hält man Schwarz ... “ (Kerl 1907, S. 1357-58).
Aus der Verwandtschaft des Steinzeuges zum Porzellan (beides Sinterware mit
dichtem Scherben) ergibt sich die naheliegende Tatsache, daß in den keramischen
Adreßbüchern die Spezialisierung auf Wedgwoodartikel oft bei den Porzellanfabri
ken zu finden ist.
Das Österreichische Museum für angewandte Kunst besitzt eine Teekanne (Kat.
Nr. 76) aus einem „Frühstücksgeschirr in Wedgwoodart, Znaim“ sowie zwei Leuch
ter (Kat. Nr. 77-78), die 1866 mit anderen Objekten von der „Frainer Niederlage“ er
worben wurden - damit kann wohl nur die Wiener Niederlage der k.k. privil. Stein
gut- und Wedgwoodfabrik in Frain, Mähren, gemeint sein. Die Provenienz der Tee
kanne (Kat. Nr. 76) konnte ich noch nicht bestimmen.
DIE FABRIK IN FRAIN
Bereits 1835 präsentierte Stanislaus Graf v. Mnischek (auch Mniszek geschrieben),
Inhaber der Frainer Fabrik, zahlreiche Erzeugnisse an „Wedgwood“ sowie andere
Ware und erhielt dafür eine „ehrenvolle Erwähnung“ für seine Fabrikate „als ausge
zeichnete Produkte der Töpferei“ (Bericht Wien 1835, S. 264-266).
Der „Bericht über die zweite allgemeine österreichische Gewerbs-Produkten-Aus-
stellung“ im Jahre 1839 geht auf die Firmengeschichte näher ein: 1798 durch Baron
Lilienborn errichtet, von Franz Fellner (Verwalter der Khevenhüller’schen Herrschaft
Frohnsburg) 1801 erworben; ab 1809 Erzeugung von hochwertigem Steingutge
schirr; 1816 kaufte Stanislaus Graf von Mniszek die Fabrik, diese wurde von ihm
vergrößert und mit entsprechenden Einrichtungen und Maschinen versehen. „Die
verschiedenen Glasuren werden auf der Maschine und den dabei befindlichen 2
Pochwerken, die im Laufe eines Jahres erforderlichen 10.000 Centner Steingut=
und Wedgwoodmasse aber in den, unter dem Fabriks = Gebäude befindlichen, mit 8
Trockenpfannen versehenen Schlemmen erzeugt. 23 Scheiben sind für das Stein
gut und 2 für das Wedgwood = Geschirr im Gange und es werden im Fabriks=Dien
ste mit Einrechnung der Beamten 105 Personen beschäftiget“ (Bericht Wien 1839,
S. 9). Am 29. Juni 1827 erhielt die Fabrik ein Privilegium auf „glasirtes Wedgwood in
lichtbrauner, lichtgrüner und lichtblauer Farbe . . . welches dem besten Ausländi
schen an die Seite gestellt werden kann . .. “ - glasiertes Wedgwood? Wenn man
die herkömmlichen Definitionen berücksichtigt, ein Widerspruch in sich. Wir kom
men später noch einmal darauf zurück.
Die Erzeugung des „Wedgwoodgeschirrs“ innerhalb des österreichischen Kaiser
staates hatte natürlich auch wirtschaftliche Aspekte, und so wird in dem Bericht
des Jahres 1839 eigens darauf verwiesen, daß die Frainer Erzeugnisse solche Fort
schritte gemacht hätten, „von welchen sich erwarten läßt, daß sie der Einfuhr der
Wedgwood = Geschirre aus England bald ein Ende machen werden . ..“ (Bericht
Wien 1839, S. 11). Dafür erhielt die Fabrik 1839 die goldene Medaille, im Jahre 1845
dieselbe Auszeichnung (Bericht Wien 1846, S. 84-85).
Genauer noch als die Berichte von den Gewerbsproduktenausstellungen geht eine
Artikelserie von Carl Schirek in den „Mittheilungen des Mährischen Gewerbemu
seums in Brünn„ auf die Firmengeschichte der Frainer Fabrik ein. Carl Schirek
(Schirek Frain 1892, Nr. 7, S. 117-118) unterscheidet vier Perioden:
„1. Periode 1799-1807. Die Fabrik in Händen von Speculaten, die Zeit eines blos
sen Scheinbetriebes und nur vorgespiegelter Versuche
2. Periode 1807-1816. Von der Erwerbung der Landesbefugniss für Steingut
durch Anton Fellner und Johann Georg Grimm bis zum Verkauf der Fabrik an
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