MAK

Full text: Böttgersteinzeug, Yixing und andere rote Ware

Die Herstellung der türkischen und ägyptischen Tonpfeifen wird von Cohausen-Po- 
schinger noch genauer beschrieben (Cohausen-Poschinger 1874, S. 431-432); 
„Einen bedeutenden Handelsartikel bilden die Thonpfeifen, und bewährt sich auch 
hierin der Orient durch seinen Geschmack und eigenthümliche Technik. Namentlich 
die Türkei, aber auch Aegypten, hatten rothe und schwarze Pfeifenköpfe aus jenem 
bekannten specksteinartigen schwach gebrannten Thon ausgestellt, welche in halb 
hartem Zustand vor dem Brennen abgedreht, geschnitzt und verziert werden. In die 
durch Einräucherung geschwärzten Köpfe sind ring-, rosetten- und palmettenför 
mige vertiefte Umrisse mittelst Metallpatrizen eingedrückt, nach dem Brennen mit 
weisser, vielleicht mit einem Klebstoff versetzter Erde ausgefüllt und die dazwi 
schen stehen gebliebenen Erhöhungen mit einem runden Goldflitter bedeckt wor 
den. Es wird durch diese nur aus zwei oder drei Elementen bestehende Zeichnung 
und knappe Farbenzusammenstellung eine äusserst geschmackvolle und reiche 
Ornamentirung zu Stande gebracht. In ähnlicher Art werden auch Tassen, Pfeifen- 
Röhre und Köpfe mit kreis- und palmettenförmigen Silberflittern verziert, indem die 
selben mit einer Stahlpatrize aus dünnem Silberblech ausgestochen und in die zu 
verzierende Fläche eingedrückt werden; die Schwindung des Thons beim Brennen 
genügt, sie festzuhalten, während der schwache Brand dem Silber nicht schadet. 
Solche Pfeifen, Cigarrenspitzen, Röhren und Tassen hatten Mustafa aus Trebizund, 
Mustafa aus Rustschuk und das Gouvernement von Edir eingesandt. Noch weiter 
entfernt sich die Decorationsweise der rothen Pfeifenköpfe von der im westlichen 
Europa gebräuchlichen, indem dieselbe nach Art unserer Buchbindervergoldung 
geschieht, d.h. der Goldschaum wird mittelst Metallpatrizen und Rouletten in den 
noch halbweichen Thon eingedrückt und nach dem Brennen appretirt und polirt, so 
von Salih in Konstantinopel, Mehmed-Effendi in Konstantinopel und Hamdy-Effendi 
in Konstantinopel. - Von derselben rothen Masse hat man unter anderen auch bür 
stenförmige Geräthe, um sich damit nach dem Baden abreiben zu lassen, und 
Waschschüsseln mit einer durchbrochenen Erhöhung in der Mitte, um die Seife 
darauf zu legen. Beide zeichnen sich durch ihr geschmackvolles Arabeskenschnitz 
werk aus. So Veroni und Achmed, beide aus Siut in Aegypten.“ 
Bereits aus der Pariser Weltausstellung 1867 waren einige türkische Gefäße (Kat 
Nr. 124-127) in die Keramiksammlung des Österreichischen Museums gelangt. Ein 
kurzer Hinweis auf die türkische Stein- und Tonwarenindustrie findet sich im Bericht 
von Carl Sax (Sax 1873, S. 54): 
„Auch die Stein- und Thonwaaren-Industrie gehört der Hausindustrie an. Die Erzeu 
gung von Pfeifenköpfen wird in Constantinopel, im Vilayet Diarbekir, Syrie u.s.w. in 
grosser Ausdehnung betrieben. Widdin, Islimil, Adana, Trebizonte u.s.w., insbeson 
dere Tchanakale hatten eine grosse Sammlung von Krügen, Töpfen und Gefässen 
ausgestellt, welche alle durch geschmackvolle Form sich auszeichneten. Aus dem 
Vilayet Alep und Syrie waren irdene Gefässe zur Ansicht geschickt worden, welche 
die Kräftigkeit des Brandes, den Glanz der Farben und oft auch eingelegter Zierath 
auszeichnete.“ 
Mit eingelegtem Silberornament sind die Gefäße türkischer Provenienz aus der Pa 
riser Weltausstellung 1867 (Kat. Nr. 126, 127) verziert, dürften daher zur letztge 
nannten Gruppe gehören. 
Die mexikanischen Keramiken des Österreichischen Museums wurden im Jahre 
1867 (vermutlich aus der Pariser Weltausstellung) erworben. Alexander Schmidt be 
richtet von der Pariser Weltausstellung des Jahres 1878 von gleichartigen Objek 
ten: „Von centralamerikanischer Keramik ist ebenfalls recht wenig zu sehen, das 
heisst, es gibt da überhaupt nicht viel. Mexico bringt neben thönernen Götzenbil 
dern seiner alten Zeit, die zusammengekauert und den Kopf in die Hände stützend 
356
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.