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MAK

Full text : Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

Volksfchule,  der  erften  Unterrichtsanftalt  des  ungefchulten  Kindes,  zur  Aufteilung ­
  gelangte.
Frankreich  hatte  wenige  Arbeiten  weiblicher  Schulen  exponirt;  es  waren
da  fehr  hübfche  Klöppelfpitzen,  worunter  eine  mit  400  Klöppeln  angefertigt  war,
eine  Arbeit,  welche  die  unter  der  Leitung  der  soeurs  de  la  providence  flehende
Arbeitsfchule  aus  der  Stadt  Bayeux  eingefandt  hatte.  Eine  bunte  Mifchung  von
Arbeiten,  Blumen,  Stickereien  in  Weifs  und  in  Farben,  von  Näharbeiten  aller
Art,  von  Malereien  auf  Glas  und  Porzellan,  von  Zeichnungen  u.  f.  w.,  hatten  die
katholifchen  gewerblichen  Schulen  aus  Paris  exponirt,  deren  derzeit  22  beftehen,
und  zwar  12  weltliche  und  10  Klofterfchulen  ,  in  welchen  1200  Schülerinnen  unterrichtet ­
  werden.  Der  Zweck  diefer  Schulen  ift,  den  Mädchen  eine  allgemeine,
wiffenfchaftliche  Bildung  zu  gewähren  und  fie  in  irgend  einem  gewerblich  technifchen
  Fache  zu  unterweifen.  Zu  letzterem  Zwecke  find  befondere  Curfe  eingerichtet, ­
  welche  die  Handelswiffenfchaften,  das  Zeichnen,  das  Malen  auf  Email,
auf  Porzellan  und  auf  verfchiedenerlei,  gewebten  Stoffen,  das  Holzfchneiden,  das
Notenftechen,  das  Coloriren,  das  Gold-  und  Silberpoliren,  die  Blumenfabrikation,
und  alle  Arten  von  Frauenarbeiten  begreifen.  Leider  waren  die  eingefandten
Arbeitsproben  nicht  gür.ftig  ausgeftellt,  fo  dafs  es  fchwer  hielt,  fich  ein  entfcheidendes
  Urtheil  über  ihre  Befchaffenheit  zu  bilden  ,  da  namentlich  den  Frauenarbeiten ­
  und  den  Blumen  die  Reife  und  ihre  Fährlichkeiten  deutlich  anzusehen ­
  waren.
Viel  köftlicher  zeigte  fich  die  Frauenarbeit  in  anderen  Abtheilungen  der  franzöfifchen
  Ausheilung,  als  Beigabe,  als  Schmuck,  als  glücklicher  Gedanke,  der
da  und  dort  auf  Gegenftänden  anderweitiger  Induftrie,  auf  Geweben,  Einrichtungsftücken,
  auf  Wohnungsgeräthen,  auf  Kleidern,  und  dergleichen  zu  Tage
trat.  Die  Franzofen  haben  beffer  und  klarer  als  die  meiften  anderen  europäifchen
  Völker  dargethan,  was  fich  mit  Hülfe  der  Frauenarbeit  erzielen  läfst,  wie
he  namentlich  zu  decorativen  Zwecken  zu  verwenden  ift,  und  haben  gezeigt,  wie
diefelbe  mit  voller  Wahrung  des  abendländifchen  Charakters,  ohne  Benützung
der  allgewinnenden  orientalifchen  Motive  und  Farbenpracht,  durch  fchwunghafte
Zeichnung,  durch  richtige  Anwendung,  durch  glückliche  Erfindung  in  Form  und
Technik  einen  eminenten  Effect  hervorbringen  kann.
Zu  dem  beften  diefer  Art  zählten  die  Fenfterdraperien,  die  Portieren,  die  Stores, ­
  von  denen  in  den  Ausftellungen  der  Wohnungseinrichtungen,  wie  durch  Zufall ­
  angebracht,  und  unter  den  Expofitionsgegenftänden  einzelner,  Firmen  reizende ­
  Dinge  zu  finden  waren.  Von  Vorhängen  hatte  die  Firma  Meunier  &  Co.
eine  glänzende  Erfindung  vorgeführt,  Draperien  aus  locker  gewebtem  Leinenftoffe,
wie  wir  ihn  an  den  Oberhemden  der  Orientalinnen  fanden,  und  an  diefen  Stoff
fpannenbreite  Bordüren  gefügt,  die  aus  breiten  und  fchmalen  Bändchen  mit  dem
Guipureftiche  zufammengefetzt  und  verbunden,  eine  fchwungvolle,  in  grofsen  Zügen ­
  entworfene  Zeichnung  hervorbrachten.  In  Weifs  und  in  Drapfarbe  waren  diefe
Vorhänge  gearbeitet,  die  als  Mufter  decorativer  Frauenarbeit  gelten  können.  Von
ebenfo  reizendem  Effecte  find  die  Stores  in  Tüllapplication,  die  Vorhänge,  welche
als  Lichtdämpfer,  als  Schutz  gegen  Infecten  vor  das  Fenfter  gefpannt  werden,
und  die  auf  durchfichtigem  Untergründe  köftliche  Zeichnungen  in  dichterem
            
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