DIE FRAUENARBEIT.
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beit, mit Spindel und Spule und Nadel und anderem Arbeitsgeräthe. Es ift
eine bunte Gefellfchaft; auf jedem Fleckchen Erde in dem kleinen Lande
haben die Menfchen eine andere Tracht, von jeder Infel zur andern kommen
Leute in anderen Hüten, in anderen Röcken und Schuhen, und es giebt ein
luftiges Bild, fich alle die Geftalten in ein und demfelben Lande, zur Marktzeit,
vielleicht in derfelben Stadt, durcheinander wimmelnd zu denken.
In der Ausftellung Schwedens war nicht nur die eigentliche Frauenarbeit,
fondern auch die Arbeit von Frauenhand überhaupt reichlich, und nicht feiten
in ganz ausgezeichneter Weife vertreten. Draufsen in dem einftöckigen Schul
haufe, im Parke, lagen die Arbeiten der Schülerinnen der verfchiedenften Un
terrichtsanftalten vor; in dem kleinen Jagdpavillon mit dem fpitzen Thürmchen,
den traulichen Gemächern hatten die Frauenarbeiten des Landes, die von der
Hand der Dilettantinnen in allen Gebieten weiblicher Induftriearbeiten, die kunft-
gewerblichen und künftlerifchen Verfuche ihren Platz gefunden, und durch die
zahlreichen Produkte weiblicher Erfindungsgabe, durch die luftigen und die ern-
ften Experimente, die da in mannigfacher Form und mannigfachem Stoffe zu
Tage traten, fich zu einem bunten, feffelnden Bilde geftaltet.
Für’s Erfte waren es die Schulen, welche hier, wie dies wohl nur in wenig
anderen Ländern der Fall war, durch gute, tadellofe Arbeit glänzten. Es lag
ein eigenthümlicher Charakter ernfter Ruhe und Ordnung über den Dingen,
welche aus den verfchiedenartigften Schulen, aus Dorf und Stadt zur Ausftel
lung gelangt waren. Faft nirgends war eine kindifche Spielarbeit zu finden,
überall trat Syftem, Zweckmäfsigkeit, Fleifs und Klarheit in der Anordnung und
in der Ausführung zu Tage, und machten den Weg, den fich die Schule vorge
fetzt, aus den Arbeiten erfichtlich. In den Landfchulen ift der Spinnrocken und
der Webftuhl noch daheim; reinliche Gefpinnfte, weifse und bunte Kattunge
webe, Bänder und Litzen mit netten Delfins lagen aus der Volksfchule vor,
welche nebft diefen echt nationalen Arbeiten ein reiches Sortiment von Strick-
und Näharbeiten und von allerliebften Rohrgeflechten brachte.
Im Schulhaufe hatten 35 Schulen ausgeflellt, darunter, nebft der vorgenann
ten Volksfchule, eine grofse Zahl von Arbeitsfchulen, Kleinkinderafylen, Elemen-
tarfchulen, Privatinflituten, nebft mehreren Gewerbefchulen, darunter eine für
Bauernkinder, eine Landwirthfchaftsfchule, eine weibliche Volksfchule, Afyle für
Blinde, für Taubftumme und Blödfinnige.
Unter den Arbeiten der Privatfchulen war, ebenfo wie in den öffentlichen
Unterrichtsanftalten, nichts von den Luxusgegenftänden, von den Modeerfindun
gen zu fehen, mit welchen jene Anflalten in den meiften anderen Ländern, zum
Leidwefen des Befchauers, prangten. Nett, reinlich präfentirte fich eine Reihe
von Arbeiten, wie fie, mit anmuthigem Schmucke verfehen, überall am Platze
find; keine prunkende, verletzende Farbe forderte den Blick heraus, keine
P'ormverirrung ftörte den guten Eindruck, den man empfing, und manche aus
gezeichnet fchöne Zeichnung verlieh den einfachen, vortrefflichen Arbeiten einen
hervorragenden Werth. Einige der Schulen waren aus Raummangel aus dem
Schulhaufe nach dem Jagdpavillon hinüber gewandert, wo fie in einer überra-
fchend bunten Gefellfchaft zu finden waren. Auch hier, unter den Arbeiten der