II. DIE LÄNDER UND IHRE KUNSTARBEITEN.
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und find damit decorativ auf richtigem Wege, aber der künftlerifche Werth fleht
noch fehr niedrig. Auch in den Oefen rührt fleh eben erft ein leifer Anfang
zur Befferung mit anderen Farben und Formen mehr nach Muflern der Renaif-
fance. Ebenfo fleht erft im Beginn einer vielleicht bedeutungsvollen Zukunft
eine andere, mehr architektonifche Decoration in glafirter Faience, die gegenwär
tig mit den neu erfundenen Emailfarben von Ko sch von der Wienerberger Zie
gel- und Thonwaaren Fabrik geübt wird. Ihre Anwendung zeigte im Grofsen
das von Ferftel entworfene und mit eingebrannten Malereien von Laufb erger
gefchmückte Thor (S. 69) und im Kleinen ein reizender Wandbrunnen von
Faience-\ afen, von Geoffroy & Co. in Gien (Loiret).
Teirich in der Art des Luca della Robbia (S. 37). Auch hier fehen wir die
öfterreichifche Kunftinduftrie auf dem Wege der Renaiffance.
Die gleiche Richtung fchlagen mit noch mehr Entfchiedenhcit die Silber
arbeiten ein. Die grofse Menge der Gegenftände in imitirtem Silber für den
Gebrauch von Tifch und Tafgl hatte freilich des Veralteten, namentlich auch der
naturaliftifchen Gegenftände, wie wir fie unter anderem bei Elkington erwähnt
haben, in überwiegender Menge. Die Hauptarbeiten aber in achtem Silber bei
Klinkofch. Meyer, Granichftädten und anderen waren im Stil der Renaif
fance gehalten, darunter vortreffliche Tafelauffätze mit dem dazu gehörigen Ge-
räth, frei, fachgemäfs und nicht als Monumente gedacht, wie fo viele ähnliche
Arbeiten auf der Weltausftellung. Vorragend waren darunter die Arbeiten und
Compofitionen von König und Teirich. Für unfer Auge hatten alle diefe
öfterreichifchen Arbeiten einen Fehler: fie waren zu grau, bleiern und todt im
Silberton. Eine eigenthümliche Stellung nimmt unter den Wiener Goldfehmieden
Ratzersdorfer ein mit feinen zierlichen emaillirten Arbeiten von Gold und