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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

4. Gruppe: Der Orient; China und Japan. 
Da das Wefen der oricntalifchen Kunft in der Flächendecoration liegt, fo ift 
mit der Schilderung der Wohnung, ihrer Dccoration und der Gewt : be, welche 
fie zur Aushärtung bedarf, wie wir fie oben verfucht haben, bereits die Haupt 
fache gegeben. Indeffen kennt die orientalifche Weberei gewiffe Stoffe, meift 
zur Kleidung beftimmt, die im coloriftifchen Princip nicht einerlei mit dem der 
Teppiche find; es giebt aufserdem verfchiedene Induftriezweige, zumal in Metall, 
die noch ihre befondere Bedeutung haben, und endlich fcheiden fich zwei Länder 
von dem übrigen, unter der Religion oder dem Kunfteinflufs des Islam flehenden 
Orient aus, China und Japan nämlich, deren wir noch nicht gedacht haben. 
Was jenes zweite coloriflifche Princip der gewebten Stoffe betrifft, fo tritt 
es zu dem der Teppiche in einen gewiffen, allerdings nur gewiffen Gegenfatz. 
Denn beiden ift das gemeinfam, erftens, dafs fie niemals mit Schatten und Licht 
erhöhen und fo die Fläche für das Auge aufheben, und zweitens, dafs fie, fo 
fehr fie auch die Farben brechen mögen, um belebende, reiche Fülle der Töne 
zu erhalten, niemals diefelben mit Grau ertödten oder in Grau verwandeln. Das 
orientalifche Colorit ift niemals fchwächlich, verblafen und verblafst, verwäffert 
und fchal, wie das des achtzehnten Jahrhunderts, ift niemals fchmutzig, trüb und 
widerwärtig, wie das der franzöfifchen Revolution und des Empire, ift niemals 
grau oder bunt und roh, wie das der erften Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. 
Im Allgemeinen ift das coloriftifche Princip der orientalifchen Teppiche, eine 
Fülle verfchiedener Farben fowohl in ganzen wie gebrochenen Tönen fo durch 
einander zu vertheilen, dafs keine Farbe als die herrfchende hervoftritt, fondern 
fich für das Auge in angemeffener Entfernung nur ein gemeinfamer Ton ergiebt,
	        
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