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DIE AUSSTELLUNGSBAUTEN.
Welche Stellung nimmt nun unter Weltausftellungs-Palaft, zunächft im Gan
zen und Grofsen angefehen, zu den gefchilderten Vorgängern ein? Es läfst lieh
in der Gefammtanlage kein gröfserer Gegenfatz denken, als der Wiener Aus-
ftellungsraum gegenüber dem letzten
Parifer ihn darbietet. Statt des ge-
fchloffenen Oblongums mit feiner
ftreng normalen Circulation finden
wir hier ein vielgliedriges, mannigfach
bewegliches Ganzes, die fchärffte
Trennung von Mafchinenwefen und
Ackerbau, von Induftrie und Kunfl,
und innerhalb der vereinzelt flehen
den Gebäude, welche diefen Plaupt-
arten der Production gewidmet find,
wieder eine ftrenge Sonderung der
Staaten und Nationalitäten. Theore-
tifch betrachtet, ift diefe Zerklüftung
zweifellos ein Rückfchritt, die ifolirte
Lage der Kunflhalle befonders, fern
abfeits an den füllen Ufern des Heu-
ftadelwaffers, zum wenigflen keine
Bequemlichkeit für den Kunftfreund.
Andererfeits wollen wir uns freilich
auch den praktifchen Vorzügen nicht
verfchliefsen, welche das bekanntlich
einem Projekte des verftorbenen van
der Nüll entlehnte „Fifchgräten-
Syftem“ namentlich für die bequeme
Inftallation der. Ausflellungs - Gegen-
ftände und für eine fehr ausgiebige
Erweiterung der Räumlichkeiten dar
bietet.
Doch auf diefen und anderen
praktifchen Dingen beruht die Eigen-
thümlichkeit der Wiener Ausftellungs-
bauten nicht. Ihr Charakter, ihr Vor
zug ift künftlerifcher Art; dafs
der leitende Architekt der Wiener
Ausftellung, dafs Hafenauer und
feine tüchtigen Genoffen Gugitz,
Korompay, Storck, Feldfcha-
rek, Weber, Graff oder wer fonfl
noch an der architektonifchen Aus-
ftattung des Ganzen Antheil hat — dafs fie dem Werke den Stempel heiterer
Schönheit und impofanter Gröfse aufzudrücken verflanden haben, darin erblicken
Notenpult des Wiener Männer-Gefang-Vereins
in Ebenholz, Elfenbein und Bronze,
von F. Schönthaler in Wien.