OEFFENTLICHE KUNSTPFLEGE.
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Gegenwart. Die franzöfifchen Künftler leiden nicht unter dem geiftig nivellirenden
Einfluffe der Vereine, unter dem fchablonenartigen Tractamente, das für
Kauf- und Ffändlerbilder ausreicht, aber die künftlerifche Individualität in ihrer
Wurzel angreift. Allerdings kommen den franzöfifchen Künftlern auch Traditionen
zu Hatten, welche im deutfehen Reiche faft gänzlich verloren gegangen find:
die Traditionen der Kunftpflege am Flofe, im Staat, in der Kirche und der Gemeinde.
Es ift in Frankreich eine feftftehende Tradition, dafs die Pflege der Kunft zu
den Aufgaben aller diefer genannten Factoren gehöre. Ift diefs im deutfehen
Reiche in demfelben Grade der Fall?
Steinzeug von Dllton.
Im deutfehen Reiche haben die Ideen der romantifchen Schule den Reft der
akademifchen Traditionen zerftört. Ohnehin waren diefe felbst nicht bedeutend,
und in keiner Weife fo feft begründet, wie es in Frankreich der hall war. Die
Methoden des Unterrichtes individualifirten fich, je nach der fubjectiven Anficht
des Profeffors; der nachfolgende konnte und wollte vielleicht nicht an das anknüpfen,
was und wie fein Vorfahr lehrte. Das Lernbare wurde auf ein Minimum
reducirt. Nicht blos in der Malerei, fondern auch in der Sculptur und in
der Architektur macht fich dies geltend. In vielen deutfehen Städten nahmen,
wie auch in Wien — wo unter Rösner, van der Nüll und v. Sicardsburg reine
Romantiker lehrten — den architektonifchen Unterricht nicht die Akademien,
fondern die polytechnifchen Inftitute unter ihre Fittige; dort wird umfaffender und