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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

I. WOHNUNGSAUSSTATTUNG. 
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laffen, in einfach drapgelbem Anftrich, weder glafirte Fliefen, noch Teppiche, 
noch Seidenftoffe fchmücken fie; nur die Plafonds zeigen wenigflens Farbe in 
reichen alhambraartigen Arabesken. Etwas mehr Reichthum tragen nur die für 
den Empfang des Vicekönigs befhmmten Räume mit Portieren, Teppichen, 
Decken und Goldbrokatfloffen auf den Divans zur Schau. 
Dafür dürfen wir die ganze Anlage des Innern, das Verhältnifs von Hof zu 
Gemach, die Einrichtung der Zimmer, die Lage und Vertheilung von Herrenge 
mach und Harem wohl als völlig acht betrachten, und wir können uns daraus 
einen guten Begriff von diefen myfteriöfen Partien des orientalifchen Haufes 
machen. Ebenfo fällt es klar in’s Auge, wie die Wohnung darauf angelegt ift, 
fich gegen Sonne und Hitze abzufperren und in kühlem Schatten behaglicher 
Ruhe zu pflegen, hingegeben jenem Quietismus, darin der Orientale bei fleh den 
Hauptgenufs des Lebens fucht. Eingetreten durch die enge kleine Pforte be 
finden wir uns alsbald in einem hochumfchloffenen Hofe, in deffen Mitte, um 
geben von frifchen grofsblättrigen Gewächfen, ein Springbrunnen plätfehert; zur 
Seite ift eine gemachartige Halle, von drei Seiten umfchloffen, nur die eine Seite 
offen dem kühlen Hofe zugekehrt. Es ift ein ftiller, erfrifchender Aufenthalt. 
Der am meiden charakteriftifche Raum ift der Empfangsfaal des Hausherrn, 
parterre gelegen, aber bis oben durchgehend. Er ift im Kreuz angelegt, mit 
einem Waffer in der Mitte, die Kreuzarme mit Divans zu Sitzgemächern herge 
richtet. Die Fenfter find vergittert und zum Theil farbig verglafet, fodafs ein 
reizend fchillerndes Licht in den tiefen Raum hinabfällt. Oben ftofsen die Zinnen 
des Harems an diefen Saal und kleine Gitterfenfter erlauben den Damen alles zu 
fehen, was unten vorgeht. Sie felber bleiben ungefehen. Diefe Haremgemächer 
liegen fämmtlich im Hauptgefchofs. Obwohl keineswegs fo ausgeftattet mit 
glänzenden Utenfilien, Kunft- und Luxusgegenftänden, wie untere Phantafie fich 
einbilden möchte, laffen fie doch mit ihrer Einrichtung, mit ihren Lagern und 
Divans, die felbft mitten im Ausbau der Fenfter fich befinden, um ungeftört und 
ungefehen ftundenlang liegend hinauszufchauen, auf das fülle und ficherlich auch 
langweilige Leben darin, das wohl nur die Eiferfucht lärmend unterbricht, einen 
Blick werfen. Allerlei Geräth von Krügen und Inftrumenten — Mufik gehört 
zum Harem — befindet fich in tiefen Wandnifchen oder fteht auf Confolen und 
fonft herum; viel ift es nicht.-—Ebenfo fehlt auch der Mofchee die eigentliche Aus 
härtung; einige Glaslampen, Imitationen alter orientalifcher Mufter hängen an 
Balken darin; die Kuppel ift reich mit gemalten Arabesken ausgefchmückt.—Eine 
offene Gallerie, im oberen Stock nach dem Garten zu gelegen, erlaubt den Damen, 
die frifche Luft zu geniefsen, ohne das Haus zu verlaffen. —- Auch der Garten ift 
charakteriftifch mit feiner Anlage und feinen Laubgängen, doch fehlt natürlich, 
um ihn zum Genufs und zum fchönen Anblick zu machen, die Ueppigkeit der 
Gewächfe und der Blumen.—-Vom Garten aus ift uns noch ein Blick in das Grab 
von Beni Haffan geflattet, die Ruheftätte eines faft dreitaufend Jahre vor Chriftus 
lebenden egyptifchen Nomarchen, die hier getreu, mit Ausnahme des Daches, 
das eine Lichtöffnung erhalten hat, dem Original mit bunten Säulen und allen 
feinen Malereien nachgebildet worden. Es ift die Wohnung eines Todten, aber 
dennoch wohl erlaubt, Zeit und Stil zu vergleichen. Welch ein Unterfchied, welch
	        
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