Goldfchmnck aus Timbuctu.
272
OEFFENTLICHE KUNSTPFLEGE.
hängig, ganz untreu allen Traditionen der Ge-
fchichte, allen Beifpielen, welche Frankreich, Bel
gien und Italien geben, und fchliefst damit Kiinft-
ler erllen Ranges und ganze Stilrichtungen von
derKunftübung für die Kirche aus; von der andern
Seite dünkt man fich für zu freifmnig und liberal,
um Künftlern noch mit Aufgaben zu kommen,
für welche in den modernen Evangelien keine
Stelle zu finden ift. In Frankreich kennt man
weder diefe Gefinnungsmalerei, noch diefen dün
kelhaften Liberalismus, der jeder Berührung mit
der Kunft in der Kirche fcheu aus dem Wege
geht, fondern man giebt Künftlern die in Deutfch-
land wie in Oefterreich fo feltene Gelegenheit, fich
in Vorwürfen grofsen Stiles zu verfuchen, wie fie
die Kirchenausfchmückung verlangt, fo oft fich
eine folche Gelegenheit darbietet. Daher kommt
es, dafs in Frankreich die Gewohnheit, im grofsen
Stile zu arbeiten, nicht aufgehört hat; eben des
wegen haben die franzöfifchen Kunftausftellungen
einen vornehmen, das Ideal nie verläugnenden
Charakter, während die öfterreichifche und deutfche
Kunftausftellung wie eine vergröfserte Kunftver-
einsausftellung unter den Arkaden in München,
unter den Tuchlauben in Wien, bei Sachse in
Berlin oder Schulte in Düffeldorf ausfieht, —
ermüdend durch Vorführung von Bildern deffel-
ben Charakters, fich meiftens befchränkend auf
Genrebilder und Landfchaften und einige Portraite,
denen man anfieht, dafs das grofse Portrait, wel
ches aus der Uebung der grofsen Hiftorienmalerei
hervorgeht, nicht gepflegt wird, während die
wenigen hiftorifchen Gemälde, eigentlich mehr der
hiftorifchen Decorationsmalerei als der hiftorifchen
Kunft angehörend, die Bedürfnifslofigkeit ihrer
Erfcheinung, das Nicht- im Einklange-Stehen mit
den Anforderungen des Staates und der Gefell-
fchaft in wahrhaft betrübender Weife an der Stirne
tragen.
Allerdings hat fich das Wechfelverhältnifs der
bildenden Kunft zur Gemeinde im deutfchen Reiche
etwas gebeffert; aber das Verhältnis der Kunft
zur Kirche und felbft zum Staate könnte fich in
keinem trüberen Lichte zeigen, als es auf der
Wiener Weltausftellung gefchah.
f