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PLASTIK UND MALEREI.
blos durch die individuelle Charakteriftik, fondern auch durch Farbe und Haltung,
durch das Stimmungsleben der winterlichen Scenerie Ausdruck verleiht.
Das kleine Gemälde „Die Gefchwifter“, halb Bildnifsgruppe, halb Genrebild, ift
ein Juwel an Eleganz und Zartheit. Höchft anziehend ift das Portrait eines
flehenden kleinen Mädchens; nicht minder der kleine „Freibeuter“, ein Bube,
der fich der geftohlenen Rüben freut, herzig in feinen Lumpen. Dazu kommt
das neuerte gröfsere Werk von Knaus, eine Bauernberathung im Schwarzwalde.
In rein malerifcher Beziehung möchte ich es dem Begräbnifs nicht gleichrtellen,
der durchgehende Terra-di-Siena-Ton mit feinem röthlich-bräunlichen Schimmer
giebt der Haltung etwas Conventionelles; dafür ift aber die Charakteriftik von
urfprünglichfter Kraft und Lebendigkeit, die Zeichnung fammtlicher Figuren bei
ziemlich grofsem Mafsftabe feft und meifterhaft, die Durcharbeitung jedes einzelnen
unter diefen originellen, fcharf ausgeprägten, kräftig aus der Mitte des
Lebens gegriffenen Charakteren zeigt Knaus auf. feiner vollen Höhe. Die
fchwarzwälder Bauern in ihrer derben Tüchtigkeit, ihrem zähen Fefthalten am
Alten und Hergebrachten, ihrer Gewichtigkeit in Berathung der kleinften Angelegenheiten
, find nie wahrer gefchildert worden. Wie paffen dabei die Menfchen
in ihre Umgebung, in das ländliche Zimmer mit den fchlechten Heiligenbildern,
dem grünen Kachelofen, der Hühnerfamilie im Vordergründe, hinein!
Die Aufteilung wies kein Gefckichtsbild auf, das eine fo tief gehende und
wuchtige Charakteriftik des Einzelnen, ein fo lebendiges, draftifches Ineinandergreifen
aller Charaktere zeigte.
Neben Knaus mufs man ftets B. Vautier nennen; durch fie beide nimmt
Düffeldorf in der Volksmalerei den erften Platz ein. Nur feine ländliche Tanzftunde,
der Berliner Nationalgalerie gehörig, hing in der deutfchen Abtheilung,
die übrigen Bilder fanden wir in dem Saale der Schweiz, aber ihre Stoffe find
ebenfalls aus dem deutfchen Volksleben, aus dem Schwarzwalde, geholt und
Vautier’s ganze Richtung ift durch feinen engen Anfchlufs an das deutfche
Kunftleben bedingt. Da fehen wir einen Landmann beim Advokaten, ferner
ein ftilles, ergreifendes Bild: ein Bauer mit feinem Töchterchen am Krankenbette
der Frau, endlich das grofse figurenreiche Begräbnifs, das er im Herbft
1871, gleichzeitig mit dem Bilde deffelben Gegenftandes von Knaus, vollendet
hat. Ein folcher Colorift, wie diefer, ift Vautier nicht, das ift bekannt, und wir
dürfen nicht erwarten, dafs, wie bei Knaus, aus der Farbe felbft die Seele des
Vorgangs rede; dennoch ift das Bild durchaus harmonifch in der Durchführung
und bei der reichen Gruppirung, bei der Fülle der Gehalten entfaltet fich hier
eine folche Tiefe und Feinheit des Gemüthslebens, folche Verwerthung aller
jener Momente des Ausdrucks, welche die Situation mit fich bringt, eine bis auf
den Grund gehende Vertrautheit mit jenem Volksftamm , dafs man wohl fagen
darf, fo vollftändig und fo ineinandergreifend hat der Künftler uns alle diefe
Eigenfchaften kaum jemals offenbart. An Innigkeit geht Vautier noch über
Knaus, und bewundernswerth ift vor Allem die Befcheidenheit, mit welcher er
feine Kenntnifs vom Empfindungsleben des Volkes zum Ausdruck bringt. Nicht
nur den Gegenftand des Begräbniffes haben Knaus und Vautier hier gemein,
auch den Volksftamm, der die Perfönlichkeiten liefert, und fogar ein paar her-