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DAS KUNSTGEWERBE.
keit beruhen, allein das ift ficherlich, wenn wir fonft die Gewalt der Mode be
denken, das geringfügigfte Moment, Frankreich ausgenommen, wo Charakter und
Mode zufammenfallen. Weit bedeutender erfcheint bei einigen Staaten der Glanz
oder die Nachwirkung der Gefchichte oder auch der Einfluss eines grofsen und
bedeutenden Mannes oder locale, vielmehr geographifche Bedingungen, welche
einem Lande eine gewiffe Richtung, einen gewiffen Zug feiner Induftrie vorfchrei-
ben, oder es find die künftlerifchen Traditionen der Vergangenheit, die fich jedoch
als nationale Induftrie derjenigen der modernen Cultur gegenüber zu ftellen pfle
gen. In jüngfter Zeit aber find es die Reformbeftrebungen auf dem Gebiete des
Gefchmacks, das, was wir in der Einleitung als die internationale Frage der Kunft-
induftrie bezeichnet haben, welche in den einzelnen Ländern, je nachdem fich
diefelben diefen Beftrebungen angefchloffen haben, die Phyfiognomie ihrer Ar
beiten wefentlich umändern und ihre allerdings heute noch fehr fchwankende
Kunftart bedingen. Auf ihnen beruht vor allem der gemifchte Charakter, den
fo manche Culturländer auf unferer Ausftellung zeigen.
Mit Rückficht auf diefe verfchiedenen Bedingungen, von denen allerdings
keine ausfchliefslich wirkt, ordnen wir uns die Länder Europa’s in beftimmte
Gruppen und nehmen dabei vorweg die kleineren Staaten, indem wir uns die
gröfseren Induftrieländer, in denen der eigentliche moderne Gefchmackskampf
auszukämpfen ift, bis zum Schluffe auffparen. Nur den Orient, der heute noch
feine eigene Welt bildet und als folcher auch auf der Ausftellung erfchien, laffen
wir auch diefen folgen.
l. Gruppe: Dänemark, die Schweiz, Belgien, Holland.
Wie mächtig und bedeutend der Einflufs eines einzigen Mannes fein kann,
das zeigt uns die Induftrie des kleinen Dänemark, welche in äfthetifcher Be
ziehung eine fehr gute Figur auf der Ausftellung machte. Von früherer Induftrie,
die künftlerifch irgend Bedeutung hätte, weiss die Gefchichte nichts. Dänemark
ftand in diefer Beziehung einerfeits unter dem Einfluss Hollands, andrerfeits unter
dem Einfluss Lübecks und anderer gewerbfleifsiger Städte der Oftfee. Wohl
keine diefer Städte kann fich heute an Kunftfleiss mit Kopenhagen meffen. Dass
feine Induftrie künftlich emporgekommen ift, mag man auf Rechnung, der Refldenz
fetzen, aber dass diefe Induftrie einen gemeinfartien und bis zu einem gewiffen
Grade eigenthümlichen, ihr eigenen Charakter trägt, das verdankt sie der Nach
wirkung und der Erinnerung Thorwaldsen’s; die Gröfse diefes Mannes, der Idea
lismus feiner Kunftrichtung adelt noch heute die Induftrie Dänemarks und fchützt
fle vor dem Hinabfinken in das Gemeine und Gewöhnliche. Wir find nicht mit
allem einverftanden, was die dänifche Kunftmduftrie uns vor Augen geführt hatte,
aber es geht durch alles ein feiner, nobler Zug, der ihre unverkennbare Eigen-
thümlichkeit bildet.
Stiliftifch betrachtet, liegt diefer gemcinfame Zug der dänifchen Kunftinduftrie,
wie das auf den Spuren Thorwaldsen’s nicht anders zu erwarten steht, in einer
Hinneigung zu den antiken Formen. Wir erkennen ihn vorzugsweife in den Mö
beln, in dem Porzellan und in den Silberarbeiten, den drei bedeutendften Zweigen
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