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Volltext: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

Thürbehang von Roudillon in Paris. 
DIE FRAUENARBEIT. 
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mit unvergleichlicher Glätte und feinem 
Glanze ausgefpannt liegen. Viel weiter ge 
trennt als durch die Technik erfcheinen die 
Frauenarbeiten Chinas und Japans von 
denen anderer Länder durch die Zeichnung 
und deren Motive. Hat uns der übrige 
Orient die ftiliftifche Blume und die aus 
ihr geftaltete Arabeske als Hauptftück der 
Deffins gezeigt, fo ift hier der Baum mit 
feinen Aeften und Zweigen, mit feinen 
Blättern und Blüthen, die Vogelwelt mit 
ihren leichten, graziöfen Gehalten, das 
Waffer, die Luft mit ihrem Wolkenheere 
der Vorwurf, der diefen Arbeiten zu Grunde 
liegt. In China find es meift die Ariftokra- 
ten der Vogelwelt, die köftlich befiederten, 
fchimmernden Gefellen, wie Kraniche, 
Pfauen, Reiher, die Eisvögel der Tropen, 
der Paradiesvogel und viele andere, welche 
fich auf und unter irgend einem breitäfti- 
gen Nadelbaume zufammengefunden, wäh 
rend von nahe und ferne noch andere 
Genoffen herzu fliegen, und mit ihren 
farbenprächtigen Schwingen durch die 
Wolken ziehen. Japan bringt dagegen 
wechfelvollere Bilder, kleine Studien, die 
fleh dem täglichen Leben entnehmen laffen, 
wie Vöglein, die fich im Halmenwald zur 
Mittagsruhe zurecht rücken, den Hahn, 
der halb in Stolz und halb in Liebe vor 
feinen Hennen auf und nieder paradirt, 
Reiher, die von ihrer Sommerreife heim 
kehrend, in fröhlicher Gemeinfchaft durch 
die Lüfte ziehen, Infecten, die in Luft und 
Freude durch die Gräfer fchwirren, oder 
die fich wild befehdend, mit abenteuerli 
chen Geberden gegen einander rennen. 
In China ift die bunte Gefellfchaft, die 
wir draufsen auf dem grünen Baume ge- 
fehen, auch auf die Gewänder übertragen; 
zwifchen blitzenden, goldenen Halbmonden 
und Sternen, zwifchen Wolken und blauen 
Wogen fchwimmt und fchwebt das beflü 
gelte Volk auf dem feidenen Kaftan hin, 
und nicht feiten waren feidene Shawls und
	        
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