MAK

Full text: Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873

IV. DEUTSCHLAND, OESTERREICH UND UNGARN. 
33:3 
dem 1 riumph des Germanicus. Schon der riefige Umfang hat etwas Imponiren- 
des. Ift doch nach Detmold’s Anleitung zur Kunftkennerfchaft das Kennzeichen 
der hiftorifchen Malerei nicht nur der gefchichtliche Gegenltand, fondern nament 
lich eine gewiffe Gröfse! Ja, wenn es nur die rechte wäre! Der Triumph des 
Germanicus ift an und für fich kein ungünftiger Gegenltand für die Malerei. Er 
bietet dem Künltler Gelegenheit zur Entfaltung reicher malerifcher Mittel; die 
von Tacitus gefchilderte ungebrochene Hoheit der Thusnelda, welche dem Wagen 
des Siegers voranfchreiten mufs, ift zugleich ein Motiv, das der Darftellung auch 
ein geiftig bedeutendes Gepräge aufdrücken kann. Aber Piloty war nicht im 
Stande, dies geiftige Moment zum vollen und wahren Ausdrucke kommen zu laffen. 
Das äufserliche Theaterpathos, welches innerlich hohle Charaktere zur Schau 
Gläfer von M. Wentzel in Breslau. 
tragen, gewahrt für diefen Mangel keinen Erfatz. Diefe Thusnelda, welche ihren 
Knaben an der Hand, an der Tribüne des Kaifers vorüberzieht, zeigt keine Spur 
von echter Gröfse mitten in der Erniedrigung; fte, wie die Weiber, die ihr folgen, 
find prahlerifch gefchmückte Buhldirnen mit anfpruchsvoll aufgebauten und nach 
neuer Mode künftlich-nachläftig arrangirtcn Frifuren. Ein gewaltiger Apparat ift 
entfaltet, aber der Apparat allein macht kein hiftorifches Bild. Alles ift vor 
handen, was fich an äufserem Aufwand irgend erwarten läfst: der thronende 
Kaifer und die zufchauenden Damen, die römifchen Senatoren und der deutfche
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.