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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

I. WOHNUNGSAUSSTATTUNG. 93 
Kentaur, einen Knaben Flöte fpielen lehrend. Relief von Kundmann. 
Minarets und Kuppel, und mit dem Palafte vereinigt wurden; felbft den öffent 
lichen Bädern find Motive entlehnt, wie die halbrunden Ausbauten an den Schmal 
feiten, und mit dem Wohnhaus verbunden; fo ift es gekommen, dafs wir, von 
aufsen die Anlage betrachtend, einen palaftartigen Bau vor uns haben, deifen 
innere Ausftattung keineswegs dem entfprechend erfcheint; fo finden wir end 
lich Altes und Neues, Antik-arabifches fo zu fagen mit Modern-egyptifchcm bei- 
fammen, Originale wie Copien. 
Laffen wir uns alle diefe Gefichtspunkte gefallen, fehen wir davon ab, dafs 
uns unfer Bau kein Bild der gegenwärtigen egyptifchen Wohnung bietet, wie wir 
es von einer Weltausftellung zu erwarten hätten, hellen wir uns, kurz gefagt, 
auf den Standpunkt des Künftlers — nun gut, dann hat er feine Aufgabe vor 
trefflich gelöfet. 
Der Anblick diefes ftattlichen Palaftgebäudes ifl: voll Reiz und Eigenthüm- 
lichkeit, contraftirend genug mit unfern europäifchen Bauten durch fein reiches 
und unregelmäfsiges Profil, durch fein farbiges, charaktervolles Aeulsere, durch 
fo manches uns feltfame Detail. Das eigentliche Wohnhaus bildet einen einiger 
maßen regelmäfsigen Mittelbau, der gen Norden vortritt, mit zwei halbrunden 
grofsen erkerartigen Ausbauten an den Schmalfeiten, die einer Eigenthümlich-
	        
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