MAK

Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

X 
250 
DIE FRAUENARBEIT. 
Umgebung anderer Art. Herrliche Stoffe in purpurner Seide durchwebt, Kleb 
der, auf denen ein ganzer blitzender Regen von goldenen und filbernen Blüthen 
lag, kofibare Vorhänge und Decken zu religiöfem Gebrauch, mit pomphaft fchwe- 
rer Zeichnung, mit Ampeln, Säulen und aufftrebenden Blätterranken in Gold 
flickerei bedeckt, Schuhe, Schleier, Ueberwürfe, alles mit dem leuchtenden Ge- 
funkel überfchüttet. Befondere Vorliebe und Sorgfalt war dem Schmucke der 
Sättel, der Pferde- und Kameeldecken gewidmet. Es waren da einzelne diefer 
Dinge mit feltenem Reichthum ausgeftattet; dunkelgrüner oder purpurrother 
Sammet bildeten den Untergrund, auf dem mit Ueberfülle und Verfchwendung 
Zierrath an Zierrath fich zu breiten Bordüren, zu fchwungvoll verfchlungenen Eck- 
ftücken aneinander reihten, und mit Gold, Silber und Flitter oft hohe Knaufe 
aufbauten, in denen vielfarbiges Metall wie ein Regenbogen fchillerte. 
Mannigfach gefchmücktes Sattelzeug war auch faft die einzige Frauenarbeit, 
welche die Ausftellung Centralafrika’s, die fich an 'die Egyptens fchlofs, 
aufzuweifen hatte. Hier, wo die freundliche Bahn der Cultur ihrem Ende zugeht, 
wo aller Schmuck, aller Luxus verfchwindet und nur die dürftigen Geräthe für 
den Bedarf dürftiger Exiftenzen zur Stelle waren, hier fand fich wohl nichts von 
Gold und Seide auf den hoch gebauten Sätteln und den fchmalen langen Decken, 
die vom Rücken des Kameeles herabhängen. Statt folcher glänzender Zier waren 
weifse kleine Mufcheln in geraden Linien und Arabesken aufgenäht, viel 
farbige Glasperlen und Stoffendchen daran gereiht, und wo der Schmuck und 
der Luxus ihren Gipfelpunkt erreichten, hie und da ein winziges Plättchen Flitter 
gold angebracht. Wie Kinderfpielzeug fehen diefe Embryonen des Luxus und 
der verfeinerten Bedürfniffe aus; fie find eben ein Anfang, wie er taufendmal da- 
gewefen, und wie ihn jedes Ding gehabt; der Weg ift weit von den kleinen, 
weifsen Mufchelreihen auf den ledernen Decken zu der funkelnden, blendenden 
Pracht, wie fie dort im Nebenraume, auf Sammet und Seide und den prunkenden 
Gewändern lag; aber der Weg ift da, und mag es noch fo lange währen, er wird 
endlich zurückgelegt werden. 
Ein Frauengewand darf nicht vergeffen werden, das unweit von dem hier 
ausgeftellten kleinen Beduinenhaufe an der hölzernen Wand hing, und als Gegen- 
fatz von culturhiftorifcher Bedeutung dem Rahet, der Schürze aus Lederfträhnen, 
welche die Mädchen als einzige Bekleidung tragen, diente. Es waren Bein 
kleider und ein Oberhemd aus grobem,, weifsen Baumwollftoffe, die an den Nähten 
und Säumen reich mit Arabesken gefchmückt waren; in bunter Schafwolle tam- 
bourirt zeigte fich eine einfache, ftilgerechte Zeichnung, die an der Bruft des 
Oberkleides fich in Rofetten und feinen Lifieren ausbreitete und nach unten, 
nach dem Rande des langen Gewandes, fpitz zulief. 
Hatten die Türkei und die Culturländer Afrika’s die Macht des Goldes und - 
des Silbers auf den prächtig fchimmernden Geweben gezeigt, fo wies Perfien 
den anmuthigen, allbezwingenden Zauber der Farbe nach. Aus allen Schränken, 
von allen Wänden grüfste ein fröhliches, leuchtendes, glühendes Farbengemenge, 
ein Meer von unentwirrbaren Blumen und Arabesken, die auf Teppichen, 
Decken, Tüchern und Gewändern lagen, und, trotz aller Fülle und aller Mannig 
faltigkeit der Farbentöne, fich wie die gefchaute Harmonie darftellten. Es ift
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.