II. DIE LANDER UND IHRE KUNSTARBEITEN.
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Richtungen zu ergehen. Binnen wenigen
Jahren lft der ganze Umkreis diefes Fabrikats
räumlich und zeitlich in Nachahmungen er-
fchöpft. Darunter befinden lieh allerdings
auch die franzöfifchen Faiencen des fiebzehn-
ten und achtzehnten Jahrhunderts, aber der
Kunftwerth derfelben ift zu gering, um dabei
flehen zu bleiben. Neben ihnen oder vielmehr
vor ihnen fchon waren die italienifchen Majoli
ken, die fpanifch-maurifchen Faiencen, die
Rhodifer und perfifchen Arbeiten, die indi-
fchen,japanifchen und chinefifchen, dieHirfch-
vogel- und die Paliffy-Poterien vertreten, und
zwar fo, dafs der einzelne Fabrikant oder
Künftler eine Spezialität bildete. So hatte
Deck uns vorzugsweife folche Arbeiten vor
Augen geführt, deren Werth in figürlicher
Malerei befland, Collinot und Parvillee ar
beiten in orientalifchem Genre, jener mehr
nach China und Japan fich hinneigend, diefer
in perfifch-türkifchen Motiven, Barbizet ift
Imitator von Palissy und fo ähnlich andere.
Das Gebiet, welches auf diefe Weife die
Faiencen gewonnen, nämlich das mehr deco-
rative in grofsen Dimenfionen, hat das Por
zellan feinerfeits verloren. Wenn wir eine
Anzahl grofser Sevresvafen, die in der Kunft-
halle ausgeftellt waren und wohl überwiegend
älteren Datums find, ausnehmen, fo hatte
auch in der That die franzöfifche Porzellan
fabrikation, wie fie uns in der Ausheilung vor
Augen trat, folche coloffale Prachtftücke auf
gegeben und fich auf die kleineren und fei
neren Arbeiten und insbefondere auf das
decorirteTafelgefchirr befchränkt. Und hierin
hielt fie fich, im Gegenfatz zu den in alle
Weite fchweifenden Faiencen, an ihre eigene fuf Glas g“ ° r “ 1 von Gugnon 6,5
Vergangenheit, nicht mit Unrecht, denn die
weiche Sevresmaffe der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat in der That,
wenn man fie ein wenig mit ihren eigenen Augen zu betrachten verlieht, höchft
zierliche und reizende Gegenftände gefchaffen. Diefer Anfchlufs an die Vergangen
heit ift aber wieder mit grofser Freiheit gefchehen, nicht mit ängftlicher Nachah
mung, und fo zeigte das franzöfifche Porzellan neben manchen Gegenftänden, denen
man die Imitation von Altfevres fchon aus der Ferne anfah, viel reizende, feine
und originelle Decoration. So liefs trotz mancherlei Seltsamkeiten, wie z. B.