DIE FRAUENARBEIT.
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werden junge Waifen, arme Mädchen aus dem Orte felbft und der Umgegend
aufgenommen, und in allen weiblichen Handarbeiten, namentlich aber im Weifs-
fticken unterrichtet. Proben der Leiftungsfähigkeit der Schule lagen vor, meift
ausgezeichnete Arbeiten, namentlich in der Technik tadellos, wenn auch hie
und da Zweck und Ziel der Arbeit nicht ganz praktifch feftgehalten waren.
Die Schule ift ein Privatunternehmen, welches unter der Leitung p'rau von Ker-
chove’s fteht und fich der beften Erfolge erfreuen Toll.
In Holland ging die Frauenarbeit leer aus; da war nichts von dem bun
ten Zeug zu fehen, aufser in einigen Kleinigkeiten, welche der im Haag befte-
hende Frauenverein „Arbeit adelt“ eingefandt hatte, und die in hübfchen Spitzen
arbeiten, Frivolitätkrägelchen, künfllichen, grob gearbeiteten Blumen, und einer
Collection von winzigen Figuren, von Puppen in den verfchiedenen Trachten des
Landes, beftand. Diefe Arbeiten, die Kleider mit allem Schmucke und Zierath
darauf, wie ihn die weibliche Hausinduflrie Hollands fchafft, waren in den Schu
len des Vereines von Kindern angefertigt, welche dort nebft einigen Arbeiten,
die ihnen zum Erwerbe dienen können, alle die Befchäftigungen und die Kunft-
fertigkeiten üben lernen, welche ihnen im täglichen Leben von Nutzen find.
Der Verein befleht feit io—12 Jahren und hat zahlreiche Zweigvereine gegrün
det, welche in allen gröfseren Städten des Landes Schulen zum Unterrichte ar
mer Kinder erhalten.
Einen kleinen Erfatz für den Abgang von modernen Frauenarbeiten hatte uns
Holland in einzelnen Objecten der reizenden Ausftellung vorgeführt, welche die
Producte feiner Colonien begriff. Zwilchen Thee, Kaffee, Holzfchnitzereien,
rhierfellen, buntem Zierath aller Art, Waffen, Gefchmeiden, Hausgeräthen und
anderen Dingen lugte bald da, bald dort ein blitzender Faden, auf fchillernder
Seide ein Blümchen, ein kunftvoll durchbrochenes, feines Gewebe hervor, das
uns die Spur der Frauenhand erkennen liefs. Borneo und Java hatten Blu
men aus Federn gebracht, darunter manche reizend und gut, manche nur halb
geglückt. Borneo hatte, aufser diefen Blüthchen, Gold- und Silberftickereien ge
zeigt, auf Sandalenriemen, auf Schuhen in Leder und Sammt. Meift waren es
1 liiere, die da prangten, ein Hahn mit zwei Köpfen, Schmetterlinge, auch ftili-
firte Blumen in rothem oder goldenem P'elde. Es ift überhaupt in’s Auge fal
lend, welcher Gunft fich bei allen halbcivilifirten Völkern die rothe Pkirbe er
freut; fie kommt im Range nach dem Golde, und wo der leuchtende Faden
fehlt, da mufs etwas von dem feurigen Roth durchglühen.
Vom indifchen Feftlande waren Flachftickereien in Wolle von ziemlich häfs-
licher Ausführung zur Ausftellung gelangt, ganz anders als folche Arbeit von
dem Indien, das feine herrlichen Schätze unter der Aegide Englands zur Aus
ftellung gebracht hatte, uns gewiefen ward. Klein und unbedeutend waren einige
Blumen, Perl- und Goldftickereien auf Pantoffeln, merkwürdig und fchön dage
gen war die Bordüre eines Tafchentuches , diefelbe Arbeit in Batift, welche wir
in Brafilien gefehen, nur dafs hier die Zeichnung viel reiner und von ftilgerech-
ter Schönheit war.
Hinter einem hohen Portale, das in einer vielfarbigen Draperie, in Sammt
und Gold und Seide die Wappenfchilder aller Kantone zeigte, hatte die Schweiz