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Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

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DIE AUSSTELLUNGSBAUTEN. 
Welche Stellung nimmt nun unter Weltausftellungs-Palaft, zunächft im Gan 
zen und Grofsen angefehen, zu den gefchilderten Vorgängern ein? Es läfst lieh 
in der Gefammtanlage kein gröfserer Gegenfatz denken, als der Wiener Aus- 
ftellungsraum gegenüber dem letzten 
Parifer ihn darbietet. Statt des ge- 
fchloffenen Oblongums mit feiner 
ftreng normalen Circulation finden 
wir hier ein vielgliedriges, mannigfach 
bewegliches Ganzes, die fchärffte 
Trennung von Mafchinenwefen und 
Ackerbau, von Induftrie und Kunfl, 
und innerhalb der vereinzelt flehen 
den Gebäude, welche diefen Plaupt- 
arten der Production gewidmet find, 
wieder eine ftrenge Sonderung der 
Staaten und Nationalitäten. Theore- 
tifch betrachtet, ift diefe Zerklüftung 
zweifellos ein Rückfchritt, die ifolirte 
Lage der Kunflhalle befonders, fern 
abfeits an den füllen Ufern des Heu- 
ftadelwaffers, zum wenigflen keine 
Bequemlichkeit für den Kunftfreund. 
Andererfeits wollen wir uns freilich 
auch den praktifchen Vorzügen nicht 
verfchliefsen, welche das bekanntlich 
einem Projekte des verftorbenen van 
der Nüll entlehnte „Fifchgräten- 
Syftem“ namentlich für die bequeme 
Inftallation der. Ausflellungs - Gegen- 
ftände und für eine fehr ausgiebige 
Erweiterung der Räumlichkeiten dar 
bietet. 
Doch auf diefen und anderen 
praktifchen Dingen beruht die Eigen- 
thümlichkeit der Wiener Ausftellungs- 
bauten nicht. Ihr Charakter, ihr Vor 
zug ift künftlerifcher Art; dafs 
der leitende Architekt der Wiener 
Ausftellung, dafs Hafenauer und 
feine tüchtigen Genoffen Gugitz, 
Korompay, Storck, Feldfcha- 
rek, Weber, Graff oder wer fonfl 
noch an der architektonifchen Aus- 
ftattung des Ganzen Antheil hat — dafs fie dem Werke den Stempel heiterer 
Schönheit und impofanter Gröfse aufzudrücken verflanden haben, darin erblicken 
Notenpult des Wiener Männer-Gefang-Vereins 
in Ebenholz, Elfenbein und Bronze, 
von F. Schönthaler in Wien.
	        
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