DIE FRAUENARBEIT.
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und dunklen Farben gezeichnet war, lief in einem weifsen, ziemlich breiten
Streifen eine fchmale Guirlande von ftilifirten Blumen hinauf, ein zartes Gewinde
im Kettenflich ausgeführt. Die Arbeit fah anfpruchslos und doch reizend aus;
man mufste fie fuchen, um fie zu finden, und doch guckten die Blümchen, Blätter
und Ranken mit eigenthümlicher, freundlicher Schönheit aus allen Falten
des Gewandes hervor.
Viel prunkvoller als folche Arbeit zeigte fich die GoldfHckerei, welche auf
Decken und Kiffen prangte. Auch an diefer Arbeit war hier und da die Ausführung
nicht ganz tadellos, die Zeichnung nicht von hervorragender Schönheit;
aber eben nur hier und da; eine grofse Zahl der herrlichen Arabesken, die auf
Sammet und Seide mit goldenem Faden gezeichnet lagen, fchimmerten in der
ganzen, räthfelhaften Pracht des Orients.
Zwifchen den koftbaren Dingen, die fich mit Seide und Metallglanz überfchüttet
zeigten, fanden fich einzelne Erfindungen und Arbeiten leichterer Art,
die halb im Ernfte, halb im Spiele Verwendung fanden. Feine, goldene Säumchen
fpannen fich an den Schleiern hinauf, feidene Blumen lagen auf den ledernen
Riemen der Sandalen geflickt, einzelne Halbmonde und Sternchen flimmerten
auf Ueberwürfen von weifsem Gazeftoff, wie durch Zufall hingeflreut, die
feidene, griechifche Spitze zeigte fich in aneinander gereihten Blümchen und
Blättern, in allen Farben verwendet, während die Goldfpitze am Rande des
Schleiers, des Oberkleides und des Tafchentuches prangte.
Unter den Arbeiten, welche in den Schränken ausgeflellt waren, fand fich
wenig oder nichts , das an die Technik des Abendlandes oder gar des Nordens
gemahnte, man müfste denn einiger entfetzlichen Modearbeiten gedenken, einiger
fratzenhaften Gebilde, welche irgend ein Inftitut zu Conflantinopel als Schularbeiten
ausgeflellt hatte. Dafür fand fich aber an den Coftümftücken, an den
Gewändern der Männer und Frauen, die draufsen in der Halle an den hohen
Säulen ftanden, manche Arbeit wohlbekannter, anheimelnder Art. Da war der
Schnürfaum auf manchem leinenen Hemde, da klomm an manchem Gewände
eine fchmale Bordüre von Kreuzftichen empor und fchmiegte fich eine derbe
geklöppelte Spitze um den Aermel des Unterkleides, über dem ein kofibares,
mit Gold und prunkendem Flitter bedecktes, in Seide fchimmerndes Gewand lag.
Die Technik des Nordens war hier zu finden, aber fie friftete ein kümmerliches
Dafein; der vollen Schönheit entkleidet, welche fie in ihrem Heimathlande kennt,
halb verborgen, nur wie geduldet, verfchwand fie vor der hellen Pracht der
Seide und des Goldes, deren eigentliches Reich an der Schwelle des Orients
beginnt.
Die Arbeiten, welche Egypten, Tunis und Marokko brachten, und
welche hier, wie überall, wo der Süden auf der Ausheilung vertreten war, als
eine reizende, die Blicke feffelnde Decoration erfchienen, trugen durchfchnittlich
das Gepräge des Orients. Es war da derfelbe Glanz, derfelbe Schimmer über
die Gewänder gebreitet, was durch Frauenhand gegangen, hatte unfehlbar etwas
von der weichen, üppichen Pracht des Südens abbekommen, und nur in einem
einzigen Schranke der egyptifchen Ausheilung waren nüchterne, düher gefärbte
oder wenighens prunklofe Frauenkleider zu fehen; kattunene Beinkleider und