Manufaktur geben genauen Aufschluß. Neben den kleineren und
größeren Geschirrmodellen für den alltäglichen Gebrauch nimmt das
mehrere Teile umfassende Kaffee-, Tee-, Schokolade- und große
Speiseservice einen breiten Raum ein. Darüber hinaus finden sich auch
Geräte, wie Leuchter, Weihbrunnkessel, Rahmen, Lüster und ein
ganzer Kamin, auf der Liste. Die Plastik ist durch aufgelegte Reliefs
und durch figurale Rundplastik vertreten. Einzelplastiken von Tieren,
wie Hirsch, Gans, Wildschwein, Affe und Schildkröte, und plastische
Gruppen, wie indianische Reiter, Dudelsackpfeifer, Doppelfiguren,
Engel und der heilige Johannes von Nepomuk, gehören zu dem
Modellbestand der Manufaktur.
Mit diesen Angaben ist der Modellreichtum der Frühzeit keineswegs
erschöpft. Der große Bereich der Toilettengegenstände tritt
noch hinzu. Er erstreckt sich vom Pot de chambre und Lavoir bis
zum Speinäpfchen und Parfumflakon. Verspielte Galanterien, wie
Nadelbüchsen, Stockknöpfe, Frauenbeine, Pfeifenköpfe, Tabatieren
und Dosen, zeugen von dem oft bizarren Einfallsreichtum der
Modelleure und von dem Ausschöpfen aller Möglichkeiten des neuen
Materials.
Der Vielfalt der Modelle entspricht der Reichtum an Dekorationsweisen.
Zwar war die Oberfläche der Wiener Porzellane selten von
jenem blendenden Weiß, wie es die Meißner Produkte auszeichnet.
Für Du Paquier waren die Schwierigkeiten im Beschaffen der Ausgangsmaterialien,
vor allem einer geeigneten Tonerde, ungleich
größer als für Meißen. Es standen ihm keine nahe gelegenen Kaolinlager
zur Verfügung, die Erde mußte oft weit herbeigeschafft
werden. Besonders in den ersten Jahren nach dem Weggang der
Meißner Arbeiter und nach dem Ausfall der sächsischen Erde mußte
ständig mit der Massebereitung und auch mit der Glasur experimentiert
werden. So zeigen die Fabrikate keinen einheitlichen Glasurton,
sondern meistens eine fast cremefarbene Oberfläche, von einem
milden, warmen Glanz. Dieser getönte Malgrund wurde nun mit
den „weit schöneren Farben und Zierrathen“ der Frühzeit geschmückt.
Der belebende Glanz von nur wenigen und intensiven
Farben sollte die Wirkung von Gefäß und Gerät erhöhen.
So verleiht die Skala der Komplementärfarben Purpur und Gelb,
Eisenrot und Grün, zu denen sich ein helles Blau gesellen kann, den
oft schweren Formen der Barockzeit Heiterkeit und naive Anmut.
Hingegen bewirken die „schwartze Mahlerey“ und die Ton in Ton
gehaltenen Dekore der Purpurfarbe und des Eisenrotes, in dem Kontrast
zur Farbe des Porzellangrundes, feierlichen Ernst und Würde.
Gold und Silber aber als Fonddekor und Höhung, auf Knäufen,
Rändern und Henkeln aufgelegt, gibt den Gefäßen und Geräten
jenen festlichen Glanz, der dem Lebensgefühl der Barockzeit entspricht.
Alle Maler der Fabrik haben nach Vorlagen gearbeitet. Der Umkreis
der verwendeten Vorbilder reicht von den Kupfern der Augs-5