Thürbehang von Roudillon in Paris.
DIE FRAUENARBEIT.
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mit unvergleichlicher Glätte und feinem
Glanze ausgefpannt liegen. Viel weiter ge
trennt als durch die Technik erfcheinen die
Frauenarbeiten Chinas und Japans von
denen anderer Länder durch die Zeichnung
und deren Motive. Hat uns der übrige
Orient die ftiliftifche Blume und die aus
ihr geftaltete Arabeske als Hauptftück der
Deffins gezeigt, fo ift hier der Baum mit
feinen Aeften und Zweigen, mit feinen
Blättern und Blüthen, die Vogelwelt mit
ihren leichten, graziöfen Gehalten, das
Waffer, die Luft mit ihrem Wolkenheere
der Vorwurf, der diefen Arbeiten zu Grunde
liegt. In China find es meift die Ariftokra-
ten der Vogelwelt, die köftlich befiederten,
fchimmernden Gefellen, wie Kraniche,
Pfauen, Reiher, die Eisvögel der Tropen,
der Paradiesvogel und viele andere, welche
fich auf und unter irgend einem breitäfti-
gen Nadelbaume zufammengefunden, wäh
rend von nahe und ferne noch andere
Genoffen herzu fliegen, und mit ihren
farbenprächtigen Schwingen durch die
Wolken ziehen. Japan bringt dagegen
wechfelvollere Bilder, kleine Studien, die
fleh dem täglichen Leben entnehmen laffen,
wie Vöglein, die fich im Halmenwald zur
Mittagsruhe zurecht rücken, den Hahn,
der halb in Stolz und halb in Liebe vor
feinen Hennen auf und nieder paradirt,
Reiher, die von ihrer Sommerreife heim
kehrend, in fröhlicher Gemeinfchaft durch
die Lüfte ziehen, Infecten, die in Luft und
Freude durch die Gräfer fchwirren, oder
die fich wild befehdend, mit abenteuerli
chen Geberden gegen einander rennen.
In China ift die bunte Gefellfchaft, die
wir draufsen auf dem grünen Baume ge-
fehen, auch auf die Gewänder übertragen;
zwifchen blitzenden, goldenen Halbmonden
und Sternen, zwifchen Wolken und blauen
Wogen fchwimmt und fchwebt das beflü
gelte Volk auf dem feidenen Kaftan hin,
und nicht feiten waren feidene Shawls und