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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

DIE FRAUENARBEIT. 
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Stoffe, der mit dem Kettenfüche durchzogen und eingerahmt ift, aufweilen. Da 
waren Stores in bunter Farbe, mit pompejanifchen Deffins, von heiterer, anmu- 
thiger Wirkung, andere Weifs in Weifs, und noch andere, in welchen die Zeich 
nung drapfarbig auf weifsem Untergründe erfchien, und in denen ganz naturali- 
ftifche Motive durch die Grazie, die Kühnheit der Zeichnung und durch die Ele 
ganz des matten Farbentons eine feffelnde Wirkung hervorbrachten. Vögel, 
Blumen, Ranken wimmelten da durcheinander, Schilfgras, Waffer, felbft einige 
Wolkencontouren waren flüchtig in den Schleier des Untergrundes gezeich 
net, alles fo leicht, fo graziös, als wäre es in der Secunde entffanden, nicht die 
Spur der laftenden Hand, die daran gefchaffen, war da in dem Bilde zu fehen, 
das auf dem durchfichtigen Untergründe, wie in Luft und Licht hinein gezau 
bert erfchien. 
Von anderer Art, aber ebenfo gewinnend durch die Schönheit der Technik, 
durch Farbenwahl und durch Zeichnung waren die verfchiedenen Portieren, die 
in Sammt, Seide und Schafwolle die reizendften Verzierungen brachten. Da 
waren Deffins in feinen Seidenbörtchen, in Stickerei und Tambourarbeit auf At 
las ausgeführt, Lifieren und Arabesken in kühlen, fanften Farben, durch die hier 
und da ein goldener l'aden blitzte; da waren breite, glühendrothe Stoffbordüren 
an dunkle Vorhänge gefügt, und in dem prunkenden Stoff Figuren in Seide und 
Sammt ausgeführt, in reicher griechifcher Formenfchönheit, Amoretten und Ge 
nien zwifchen Blumen- und Fruchtgewinden, Arabesken und Ranken, alles fo 
warm, fo flammend in Farbe und Ausführung, dafs man über dem behaglichen 
Eindrücke den Prunk und die Pracht der Erfcheinung vergafs. An anderer Stelle 
waren in Schafwollfloffe, in Rips, fchmale Blumenränder mit farbiger Wolle tam- 
bourirt, eine anfpruchslofe Verzierung, in leicht durchführbarer Technik, und 
doch ganz einzig im Effect. Die Franfen ftimmten in Farbe und Licht mit dem 
Deffin, der Untergrund war fo matt, dafs jedes Blättchen darauf zur Bedeutung 
kam, die Zeichnung war fo fchlank, fo leicht, fo flüchtig, dafs jedes Blumenköpf 
chen, jedes Blatt, jeder Halm aufwärts zu ftreben fchien, und fleh dadurch, ohne 
aufdringlich zu fein, wie eine nothwendige Zier ergab, die da am Rande I latz 
finden mufste, um dem unfeheinbaren Untergründe Reiz und Anfehen zu geben. 
Solcher Schmuck, von Frauenhand ausgeführt, läfst fleh in jedem Gemache in 
glücklicher Verwendung denken, da er durch einfache Schönheit mit jeder Um 
gebung ffimmt. 
Schwerer durchführbar als diefe Decorationsarbeiten, von künftlerifchem 
Werthe in Technik und Zufammenftellung, zeigten fich die Stickereien, welche 
Frankreich auf Kleidcrfloffen und auf Kirchenparamenten ausgeffellt hat. J. A. 
Henry aus Lyon hatte darin Unübertreffliches gebracht, in Wahl des Colorits, in 
ernfter Pracht, in reizenden Motiven; desgleichen hatten Tafsinari und Cha- 
tel Stickereien auf braunem Sammt und auf lichtblauer Seide ausgeffellt, von 
denen die erfteren durch warme Farbenfchönheit, die letzteren durch ganz unbe- 
fchreibliche Zartheit ausgezeichnet erfchienen. Wunderbar fchön zeigten fleh 
mannigfache Stickereien in Seide und Atlas auf Kleiderftoffen ausgeführt, darunter 
Blumen von fchimmernder Schönheit, Blüthenranken, bemoofte Baumzweige, 
Knospen in fchwarzem Seidenftoffe, mit filbemen häden durchzogen, alles mit
	        
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