III. FRANKREICH.
317
und individueller entwickeln können. Von diefer Richtung, welche in der deut-
fchen Volks- und Sittenmalerei die herrfchende ift, bleibt Breton’s Weife weit
entfernt; ftatt der frohen Laune, welche bei den Deutfchen waltet, tritt uns bei
ihm gewöhnlich eine leife Melancholie entgegen, ftatt des dramatifchen Elemen
tes gibt ein epifches Motiv oder noch häufiger ein lyrifches den Grundton an. Die
abfichtslofe Einfachheit in Situation und Charakteriftik ift bei Breton das Gröfste,
fie prägt feinen Werken einen unvergleichlichen Adel auf, fie bringt es mit fich,
dafs die Menfchen, die er malt, eine fo unbedingte und felbftverftändliche Be
rechtigung der Exiftenz haben, fo vollkommen mit der Natur verfchmolzen er-
fcheinen, in der fie ftehen. Da fanden wir zunächft Breton’s Hauptwerke aus
Majolica-Gefäfse, von Minton in Stoke upon Trent.
der Galerie des Luxembourg : „Die Segnung der Felder“ (1857), eine ländliche
Proceffion, welche in glühendem Sonnenlicht durch die Kornfelder hinzieht, und
das noch fchönere, zwei Jahre fpäter entftandene Gemälde: „Die Heimkehr der
Aehrenleferinnenferner zwei neue Gemälde aus den Jahren 1871 und 1872:
„Die Freundinnen“, drei Bauernmädchen, welche Arm in Arm plaudernd
durch die Kornfelder hinwandeln; an Qualität und Feinheit der Stimmung
den Aehrenleferinnen verwandt, aufserordentlich fchön durch die Art, wie
hier drei weibliche Charaktere zufammenklingen; und- „Die Quelle“, ein Bild in
lebensgrofsen Figuren und zwar nur mit zwei Gehalten junger Landmädchen
am Brunnen. Ganz im Schatten gehalten, heben fie fich vom lichten Abend
himmel ab. Die weiblichen Charaktere find bei aller Schlichtheit voller Anmuth