PLASTIK UND MALEREI.
:126
fchaut, ift harmlos fmnlich ohne verletzenden Zug und coloriflifch wohl gelungen,
allerdings ohne höheres Schönheitsgefühl.
Unter den Malern der Landfchaft, des Viehflücks u. f. w. überftrahlten die
Werke von zwei berühmten Verftorbenen, Troyon und Theodore Rouffeau
an Naturgefühl, Meifterfchaft des Vortrags, Colorit, Tonwirkung und poetifcher
Empfindung alles Uebrige. Aufserdem fanden wir Landfchaften von Frangais,
Cabat, Dupre, Diaz, Paul Huet, eine grofse Anzahl Bilder von Corot,
die bei der vollen Auflöfung alles Gegcnftändlichcn in Schimmer und Duft, denn
doch von zauberhafter Wirkung des Tons find, mag es auch nicht an manieriftifchen
Zügen fehlen, endlich mehrere Gemälde von Frangois Daubigny mit
ihrer Kühnheit des freien, fkizzenhaften Vortrags, dem faft ängltlichcn Vermeiden
aller Linienfchönheit, der energifchen Wirkung ohne eigentliches Hafchen nach
Effect. Charles Pierre Daubigny arbeitet glücklich im Stil feines Vaters,
wie fein ausgeftelltes Strandbild zeigte. Von hoher poetifcher Schönheit find
die Winterlandfchaften, namentlich der Wald bei Sonnenuntergang, von dem
jüngeren Emile Breton.
Unter den Stillleben- und Blumenmalefn, die zwar vorwiegend Alle mehr
auf glänzende decorative Wirkung als auf ein feineres Stimmungsleben ausgehen,
feien Couder, Philippe Rouffeau, Desgoffe, Mme. E s c al 1 ier, dann aber
namentlich Vollon um feiner meiflerhaft gemalten Seefifche willen erwähnt.
Der franzöfifchen Plaftik wurde bereits oben im Zufammenhange mit
der monumentalen Malerei Frankreichs im Allgemeinen kurz gedacht. Wir
tragen dazu hier über die wichtigften der ausgeftellten Werke einige Bemerkungen
nach.
Schritt man auf das Hauptportal der Kunfthalle zu, fo fand man vor demfelben
im Freien ein Marmorwerk von dem Baron Charles Arthur Bourgeois,
ein leidenfchaftliches Frauenzimmer, das fich mit der Linken in die Haare fährt
und die Rechte warnend emporhebt. Wer im Katalog nachfieht, erfährt, dafs
diefe Geftalt die Pythia darftellt und merkt dann auch, dafs fie auf einem Dreifufs
fitzt; jeder Unbefangene hält fie für la France, die »Revanche!« fchreit. Die
Franzofen find aber viel mafsvoller als wir es ihnen Zutrauen; Cabel’s Gypsmodell
»1871« führt uns in der Figur Frankreichs nur ein Bild dumpfer verzweifelter
Trauer vor Augen. Die Begabung der Franzofen für das Pathetifche,
welche jenes Werk von Bourgeois in rhetorifcher Uebertreibung zeigt, tritt wirkfamer
und bedeutender in einer Marmorgruppe von Barrias zu Tage, dem
Knaben Spartacus, der zu den Fiifsen feines gekreuzigten Vaters Rache fchwört.
Das Herbe des Motivs bringt auch hier und da eine gewiffe formale Härte mit
fich, aber die Compofition hat etwas Mächtiges, der Ausdruck ift dramatifch.
Von demfelben Künftler fanden wir, fowohl in Marmor wie in verfilberter Bronze,
ein fchlichtes, gut durchgeführtes Genrewerk: die Spinnerin von Megara. Compofitionstalent
mit anmuthiger Schönheit verbunden offenbart die Hebe von Carrier-Belleufe,
einem Schüler von Dkvid d’Angers; von dem mächtigen Adler,
der über ihr zu wachen fcheint, befchattet, liegt die zarte Mädchenfigur weich
hingebettet auf Jupiter’s Thron. Geftalten in fchlichter, idyllifcher Situation,
mögen die Motive aus der antiken Mythe gefchöpft fein oder nicht, gelingen den
-