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DAS KUNSTGEWERBE.
Kentaurin, ein Mädchen tanzen lehrend. Reliet von Kundmann.
wollen, ob diefes Gebäude uns heute feines Gleichen im Orient repräfentirt.
Diefe Frage nach der Aechtheit miiffen wir mit Ja und zugleich mit Nein beantworten.
Wenn wir einen brillanten franzöfifchen Goldftoff ausnehmen, der
im Innern zur Bedeckung von Divans verwendet worden, fo dürfte wohl alles
Einzelne an und in diefem Palafte original fein, original entweder nach feiner
Zeichnung oder nach feinem Urfprung, und doch zweifeln wir, ob ein Gebäude
fo wie diefes, fo ächt orientalifch es uns anmuthet, im Orient exiflirt oder exiftiren
könnte. Die Urfache ift die, dafs an dem Gebäude verfchiedene Dinge
vereinigt find, die fich in Wirklichkeit nicht zufammenfinden, dafs der Künftler
verfchiedenen Gefichtspunkten und Anforderungen zu entfprechen hatte.
Der Künftler wollte zunächft nicht ein einfaches Wohnhaus, fondern ein
möglichft umfaffendes Bild der orientalifchen Bauweife geben, daher dachte er
an die Mofchee wie an das Haus; er follte dem Vicekönig einen Palaft erbauen
und hatte doch nicht die Mittel, ihn königlich auszuftatten, was man auch wohl
für fechs Monate nicht verlangen konnte; er wollte zugleich von der alten, ächt
arabifchen Bau- und Decorationsweife einen Begriff geben, wie fie fich wohl in
vielen Gebäuden Cairo’s erhalten hat, aber nicht mehr in Uebung fteht. So ift
es gekommen, dafs hier Theile von beftehenden Mofcheen genommen find, wie