IV. DEUTSCHLAND, OESTERREICH UND UNGARN.
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dem 1 riumph des Germanicus. Schon der riefige Umfang hat etwas Imponiren-
des. Ift doch nach Detmold’s Anleitung zur Kunftkennerfchaft das Kennzeichen
der hiftorifchen Malerei nicht nur der gefchichtliche Gegenltand, fondern nament
lich eine gewiffe Gröfse! Ja, wenn es nur die rechte wäre! Der Triumph des
Germanicus ift an und für fich kein ungünftiger Gegenltand für die Malerei. Er
bietet dem Künltler Gelegenheit zur Entfaltung reicher malerifcher Mittel; die
von Tacitus gefchilderte ungebrochene Hoheit der Thusnelda, welche dem Wagen
des Siegers voranfchreiten mufs, ift zugleich ein Motiv, das der Darftellung auch
ein geiftig bedeutendes Gepräge aufdrücken kann. Aber Piloty war nicht im
Stande, dies geiftige Moment zum vollen und wahren Ausdrucke kommen zu laffen.
Das äufserliche Theaterpathos, welches innerlich hohle Charaktere zur Schau
Gläfer von M. Wentzel in Breslau.
tragen, gewahrt für diefen Mangel keinen Erfatz. Diefe Thusnelda, welche ihren
Knaben an der Hand, an der Tribüne des Kaifers vorüberzieht, zeigt keine Spur
von echter Gröfse mitten in der Erniedrigung; fte, wie die Weiber, die ihr folgen,
find prahlerifch gefchmückte Buhldirnen mit anfpruchsvoll aufgebauten und nach
neuer Mode künftlich-nachläftig arrangirtcn Frifuren. Ein gewaltiger Apparat ift
entfaltet, aber der Apparat allein macht kein hiftorifches Bild. Alles ift vor
handen, was fich an äufserem Aufwand irgend erwarten läfst: der thronende
Kaifer und die zufchauenden Damen, die römifchen Senatoren und der deutfche