Selbe  bestehen  aus  einem  quadratischen,  kleinen  Tische,
in  dessen  Mitte  sich  eine  Petroleumlampe  befindet.  Unter  dem  Tische  ist  ein  Blasbalg
angebracht,  aus  welchem,  je  nach  der  Zahl  der  mitarbeitenden  Personen,  2  bis  -4  Löthrohre
  zur  Flamme  der  Lampe  geführt  sind.  Der  Blasbalg  wird  durch  Treten  bethätigt
und  hat  den  Zweck,  durch  die  feine  Öffnung  der  nadelförmig  ausgezogenen  Löthröhren
Luft  in  die  Flamme  zu  treiben.
Jeder  einzelne,  bei  dem  Arbeitstische  sitzende  Arbeiter  hält  in  der  Flamme  ein
Glasröhrchen  und  bläst  hinein.  In  der  Gluth  der  Flamme  bildet  sich  eine  Perle.  Der
Arbeiter  bricht  jede  solche  sofort  ab.  wirft  sie  in  ein  daneben  befindliches  Gefäß  und
steckt  sofort  das  Glasröhrchen  wieder  in  die  Flamme.  In  dieser  Weise  wiederholt  sich  diese
Procedur  im  Laufe  des  Tages  3000  his  6000mal.  so  dass  eine  Person  bei  einer  täglichen
Arbeitszeit  von  6  Uhr  früh  bis  6  Uhr  abends  3000  bis  6000  Glasperlen  erzeugt.
Die  in  ihren  eigenen  Wohnungen  beschäftigten  Heimarbeiter  arbeiten  mit  primitiveren ­
  Löthvorrichtungen.
Nach  beiläufiger  Schätzung  dürfte  die  Jahresproduction  eine  Höhe  von  35,000.000
Glasperlen  im  Werthe  von  7000  fl.  erreichen.  Das  Betriebscapital  konnte  nicht  eruiert
werden.  Glasperlen  werden  das  ganze  Jahr  hindurch  erzeugt;  eine  bestimmte  Saison  giebt
es  in  diesem  Fache  nicht.  Es  wird  beigefügt,  dass  die  Erzeugung  von  Glasperlen  im
Niedergange  begriffen  ist.
Alle  Heimarbeiter  verkehren  mit  den  arbeitgebenden  Meistern  persönlich.  Letztere
stehen  mit  den  Exportfirmen  in  Wien,  an  welche  diese  Erzeugnisse  verkauft  werden,  in
brieflicher  Verbindung,  und  wird  die  Waare  nach  Wien  per  Post  oder  Bahn  ver-157
  Karl  Trapp,  Die  Glasperlen-Erzeugung  im  Königgrätzer  Bezirke,  in:  Bericht  der  k.  k.  Gewerbe-Inspectoren  über  die  Heimarbeit  in  Österreich, ­
  Wien,  1900,1.  Band,  S.  19
157  Karl  Trapp,  The  Fabrication  of  Glass  Beadsinthe  Königgrätz  District,  in:  Report  ofthe  Imperial  and  Royal  Trades  Inspectors  on  home  working ­
  in  Austria,  Vienna  1900,1  st  volume,  p.  19

43
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.