gleichbare Rolle in dem sehr weitreichenden Gebiet der Formgestaltung gespielt
haben muß. Irminger ist meines Wissens im Jahre 1711 erstmals nachweislich für
die Meißener Manufaktur tätig gewesen - über seine Mitwirkung bei der Gestaltung
des sogenannten „Böttgersteinzeugs“ in den Dresdener Jahren 1708 - 1710 sind
wir jedoch nicht unterrichtet, sehen wir von dem - meiner Ansicht nach meist zu
unkritisch interpretierten - Manuskript in der Handschrift des Dr. Petzsch (eines
Zeitgenossen J. G. Höroldts, s. Band I), ab.
Die Orientierung an ostasiatischem Steinzeug bzw. an niederländischem Steinzeug
nach ostasiatischem Einfluß ist in den Anfängen des „rothen Guts“ unübersehbar
und manifestiert sich vor allem in direkten Abformungen des vorbildhaften ostasiati
schen und niederländischen Gegenstandes (einschließlich Abformung der Marke,
wie Beispiele von „Böttgersteinzeug“ nach Ary de Milde beweisen, s. Band I).
Manche Formen vereinen Ostasiatisches und Europäisches: zumindest der Fisch
kopf, dem die Tülle der Kanne (Kat. Nr. 10) entspringt, ist letztlich ostasiatischer
Provenienz. Wenn man die Gestaltungen Irmingers mit rein europäischem Formen
gut gleichsetzt, so ist dieses Ausgußmotiv meiner Ansicht nach mit einer Zuschrei
bung an Irminger nicht vereinbar, außer man gesteht ihm ebenfalls Übernahmen
von Gefäßbestandteilen aus dem Ostasiatischen zu.
Ohne auf die Thematik des Irminger-Stils hier näher eingehen zu können, sei immer
hin vermerkt, daß wir den Künstler aus seinen Edelmetallarbeiten bisher kaum fas
sen konnten, da offenbar nur sehr wenige publiziert (und erhalten?) sind. Wie weit
man bei den Modellen des „rothen Porcelains“ Metallformen übernahm, die vorbild
haft schienen, wurde in der Fachliteratur noch nicht analysiert. Ob solche Formen
zeitgenössischer Silberarbeiten von Irminger empfohlen und oft nicht einmal von
ihm geschaffen worden waren, muß so lange offen bleiben, als wir den Stil von Ir
mingers Silberarbeiten nicht eindeutig charakterisieren können.
Während Irminger vor allem für den Bereich der Gefäße immer wieder genannt wird,
diskutiert die Fachliteratur Zuschreibungen an Bildhauer wie Balthasar Permoser,
Paul Heermann, Benjamin Thomae, Johann Joachim Kretzschmar u.a. für vollplasti
sche Arbeiten und Reliefs. Hier ist dem Kunsthistoriker noch ein weites Feld stilkri
tischer Untersuchungen offen.
Solange wir die Tätigkeit des über längere Zeit von Dr. Barthelmäi bezahlten Bild
hauers Miller und anderer Mitarbeiter aus der Dresdener Zeit nicht kennen, sind
Modellzuschreibungen jedenfalls nur mit äußerster Vorsicht zu wagen.
Von den Mitarbeitern der Dresdner Frühzeit sowie dem Arbeitsbereich einzelner
Dreher und Former an der Meißener Manufaktur handelt ebenfalls ein ausführliches
Kapitel in Band I dieser Publikation.
„BÖTTGERSTEINZEUG“ DES 18. JAHRHUNDERTS IN DER KERAMIKSAMMLUNG
DES ÖSTERREICHISCHEN MUSEUMS FÜR ANGEWANDTE KUNST
Die heute im Museum befindlichen Objekte aus „Böttgersteinzeug“ des 18. Jahr
hunderts kamen einzeln, paarweise oder als Teil einer größeren Widmung oder
eines umfangreicheren Ankaufs an das Museum. Sie wurden manchmal unter der
Bezeichnung „rother Thon“, häufig als „Böttgerporzellan“ und, wie bereits erwähnt,
im 20. Jahrhundert dann als „Böttgersteinzeug“ inventarisiert und einige auch in
den „Mittheilungen“ des Museums erwähnt.
Als erstes gelangte die Kanne (Kat. Nr. 10) in das damals so genannte „Österreichi
sche Museum für Kunst und Industrie,, und zwar im April 1875 als Bestandteil der
Schenkung einer Frau von Schwarz. In der Rubrik „Geschenke“ berichten die „Mit
theilungen“ des Museums (Mittheilungen Wien 6/1876-1877, S. 154). über diese
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