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Full text : Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

III.  FRANKREICH.

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noch  der  befondere  Antrieb  gekommen  ift,  jede  Spur  einer  Scharte  auszuwetzen,
fo  ift  von  allen  Seiten  eine  Rührigkeit  und  Opferwilligkeit  an  den  Tag  gelegt,
die  es  bewirkt  hat,  dafs  kaum  ein  irgendwie  klangvoller  Name  aus  der  jetzigen
Künftlergeneration  auf  der  Weltausftellung  unvertreten  war;  Und  dabei  hat
Frankreich  es  möglich  gemacht,  dafs  Taft  kein  Werk  von  der  Ausheilung  von
1867  hier  wieder  erfchienen  ift.  Namentlich  die  bedeutendften  Künftler,  ein
Meiffonnier,  Gerome,  Bouguereau,  Boulanger  u.  f.  w.,  auch  die  berühmten  Porträtmaler, ­
  wie  Cabanel,  Duran,  Nelie  Jacquemart  u.  A.  treten  mit  durchweg  neuen
Werken  auf.
In  ihrer  Gefammterfcheinung  zeigt  diefe  modernfte  franzöfifche  Kunft  wiederum, ­
  dafs  das  künftlerifche  Können  und  Wiffen  fich  dort  einer  Pflege  erfreut,
wie  vielleicht  nirgend  fonft  wo.  Jeder  Meifter  felbft  zweiten  und  dritten  Ranges
ift  bewufst  und  klar  in  feinen  Zielen  und  beherrfcht  ficher  und  gewandt  die  zu
feinem  Zwecke  erforderliche  Technik;  Unfertigkeiten  in  Zeichnung  und  Pinfelführung ­
  kommen  nicht  vor,  abfolute  Thorheiten,  gräuliche  Fadheiten  und  Albernheiten, ­
  wie  fie  anderwärts  wohl  vorgeführt  zu  werden  pflegen,  gehören  hier  fo
zu  den  Ausnahmen,  dafs  man  vielleicht  fagen  kann,  man  findet  fie  gar  nicht,
abgefehen  natürlich  von  einem  Gefichtspunkte,  auf  den  ich  nach  diefem  der  Allgemeinheit ­
  gefpendeten  Lobe  hinweifen  mufs.  Der  technifchen  Meifterfchaft  fleht
nämlich  ein  Mangel  an  einfach  natürlichem  Gefühl,  an  wahrhaft  künftlerifchen
Ideen  gegenüber,  und  es  wird  diefem  Mangel  mit  einem  Hafchen  nach  den
pikanteften,  barockften,  mitunter  abflofsendflen  Sujets  abzuhelfen  gefucht,  fo  dafs
man  fich  einem  Gefühle  der  Unheimlichkeit  und  der  Befremdung  in  den  Räumen
der  franzöfifchen  Kunfi  kaum  entziehen  kann.  Aber  diefe  Schwächen  werden
durch  jene  guten  Eigenfchaften  faft  in  Vegeffenheit  gebracht,  deren  inniger  Zufammenhang
  mit  der  Cultivirung  einer  wahrhaft  grofsartigen  national-monumentalen ­
  Kunfi:  vorher  ausgeführt  ifi.  Liegt  es  doch  auch  gar  nicht  so  fern,  die
unnatürlichen  Appetite,  welche  fleh  in  der  Auswahl  der  Stoffe  kundthun,  auf
die  ungefunde  Temperatur  der  gefellfchaftlichen  Atmofphäre  während  der  letzten
Decennien  zurückzuführen,  und  wenn  man  auch  in  den  augenblicklich  herrfchenden
  Zuftänden  Frankreichs  noch  keine  Gewähr  für  eine  gefundere  Luft  finden
kann,  in  welcher  die  Kunst  ruhig  Athem  fchöpfen  könnte,  fo  ift  doch  die
Rückkehr  zu  foliden  Zufländen  immerhin  näher  gerückt,  als  noch  vor  wenigen
Jahren.
Ein  höchft  anerkennenswerthes  Taktgefühl  haben  die  Franzofen  darin  bewährt, ­
  dafs  fie  die  riefigen  Schlachtenbilder,  durch  welche  fie  die  früheren  Grofsthaten
  ihrer  „unbefieglichen  Armee“  zu  verherrlichen  ftets  übermäfsig  befirebt
waren,  nicht  haben  auf  der  Weltausftellung  erfcheinen  laffen,  fondern  dafs  die
Kriegsbilder,  die  überhaupt  vorhanden  find,  faft  ausfchliefslich  dem  letzten  Kriege
angehören  und  zwar  ihre  Vorwürfe  in  genrehalter  Auffaffung  und,  beiläufig  gleich
hier  zu  erwähnen,  mit  einer  feltenen  Vortrefflichkeit  behandeln;  fo  z.  B.  was
Protais  und  Berne-Bellecour  in  diefer  Art  geliefert  haben.  All  die  zahlreich  gemalten ­
  Fanfaronaden  und  Beleidigungen  des  Gegners  hat  man  unterdrückt.
            
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