DIE FRAUENARBEIT.
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weltbekannt, wie die herrlichen bunten Shawls und Decken entliehen, die hier
in der perfifchen Ausheilung alle Blicke feffelten, wie der Untergrund nach be-
llimmter Zeichnung aus verfchieden gefärbten Stoffstücken mühevoll zufammen-
genäht wird, und wie erfl über das fo bereitete Gefüge mit Seide und Wolle
geflickt, tambourirt und der Goldfaden gezogen wird, der hie und da in den
Blumen leuchtet. Der Effect folcher Arbeit ift, bei der glücklichen Wahl der
Farbe, wie fie hier immer zu Tage tritt, ein unfehlbar gewinnender, da nicht nur
die Zeichnung der Stickerei, voll Grazie und Licht, das Auge feffelt, fondern aus
jedem Ornament die Farbe des Untergrundes voll Kraft und Leben hervor
leuchtet.
Türkifche Krüge.
Mühevoll wie diefe Arbeit, zeigte fich faft alles, was hier mit Nadel und
Faden zu Stande gebracht erfchien. Da waren die feinen, meift dünn gellreiften
Schawls, in deren fertiges Gewebe taufende von winzigen Blümchen und Arabesken
eingenäht find, und zwar in fo meiflerhafter Weife, dafs niemand die Entflehungs-
art diefer Deffins, diefer unzählbaren kleinen Ornamente ahnt, der nicht darüber
belehrt wird; ferner waren da die kurzen, gamafchenartigen Beinkleider der per
fifchen Frauen, die aus einem dürftigen, groben Baumwollftoff gemacht find,
welcher aber mit reizenden Bordüren von ftilifirten Blumen und Arabesken in
Seide geflickt, fo dicht bedeckt ift, dafs nicht ein Faden des urfprünglichen Ge
webes fichtbar bleibt, und aus dem lofen Stoff ein fchweres, dichtes Gefüge
wird. Ebenfo merkwürdig wie diefe Arbeit, die nirgends in gleicher Art zu
finden war, zeigte fich hier das Kind des Nordens, der Schnürfaum, der mit
weifser Seide als reizendes, ganz unübertrefflich gearbeitetes Gitterwerk in den
Schleier der perfifchen Frau eingewebt war, wo er die einzige durchfichtige Stelle
für das Auge der Trägerin bildet. Eine andere Arbeit, die durch lechnik, Ma
terial und Zeichnung an Europa gemahnte, war eine feine Strickerei, kleine,