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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

II. DIE LÄNDER UND IHRE KUNSTARBEITEN. 
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und find damit decorativ auf richtigem Wege, aber der künftlerifche Werth fleht 
noch fehr niedrig. Auch in den Oefen rührt fleh eben erft ein leifer Anfang 
zur Befferung mit anderen Farben und Formen mehr nach Muflern der Renaif- 
fance. Ebenfo fleht erft im Beginn einer vielleicht bedeutungsvollen Zukunft 
eine andere, mehr architektonifche Decoration in glafirter Faience, die gegenwär 
tig mit den neu erfundenen Emailfarben von Ko sch von der Wienerberger Zie 
gel- und Thonwaaren Fabrik geübt wird. Ihre Anwendung zeigte im Grofsen 
das von Ferftel entworfene und mit eingebrannten Malereien von Laufb erger 
gefchmückte Thor (S. 69) und im Kleinen ein reizender Wandbrunnen von 
Faience-\ afen, von Geoffroy & Co. in Gien (Loiret). 
Teirich in der Art des Luca della Robbia (S. 37). Auch hier fehen wir die 
öfterreichifche Kunftinduftrie auf dem Wege der Renaiffance. 
Die gleiche Richtung fchlagen mit noch mehr Entfchiedenhcit die Silber 
arbeiten ein. Die grofse Menge der Gegenftände in imitirtem Silber für den 
Gebrauch von Tifch und Tafgl hatte freilich des Veralteten, namentlich auch der 
naturaliftifchen Gegenftände, wie wir fie unter anderem bei Elkington erwähnt 
haben, in überwiegender Menge. Die Hauptarbeiten aber in achtem Silber bei 
Klinkofch. Meyer, Granichftädten und anderen waren im Stil der Renaif 
fance gehalten, darunter vortreffliche Tafelauffätze mit dem dazu gehörigen Ge- 
räth, frei, fachgemäfs und nicht als Monumente gedacht, wie fo viele ähnliche 
Arbeiten auf der Weltausftellung. Vorragend waren darunter die Arbeiten und 
Compofitionen von König und Teirich. Für unfer Auge hatten alle diefe 
öfterreichifchen Arbeiten einen Fehler: fie waren zu grau, bleiern und todt im 
Silberton. Eine eigenthümliche Stellung nimmt unter den Wiener Goldfehmieden 
Ratzersdorfer ein mit feinen zierlichen emaillirten Arbeiten von Gold und
	        
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