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PLASTIK UND MALEREI.
Scenerie bildet. Diefes Gemälde kann ebenfowenig wie John Knox vor den
Bilderftürmern oder wie Falftaff mit den luftigen Weibern, ein Bild, dem der
feinere, unbefangene Humor fehlt, für die wahren malerifchen Qualitäten von
Lindenfchmit ein Zeugnifs ablegen. Man mufste fich freuen, hier auf’s Neue fein
früheres Werk, Hutten im Streit mit franzöfifchen Edelleuten, zu fehen. Zwar
befteht der hiftorifche Moment hier nur in einer Prügelfcene, aber die kecke,
trutzige Hauptgeftalt ift höchft lebendig und charakteriftifch erfunden und die
coloriftifche Wirkung ift ebenfo glänzend wie energifch.
Nicht ohne krankhaften Zug find die neuen Arbeiten von Gabriel Max,
aber die tiefe dichterifche Empfindung, die jedem feiner Bilder zu Grunde liegt,
hat bei aller modernen Sentimentalität ihren Reiz, und Max befitzt die malerifchen
Mittel, um die lyrifchen Stimmungsmomente, auf die es ankommt, wirkfam
zur Erfcheinung zu bringen. Keines feiner jetzigen Bilder ift fo bedeutend wie
feine chriftliche Märtyrerin am Kreuz, keins fo zart und duftig wie fein Adagio,
um an diefe Werke aus den letzten Jahren zu erinnern, aber fein Bild »Verblüht«
— das Mädchen, das nach der Rückkehr von Feft und Jubel, während fchon der
Morgen durch die Scheiben blickt, auf ihrem Bette fitzt und, im Begriff, den
glänzenden Flitterftaat vollends abzuftreifen, fchmerzlich über ihre entfchwindende
Jugend nachfinnt, — ift klar und treffend in pfychologifcher Hinficht. Nicht in
gleichem Mafse kann man das von dem »Frühlingsmärchen« fagen. Warm und
fchlicht ift das »Stillleben«, die finnige Clavierfpielerin im einfamen Gemach.
Die poetifche Wirkung ergiebt fich leichter, wo der Künftler nicht aus der
Gegenwart, fondern aus einer früheren Zeit feine Vorwürfe holt, wie in dem
blinden Mädchen, das am Eingänge der Katakomben den Befuchern die Lampe
darreicht. Gretchens Erfcheinung in der Walpurgisnacht, mit dem rothen Streifen
am Hälfe, feft an den Felfen gedrückt, effectvoll beleuchtet — das gröfste diefer
Bilder — geht völlig in das Seltfame über, wirkt aber durch den gefpenftifchen
Reiz auf die Phantafie.
Leider haben wir in der modernen Kunft fo oft zu der Wahrnehmung
Grund, dafs bedeutende Talente mitten in ihrem Streben den Halt verlieren und
einer krankhaften Anwandlung unterliegen. Eine folche fpricht aus den Bildern
des verftorbenen Victor Müller, der Waldnymphe, dem Adonis, bei aller
originellen coloriftifchen Kraft, bei unläugbar packenden Zügen. Durch und
durch krank erfcheint der Schweizer Arnold Böcklin, der hier im Kreife der
Münchener auftrat. Wo find die Tage hin, in welchen er jene Landfchaften und
Stimmungsbilder der Galerie Schack hervorbrachte r Sein Centaurenkampf, von
unleugbar dämonifcher Gewalt, ift doch fchon von einer grenzenlofen Formlofigkeit.
Und nun gar feine Pieta! Eine zerfliefsende mufikalifche Empfindung rifs
den Künftler hin; die äufserfte Leidenfchaft des Schmerzes, den nahenden Troff
wollte er in zauberhaften Lichtwirkungen darftellen, aber ihm zerrann dabei jede
Geftalt, die Farbenwirkung ward zu einem blofsen Feuerwerk. '
Ganz anders ftand ein dem Ebengenannten in früheren Beftrebungen nahe
verwandter Künftler, Anfelm Feuerbach, da. Man fah nicht feine grofsen
Arbeiten der letzten Zeit, die erft fpäter vor die Oeffentlichkeit getreten find,
fondern nur die vor Kurzem für die Stuttgarter Galerie erworbene, unfern