den Grafen Stanislaus von Mniszek
3. Periode 1816-1828. Die Fabrik im Besitze des Grafen Mniszek bis zur Erlan
gung eines Privilegiums zur Erzeugung einer neuen Wedgwoodart (Nach
ahmung des engl. Wedgwood.)
4. Periode 1828-1882. Die Erzeugung von Wedgwood- und Druckgeschirr; wie
wohl die Erzeugung des letzteren schon vor 1828 begonnen hat, dürften wir
kaum fehl gehen, wenn wir erst um diese Zeit einen gewissen Grad von Voll
kommenheit voraussetzen, denn erst 1830 hören wir von einem Druckereivor
steher Dore.“
Das Firmenprogramm war im Laufe der Zeit ein sehr umfangreiches. Aus dem Jahre
1819 ist nachweisbar, daß man „schwarzes, gelbes und rothes Wedgwood ohne
oder mit weissen und blauen halb erhabenen Auflagen“ machte (Mittheilungen
Brünn 1892, Nr. 8, S. 133). „Seit den Zwanziger-Jahren wurde die Masse in Stahl-
und Gypsformen gepresst; von den alten Formen ist jedoch nichts erhalten.“
Im selben Jahre (1819) sandte die Frainer Fabrik anläßlich der Gründung des k.k.
polytechnischen Institutes in Wien zur Anlegung einer entsprechenden Lehrmittel
sammlung Proben nach Wien (Mittheilungen Brünn 1897, Nr. 21, S. 168). Im „Ver
zeichniss Jener von dem hiesigen hochgräflichen Grundherrn als Privatbesitzer der
k.k. priv. Frainer Steingutgeschirrsfabrik an das Nationalproduktenkabinet des k.k.
politechnischen Instituts zu Wien einzusendenden Musterstüke der in der Frainer
St(ein)Gutgeschirr Fabrique erzeugten Produkte“ befanden sich Steingut- und Por
zellan (Borzlain)-Geschirre sowie „Wedgwood“: „Credenztassen und eine Thee-
kanne in Schwarz, ein Oberstöpfchen in Roth, eine Zuckerdose in Gelb.“
Michael Raufer, im Jahre 1821 als Mitarbeiter der Frainer Fabrik entlassen und
Gründer einer ähnlichen Fabrik in Krawska, beanspruchte die Erfindung des
„Wedgwood-Geschirrs“ für sich, sodaß es in jener Zeit zu einer sehr aufschlußrei
chen Befragung mehrerer Mitarbeiter der Frainer Fabrik kam (Mittheilungen Brünn
1897, Nr. 22, S. 269-175 sowie Nr. 23, S. 177-179).
Der Modelleur Johann Hempl sagte aus: „Ich bin seit 1. July 1818 in der hiesigen
Fabrik und muss zur Steuer der Wahrheit angeben dasz schon damals durch den
bereits verstorb. Mitarbeiter Johann Tidemann das Weedgwood Geschier von
rother, gelber und schwarzer Erde verfertiget wurde; jedoch ist mir nicht bekannt,
zu welcher Zeit der Anfang mit dieser Geschiererzeugung gemacht worden ist, und
es werden dieses meine älteren Kammaraden zu beauskunften wissen
(Mittheilungen Brünn 1897, Nr. 22, S. 172).
Diese älteren „Kammaraden“ wurden auch befragt, und der bereits länger in Frain
dienende Johann Ennser bezeugte; „Seit 1ten Jänner 1808 befinde ich mich in der
hiesig k.k. priv. Steingutgeschierfabrik und bemerke, dasz schon im Jahre 1817
Weedgwoodgeschier von roth, gelb und schwarzer Erde durch mich und meinen
Kammaraden Joseph Herrmann verfertiget wurde, wozu die Massa von dem gegen
wärtigen Werkführer Franz Dürnbek vorbereitet worden ist, welchen nur allein die
Ehre als ersten Erfinder des Weedgwoodgeschiers in der hiesigen Fabrik gebührt
und von diesem hat erst Michl Raufer den Unterricht dadurch erlangt, weil dieses
Fabriksgeheimnisz dem Franz Dürnbek durch die Direktion abgelöset worden
ist... “ (Mittheilungen Brünn 1897, Nr. 22, S. 172-173).
Ähnliches bestätigte Joseph Herrmann: „Am 1ten September 1810 bin ich in der
hiesigen Fabrik angelangt und seitdem noch hier. Von Erfindung des Weedgwoods
ist mir daher nachstehendes bekannt: Gleich nach dem Fabrikskaufe von den hoch
gräflichen Herrn Eigenthümer so viel ich mich erinnere, mag es im Jahre 1817 gewe
sen seyn - wie mit Erzeugung des Weedgwoodgeschiers der Anfang gemacht
wurde; zuerst habe ich mit Johann Ennser verschiedene Theekahnen von rother,
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