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DIE FRAUENARBEIT.
reicher Pracht in den Linien, in der Zeichnung, im Materiale ausgeftattet. Auf
einem weifsen Atlasftoffe, der mit Rofenzweigen überfchüttet war, waren unten,
am unvollendeten Ende, die Zeichnungen zu fehen; in wenigen fchwarzen Stri
chen lag die Pracht und Schönheit angedeutet, die weiter oben Blume um Blume
in üppiger Fülle zeigte. Diefe Arbeiten waren alle mit ganz merkwürdigem Ta
lente angelegt und ausgeführt, kein Zuviel und kein Zuwenig war da zu ent-
Poftamentofen, bunt in Farbe eingebrannt,
von Bernhard Erndt in Wien.
Ofen, von Bernhard Erndt in Wien, in drei Farben,
Grund dunkelbraun, Ornamente gelb und grün.
decken, und jede einzelne Blüthe, jede einzelne Ranke lag wie nach einem un
verbrüchlichen Gefetze an ihrem Platze.
Von Dilettantenarbeiten haben wir in Frankreich nur eine einzige entdeckt,
eine Chenilleftickerei, welche üch „broderie au passe“ betitelte, und die an manche
Arbeit gemahnte, die wir wirklich vor längftvergangener Zeit gearbeitet gefehen,
und von der wir Einzelnes, ganz Vortreffliches, namentlich in der dänifchen
Ausheilung wiederfmden werden. Die vorliegende Stickerei ftellte einen Kakadu
zwifchen langfchaftigen Blättern fitzend dar, und war von Madame Marie Bigot