III. FRANKREICH.
313
Egyptifcher Goldfchmuck.
lieh gedrungen fühlte, und wenige
Monate nachher überrafchte das lebens-
grofse Bild — beinahe eben fo fehr
Hiftorie wie Portrait —
die Befucher des Parifer
Salons (1869) und be
gründete entfeheidend
den Ruf feines Urhebers.
Der Kopf des Reiters ift
von einer ausdrucksvol
len Blässe; energifch
trotz feiner kleinen Figur
lenkt er mit fetter Pland
fein auffallend grofses
Pferd, einen prächtigen
feurigen Rappen mit flat
ternder Mähne. Bunte,
erregte Gehalten umge
ben — mit bewunderns-
werther Kraft unterge
ordnet—jubelnd, fchrei-
end und Fahnen fchwin-
gend den Helden des
Tages; wie diefer bar
häuptig, mit herrschen
der Ruhe in dem Strudel
der ihn umtofenden Lei-
denfehaft das Rofs pa-
rirt, wie sichtbarlich eine
Epoche entfeheidender
Kämpfe in dem vorgeftellten Momente
gipfelt, wie das Leben felber fleh
hier unarrangirt in einem Höhepunkte
geiftiger Spannung und Aufregung zur
Geltung bringt, das ift ganz erflaunlich
zu fehen.
Mit Recht ift darauf hingewiefen
worden, dafs die Be-
kanntfehaft mit Velaz-
quez und mit dem wun
derlichen, aber dämo-
nifch gewaltigen Goya
unfern Künftler folche
Töne gelehrt hat. Die
eigene freie und breite
Pinfelführung, zumal in
den Nebenpartien, die
bewufste Sicherheit, mit
der in möglichft wenigen
und unvermalten Pinfel-
ftrichen — gewisserma-
fsen durch lauter ein
zelne Drucker — die
charakteriftifchen Züge
prägnant wiedergegeben
find, das verräth eine Be-
geifterung und ein Kön
nen, eine Unmittelbar-
heit der Schöpfung, die
nur allzufelten ift. Wie
zahm, wie langweilig
wird, obwohl an fleh
recht gut, ja fogar be
deutend, gegenüber die-
fem Bilde etwa Camphaufen’s Friedrich
II. und der grofse Kurfürft! Fürwahr:
die Kunft der Malerei ift eigentlich
die Kunft, regelmäfsig und fchön zu
•Tafel in Majolica, von Ginori
in Doccia bei Florenz.
40